Schermbecks neuer Torwart Alexander Geraedts spielte trotz seiner gerade erst 20 Jahre schon ein Jahr im Ausland, nämlich in Istanbul. © dpa
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Schermbecks neuer Keeper hat internationale Erfahrung

Dass er „auf der Linie klebt“, kann man Alexander Geraedts nun wirklich nicht vorwerfen. Trotz seiner gerade mal 20 Jahre hat der neue Torwart des SV Schermbeck schon internationale Erfahrung.

Dass er im Herbst 2019 den Weg in die Türkei fand, verdankt Alexander Geraedts einem Freund: „Er sagte mir, dass es bei Basaksehir Istanbul ein Probetraining für die U19 gibt“, erzählt der junge Torwart, der ab diesem Sommer den SV Schermbeck verstärkt.

U19 Basaksehir Istanbul
Mit Basaksehir Istanbul spielte Alexander Geraedts (o.l.) in der Saison 2019/20 in der türkischen U19 Süper Lig. Die Corona-Pandemie zwang ihn aber zur vorzeitigen Rückkehr. © Privat © Privat

Der Flug war schnell gebucht, und nach drei Tagen Probetraining wurde Geraedts noch einmal zu einem Einzeltraining eingeladen. Dabei machte er einen so guten Eindruck, dass er für die U19 des aktuellen türkischen Meisters eingeladen wurde. Seine Freunde und Verwandten machten ihm Mut und beglückwünschten ihn zu dieser Entscheidung: „Lediglich meine Mutter war etwas skeptisch, hat mich dann aber auch voll unterstützt.“

Der Wechsel vom Niederrhein-Ligisten FSV Duisburg an den Bosporus brachte viele Umstellungen mit sich. In Istanbul war Alex Geraedts in einem Hotel untergebracht, das der Club allein für seine Nachwuchsspieler gemietet hatte: „Meine Teamkameraden kamen aus der gesamten Türkei, und im Winter stießen auch noch drei Franzosen zum Kader. Ich habe aber kein Türkisch gelernt, die Kommunikation fand auf Englisch statt.“

200 Zuschauer wollten die Spiele von Basaksehir sehen

Die Mannschaft trainierte einmal pro Tag: „So hatte ich am Nachmittag auch immer noch Zeit, mir die Stadt anzusehen.“ Im Mittelpunkt stand aber der Fußball, und gleich das erste Spiel blieb ihm in bleibender Erinnerung: „Meine Mutter und meine Cousine waren für das Wochenende aus Deutschland angereist . Das war schon ein sehr schönes Gefühl, zu wissen, dass die beiden auf der Tribüne saßen.“

Bei den Spielen der Mannschaft kamen immer um die 200 Zuschauer: „Wir hatten einige Spieler in der Mannschaft, die auch zum Profikader gehörten. Da war das Interesse der Fans durchaus vorhanden.“ Das Saisonende erlebte Alex Geraedts aber nicht mehr mit, denn wegen des Corona-Virus‘ reiste er frühzeitig wieder nach Deutschland.

Im letzten Sommer stand dann die Entscheidung der Istanbuler Sportlichen Leitung an, ob man dem Oberhausener einen Vertrag geben solle. Man entschied sich aber letztendlich dagegen, und so musste sich Geraedts einen deutschen Verein suchen: „Ich war schon damals im Gespräch mit dem SV Schermbeck, aber da die Entscheidung in der Türkei so lange dauerte, war die Torhüterposition schon besetzt, als die Absage kam.“

Bei Klosterhardt erkämpfte sich Alex Geraedts gleich einen Stammplatz

Er meldete sich dann bei Arminia Klosterhardt an, die in der Niederrhein Landesliga spielt. Dort bekam Geraedts gleich den Stammplatz: „Ich habe nur einmal wegen einer Verletzung ausgesetzt, ansonsten habe ich alle Spiele gemacht. Es war mir wichtig, in Deutschland Fuß zu fassen, deswegen habe ich mich auch nicht bei höherklassigen Vereinen beworben.“

Der Wechsel in die Landesliga war schon eine Umstellung: „Mit Istanbul bin ich für die Spiele quer durch die Türkei gefahren, mit Klosterhardt fahre ich im Vergleich nur mal kurz um die Ecke.“

Der Wechsel zum SVS bedeutet für den Keeper eine erneute Herausforderung: „Ich traue mir aber durchaus zu, auch beim SV Schermbeckdie Nummer Eins zu werden.“ Der 1,89 m große, rustikal gebaute Torhüter bringt auf jeden Fall die körperlichen Voraussetzungen für die Oberliga mit. Seine Stärken sieht er vor allem in der Strafraumbeherrschung: „Bei hohen Bällen bin ich immer zur Stelle. Ich bringe auch fußballerische Fähigkeiten mit. Ich kann nicht nur mit dem rechten Fuß, sondern werde auch links immer stärker.“

Alexander Geraedts und Cem Kara, SV Schermbeck
Schermbecks Sportlicher Leiter Cem Kara (r.) stellte Neuzugang Alexander Geraedts (l.) vor. © Privat © Privat

Alex Geraedts hofft auf einen erfolgreiche Saison mit dem SV Schermbeck: „Zur genauen Stärke kann ich aber wenig sagen. Ich kenne zwar einige Spieler vom Sehen aus meiner Zeit bei RW Oberhausen. Da ich aber gerade erst mein erstes Seniorenjahr hinter mir habe, kann ich nicht jeden Spieler einschätzen.“

Der SV Schermbeck könnte für den 20-Jährigen durchaus noch die erste Stufe für eine zukünftige Profikarriere sein, doch darauf verlassen will er sich nicht: „Als ich in die Türkei ging, hatte ich nur die Mittlere Reife in der Tasche. Momentan mache ich eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer.“

Bis zum ersten Training mit Sleiman Salha wird es noch einige Zeit dauern. Geraedts hofft, dass er bis dahin noch einmal Fußball spielen kann: „Mit Klosterhardt stehen wir auf dem vierten Platz. Sollte die Saison fortgesetzt werden, könnten wir sogar noch Meister werden und in die Oberliga aufsteigen. Ich freue mich aber jetzt schon auf die Zeit beim SV Schermbeck.“

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