Fußball am Computerbildschirm - der SV Schermbeck hofft, damit Kinder und Jugendliche auch auf den Fußballplatz zu bekommen. © dpa
Sport am Computer

SV Schermbeck setzt auf e-Sport

Im ersten Augenblick scheint es paradox, dass Jugendliche mit Hilfe von Computerspielen auf den Fußballplatz gelockt werden sollen. Tim Besten, Leiter der E-Sportabteilung des SV Schermbeck, sieht das anders.

Tim Besten und der Vorstand des Fußball-Oberligisten haben sich viele Gedanken gemacht, wie man Jugendliche an den Verein binden könnte. Der 23-Jährige ist der Leiter der neuen e-Sportabteilung des SVS. Er hat sein Studium an der deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement absolviert und sich in seiner Bachelorarbeit mit dem Thema „Sponsoring im e-Sport“ befasst: „Dafür führte ich Interviews mit Experten vom VfL Bochum, Borussia Mönchengladbach und dem SV Meppen, die in der vereinseigenen e-Sport Abteilung arbeiten.“

Tim Besen und Michael Steinrötter, SV Schermbeck
Tim Besten (l.) ist der Leiter der e-Sportsabteilung des SV Schermbeck. Vorsitzender Michael Steinrötter (r.) verspricht sich viel von seiner Arbeit. © Privat © Privat

E-Sport umschreibt das leistungsbezogene Spielen von Computerspielen. In den letzten Jahren sind sehr viele Ligen für die unterschiedlichsten Spiele entstanden, die auf dem Computer oder an Konsolen gespielt werden. Noch ist der Organisationsgrad nicht sehr komplex, erklärt Besten: „Momentan kann jeder eine Liga ins Leben rufen. Am erfolgreichsten sind die Ligen, die als Unternehmen geführt werden. Dies liegt daran, dass der e-Sport nicht vom DOSB als Sportart anerkannt wird und somit auch keine gemeinnützigen Zwecke erfüllen muss.“

Da der SV Schermbeck ein Fußball-Verein ist, konzentrieren wir uns in erster Linie auch auf Fifa, so Besten: „Wir werden uns erstmal auf FIFA beschränken, das das erfolgreichste Fußball-Simulationsspiel der Welt ist.“ Das veranlasste auch beispielsweise den DFB, in diesem Jahr einen DFB E-Pokal auszuspielen, in dem Mitglieder der angeschlossenen Sportvereine teilnehmen konnten.

e-Sports-Raum des SV Schermbeck
Im Abraham-Haus hat der SVS bereits Spiel-Plätze für den e-Sport eingerichtet. © Privat © Privat

Die Schermbecker setzen auf den Effekt, dass sich die Kinder und Jugendlichen auch dafür interessieren könnten, die Dinge, die sie am Computer anwenden, auch mal auf dem Platz auszuprobieren. Besten erklärt: „Wenn die Spieler bei FIFA einen Übersteiger spielen, kann man ihnen anbieten, das auch mal mit einem richtigen Ball auszuprobieren.“ Das hat in anderen Sportarten schon funktioniert. Die GT Academy, ein Förderprogramm von Nissan und Sony, veranstaltet seit vielen Jahren eine Kombination aus E-Sport-Turnieren und Rennfahrerschule. Von den Teilnehmern sind nicht wenige auf ein richtiges Motorrad umgesattelt, und einige haben sogar eine internationale Rennfahrer-Karriere begonnen.

Das Angebot der Schermbecker ist auf keine Altersgruppe beschränkt, doch Besten weiß: „Der Großteil der e-Sport-Interessierten ist zwischen 13 und 34 Jahre alt (84 %).“ Die Schermbecker wollen in Kürze ein erstes Turnier anbieten. Das ist auch in Corona-Zeiten möglich, so Besten: „Die Teilnehmer brauchen nicht ins Clubheim zu kommen, sondern können von zuhause aus online spielen.“

Im Abraham-Haus gibt es schon Plätze

Langfristig sollen die Treffen aber im Abraham-Haus stattfinden, wo der SVS schon Spiel-Plätze eingerichtet hat. Ziel ist es natürlich auch, eine oder mehrere Mannschaften für einen Liga-Betrieb zu melden. Auch diese Wettbewerbe finden online statt, so Besten: „Wir brauchen nicht für Auswärtsspiele in einen Bus zu steigen.“

In solchen Meisterschaftsspielen startet jeder Spieler mit einer Mannschaft, die er sich selber zusammengestellt hat. Er kann sich Spieler aussuchen, die er aus Packs per Zufall zieht. Bislang stehen Spieler aus den internationalen Profiligen zur Auswahl. Ein Spieler aus der 3. Liga ist dabei natürlich nicht so gut wie einer aus der Bundesliga, der ein besseres Rating bekommen hat. Bezahlt werden die Transfers mit einer internen Spielwährung, so Besten: „Für jeden Online-Sieg gewinnt man Münzen, für die man Spieler aus Packs ziehen oder auf dem Transfermarkt kaufen kann. Allerdings kann man zusätzlich Echtgeld investieren.“ Ein Spieler wie Cristiano Ronaldo, koste rund 1,2 Millionen Coins. Besten weiß: „Es ist kaum möglich, so eine Summe zu erspielen.“

Bei jeder neuen FIFA-Version bekommen die Spieler ein Update. Sollte man einen Drittliga-Spieler im Aufgebot haben, der in der Realität in die Bundesliga gewechselt ist, wird dieser Spieler dementsprechend besser. Jeder FIFA-Spieler hat Zugriff auf alle verfügbaren Spieler, sodass viele Lewandowskis, Ronaldos und Messis im Umlauf sind. Besten erklärt: „Theoretisch können zwei Gegner mit exakt den gleichen Spielern antreten.“

Dann sind die persönlichen Fähigkeiten des Online-Spielers gefragt. Dabei kommt es auf die Fingerfertigkeit an. Für jeden Trick eines animierten Fußball-Stars gibt es Tasten-Kombinationen. Der Abteilungsleiter erklärt: „Diese Fingerfertigkeit kann man nur durch langes Spielen und Üben erlangen.“

Sobald der Lockdown beendet ist, will sich die E-Sport-Abteilung auch aktiv am Sportplatz während des normalen Trainings- und Spielbetreib den SVS-Mitgliedern präsentieren. Besten plant: „Wir wollen zum Beispiel in der Halbzeit einige Show-Spiele zeigen, um das Interesse zu wecken.“

Steinrötter ist Feuer und Flamme

Michael Steinrötter, 1. Vorsitzender des SVS 2020, ist Feuer und Flamme für die neue Abteilung: „Es war für uns ein Muss, sich dem E-Sport zu widmen, und mit Tim Besten haben wir einen geeigneten Leiter gefunden. Die Abteilung lässt sich eigenständig vermarkten und wird einen Teil der SVS-Familie ausmachen. Für Steinrötter ist diese Abteilung aber nur der Anfang: „Es wird zukünftig weiterhin neue Projekte geben, die dem neuen Verein SVS 2020 einen noch größeren Zuspruch gewähren sollen.“

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