Rhades Theresa Rekers gegen Wulfens Matthias Büch? Dieses Duell wird es im deutschen Amateurfußball wohl so schnell nicht geben. Meinen zumindest die heimischen Trainer. © Grafik Dittgen
Fussball

So stehen Dorstens Trainer zum Mixedfußball

Sollen Frauen und Männer künftig in gemeinsamen Mannschaften spielen?

Der niederländische Fußball-Verband erlaubt in der kommenden Saison in den Amateurligen gemischte Mannschaften, in denen Frauen und Männer zusammen spielen. Die Nachbarn feiern das als historischen Schritt, die Trainer im Dorstener Bereich sehen eine Übernahme der Maßnahme für die deutschen Ligen aber eher skeptisch.

Dirk Bessler, Trainer der Westfalenliga-Damenmannschaft des SSV Rhade, hält die Idee für gut, sagt aber im gleichen Atemzug: „Das wird nur in ganz wenigen Ausnahmefällen funktionieren. Die körperliche Konstitution ist bei Frauen und Männern viel zu unterschiedlich. Das geht bei Kindern bis zur D-Jugend, doch dann ist Schluss.“

Der Trainer hält es auch für unwahrscheinlich, dass die Frauen in den gleichen Ligen spielen können, in denen sie bislang antraten: „Eine gute Bundesliga-Fußballerin könnte es in der Landesliga schaffen, in Ausnahmefällen vielleicht auch in der Westfalenliga. Mehr geht aber sicher nicht, und wenn doch, wäre das eine absolute Ausnahme.“

Radüchel ist ebenfalls skeptisch

Seine Torhüterin Jennifer Radüchel ist ebenfalls sehr skeptisch. Die Keeperin hat schon in der Bundesliga gespielt, sagt aber auch: „Die Körperlichkeit ist eine ganz andere. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich bei einer Standardsituation in der A-Liga gegen mehrere Männer im Luftduell an den Ball käme.“ Sie trainiert jedoch gerne mit Männern: „Beim Torschusstraining kommen da ganz andere Bälle aufs Tor als bei den Frauen. Das ist eine sehr gute Übung.“

Enrico Marrali vom TuS Gahlen ist geteilter Meinung: „Bei uns in Gahlen gab es mal ein Mädchen, das bis zur A-Jugend mit den Jungs gespielt hat. Das war aber eine Ausnahme. Sonst klappt das nur bis zur D-Jugend.“ Er hat aber auch die gleiche Auffassung wie seine Kollegen: „In Sachen Körpereinsatz werden die Frauen auf jeden Fall Probleme bekommen. Zudem muss eine Frau auch in ein Männer-Teamgefüge passen, das ist nicht leicht.“ Auch in der Logistik sieht er Schwierigkeiten: „Wenn zwei Gemischt-Mannschaften aufeinandertreffen brauchen wir vier Kabinen. Es wäre ein Unding, Frauen und Männer zusammen duschen zu lassen.“

“Ganz andere Robustheit“

Michael Eilers, Coach der Raesfelder Damen, hält Mixed-Teams für möglich: „Ich glaube, dass einige meiner Spielerinnen mithalten könnten. Das sind dann aber Frauen, die in der Jugend schon lange mit Jungen zusammengespielt haben. Die bringen auch im Seniorenbereich eine ganz andere Robustheit mit.“

Der Lembecker Frauen-Trainer Christoph Burdenski hält die Idee für reizvoll: „Das klappt aber auch nur, wenn man eine eigene Liga dafür gründen würde. Eine andere Umsetzungsmöglichkeit halte ich für schwierig, und im normalen Spielbetrieb wird das nicht funktionieren.“ Der körperlich bedingte Leistungsunterschied sei zu groß, um die Ligen eins zu eins zu übertragen: „Ich habe in anderen Vereinen gesehen, das Westfalenliga-Fußballerinnen so ungefähr auf B-Kreisliga-Niveau mitspielen können.“

Arek Knura, Noch-Trainer des Männer A-Ligisten BVH Dorsten und bald am Wulfener Wittenbrink, will abwarten: „Ich schaue mir gerne mal an, wie das in den Niederlanden funktioniert, ich bin aber sehr skeptisch.“ Er hat erkannt, dass es bei den Frauen in den letzten Jahren Fortschritte in Sachen Technik und Taktik gegeben hat: „Bei Lehrgängen in der Sportschule Kaiserau habe ich Trainingseinheiten der Frauen-Auswahlmannschaften beobachtet und war schon beeindruckt.“

“Da wird es Spieler geben, die Frauen weggrätschen“

Allerdings könnten Frauen die körperlichen Nachteile nicht ausgleichen: „Ich habe vor Jahren mal ein EM-Vorbereitungsspiel der deutschen Damen-Nationalelf gegen einen Männer-Bezirksligisten gesehen, das die Frauen mit 2:7 verloren haben.“ Außerdem glaubt er auch nicht, dass in den unteren Ligen die Männer sich zurückhalten würden: „Dann hätten die Frauen selbst in fairen Zweikämpfen keine Chance, und schon gar nicht, wenn es so richtig zur Sache geht. Da wird es Spieler geben, die in der entscheidenden Phase eines Spiels auch mal Frauen weggrätschen.“

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