Der Umbau des Tennenplatzes des FC Rot-Weiss Dorsten sollte im Zuge des "Investitionspaktes zur Förderung von Sportstätten" des Landes NRW erfolgen. Jetzt kam aus Düsseldorf die Antwort zu dem Antrag. © Niklas Berkel
Sportstättenbau

Muss Dorstener Großprojekt schrumpfen?

Viele Wege führen nach Rom. Dorstens Leichtathleten und die Fußballer des FC Rot-Weiss Dorsten hoffen, dass das für ihr gemeinsames Großprojekt auch gilt. Denn der direkte Weg ist versperrt.

Eine Leichtathletik-Anlage mit allem Drum und Dran; dazu einen Kunstrasenplatz für die Fußballer des FC Rot-Weiss Dorsten – es war ein Großprojekt, das die Stadt Dorsten auf der Anlage am Jahnplatz verwirklichen wollte. Sie will es immer noch. Doch der Weg dorthin wird deutlich steiniger als gehofft.

Ursprünglich hatten die Stadt und die beteiligten Sportvereine darauf gesetzt, dass das Projekt in den „Investitionspakt zur Förderung von Sportstätten“ des Landes Nordrhein-Westfalen aufgenommen würde. Eigens dafür hatte der Dorstener Stadtrat noch vor der Kommunalwahl 2020 über das Projekt abgestimmt und damit den Weg für den entsprechenden Antrag bereitet. Wäre der in Düsseldorf genehmigt worden, hätte das Land NRW das 1,1-Mio-Euro-Projekt mit dem Maximalwert von 750.000 Euro bezuschusst. Das tut es aber nun nicht. Der Antrag für das 2020er-Programm wurde abgelehnt.

Stadt Dorsten brachte neuen Antrag auf den Weg

Die Stadt Dorsten brachte daraufhin einen neuen Antrag, für 2021 auf den Weg. Der verspricht nur noch 90 Prozent der maximalen Fördersumme, und er wurde – das erklärte die Stadt auf Anfrage unserer Redaktion – in einem wesentlichen Punkt abgeändert: Er enhält nur die Leichtathletik-Anlage, nicht mehr den Kunstrasenplatz für die Fußballer.

Nach der Ablehnung des ersten Antrages hatte sich die Stadt mit der Staatskanzlei in Verbindung gesetzt. Dabei sei der Stadt bedeutet worden, dass die Chancen auf Annahme ihres Antrags für das 2021er-Programm deutlich höher seien, wenn es darin nur um die Leichtathletik-Anlage gehe. Von zahlreichen Anträgen für Kunstrasenplätze sei bislang kein einziger durchgekommen.

Plan für die Leichtathletik-Anlage am Jahnplatz in Dorsten
So sehen die Planungen für die Leichtathletik-Anlage am Jahnplatz aus. © Stadt Dorsten © Stadt Dorsten

Die Reduzierung auf die Leichtathletik-Anlage verspricht also, taktisch klüger zu sein. Doch was wird aus den Fußballern? Für deren Kunstrasenplatz gebe es aktuell andere Finanzierungsmodelle, die auch schon vor der neuen Antragsstellung im Gespräch waren, erklärt die Stadt. Doch nicht nur deshalb fällt die Reaktion des 1. Vorsitzenden des FC Rot-Weiss Dorsten, Stefan Cremer, überraschend gelassen aus.

“Wer weiß, was wir bekommen hätten“

„Es wäre natürlich schön gewesen, das gesamte Projekt einfach so hingesetzt zu bekommen“, erklärte Cremer im Gespräch mit unserer Redaktion. „Aber wer weiß, ob wir dann wirklich die beste Qualität bekommen hätten. Das Projekt hätte dann nämlich europaweit ausgeschrieben werden müssen. Dann wären Kunstrasen-Experten wie Polytan oder Vornbrock, die die Plätze unserer Nachbarvereine hervorragend gemacht haben, vielleicht raus gewesen.“

Auf klassischem Finanzierungsweg wie etwa über die Sportpauschale könnten diese Firmen aber berücksichtigt werden. Mit der Ablehnung und der veränderten Fassung des städtischen Förderantrags kann der Fußball-Vorsitzende deshalb leben: „Ich bin weiter optimistisch, dass wir unseren Kunstrasenplatz bekommen.“

Wie es mit der Leichtathletik-Anlage weitergehe, müsse man abwarten: „Wenn sie nun gesondert beantragt wird, stehen die Chancen ja besser, dass sie genehmigt wird. Deshalb habe ich auch Verständnis für die Stadt, dass sie nun so vorgeht. Das muss man ganz sachlich sehen.“

Zur gegebenen Zeit und nach Aufhebung der Corona-Beschränkungen müsse man sich dann mit Leichtathleten und Stadt an einen Tisch setzen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Dass es diese gemeinsame Zukunft von Fußballern und Leichtathleten am Jahnplatz geben wird, glaubt nach wie vor auch Heinz-Georg Schulz, der Vorsitzende des VfL Rot-Weiß Dorsten: „Vielleicht waren wir mit dem ersten Antrag auch ein bisschen spät dran. Dadurch, dass es im neuen Versuch jetzt nur noch um die Leichtathletik-Anlage geht, ist der jetzt aber aussichtsreicher.“

Stadtsportverband hatte nicht alle Mittel ausgeschöpft

Auch, dass das veränderte Projekt nun frühestens ins 2021er-Programm aufgenommen werden kann, sieht Heinz-Georg Schulz nicht als unlösbares Problem: „Das ist deshalb nicht tragisch, weil der Stadtsportverband ja seinerzeit noch Geld zurückgehalten hat.“ Der SSV hatte die Mittel des Förderprogramms „Moderne Sportstätten 2022“ nicht voll ausgeschöpft und rund 240.000 Euro weniger beantragt als möglich, um im Fall der Fälle Geld für den Bau der Leichtathletik-Anlage in Reserve zu haben. Konkrete Gespräche über diese Option haben nach Ablehnung des ersten Investitionspakt-Antrages zwischen Leichtathleten und SSV aber noch nicht stattgefunden.

“Wenn die Anlage nicht kommt, ist die Leichtathletik in Dorsten erledigt“

Und was, wenn auch der zweite Antrag in Düsseldorf abgelehnt wird? Darüber möchte Heinz-Georg Schulz eigentlich gar nicht nachdenken: „Wie gesagt: Ich bin nach wie vor optimistisch und möchte jetzt nicht zu schwarz malen. Aber wenn wir diese Anlage nicht bekommen, dann ist die Leichtathletik in Dorsten so, wie sie jetzt ist, erledigt. Es kann nicht sein, dass die Städte um uns herum allesamt solche Anlagen haben, nur wir nicht. Und das sagen wir schon lange.“

Über den Autor
Sportredaktion
Sport ist für den Wulfener nicht nur ein wichtiger Bestandteil seines Arbeitslebens. Seit 1993 schreibt er als Mitarbeiter der Dorstener Zeitung über das Sportgeschehen in der Lippestadt, seit 1999 ist er als Redakteur für den Lokalsport in der Lippestadt verantwortlich. Dabei fasziniert ihn besonders die Vielfalt der Dorstener Sportszene, die von Fußball bis Tanzen und von Basketball bis Kitesurfen reicht.
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Andreas Leistner

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