Moritz Oberheim erlebte ein sehr erfolgreiches Jahr 2020. © Privat
Motorsport

Moritz Oberheim fährt „lieber richtige Rennen“ – und das sehr erfolgreich

Moritz Oberheim erlebte „Himmel und Hölle“ des Motorsports in diesem Jahr. Am Ende war es für den Schermbecker Motorsportler fast des Guten zu viel.

Fünf Rennen, drei Titel: Das ist die Erfolgsbilanz des Schermbecker Rennfahrers Moritz Oberheim am Nürburgring im Jahr 2020. „Wir haben als Team in dieser Saison weniger Fehler als andere gemacht, diese Teamleistung auf der Strecke ins Ziel gebracht und damit die Gegner immer stärker unter Druck gesetzt“, sagt er zu diesem Erfolg.

Bedingt durch die Coronavirus-Pandemie wurde der Langstreckenrennsport in der „Grünen Hölle“ des Nürburgrings in diesem Jahr im März voll ausgebremst. Doch wie schon so oft hat die VLN als Organisation hinter der Nürburgring Langstreckenserie (NLS) sich wieder einmal neu erfunden.

Das virtuelle Rennen war nichts für Moritz Oberheim. © Privat © Privat

So hat man zu Anfang, als gar nichts mehr ging, zunächst eine virtuelle neue Rennserie etabliert. Parallel dazu wurde ein ausgeklügeltes Hygienekonzept entwickelt, mit dem es dann ab Ende Juni doch noch möglich wurde, einen Teil der geplanten Rennen zu starten. Allerdings durften keine Fans an die Strecke. Für sie wurden die Übertragungen im Livestream optimiert.

Oberheim startete im gleichen Team wie im Vorjahr

Mit dabei war der Schermbecker Rennfahrer Moritz Oberheim, der wie im Vorjahr für das „AVIA Sorg Racing Team“ erneut einen „BMW 240i Racing“ im gleichnamigen Cup fuhr. Er startete zu Anfang auch bei einem der virtuellen Rennen. „Das war aber nicht meine Welt, ich fahre lieber richtige Rennen“, sagte er danach.

Bereits bei der „51. Adenauer ADAC Rundstrecken Trophy“, dem Saisonauftakt der NLS am 27. Juni, gelang es Oberheim zusammen mit seinem neuen Teamkollegen Heiko Eichenberg im stark besetzten „BMW M240i Racing Cup“ auf das Podest zu fahren.

Oberheim erlebte „Himmel und Hölle“ des Motorsports – große Überraschung

Mit einer bis dato einmaligen Doppelveranstaltung betrat die VLN am 11. und 12. Juli dann absolutes Neuland. Oberheim erlebte bei diesem „Double-Header“ praktisch im Zeitraffer einmal mehr „Himmel und Hölle“ des Motorsports. Er verunfallte zunächst am Steuer eines BMW 330i, den er zu Testzwecken über die Nordschleife steuerte.

Im Rennen am Samstag brachte sich der Schermbecker dann mit einem seiner spektakulären Überholmanöver wieder in Schlagdistanz zur Spitze und fuhr mit seiner ganzen Routine einen sicheren zweiten Platz nach Hause. Der Zeitenmonitor zeigte aber eine dicke Überraschung: Die vermeintlichen Sieger wurden mit einer nachträglichen Zeitstrafe belegt, wodurch Oberheim und Eichenberg als Sieger genannt wurden.

Beim zweiten Rennen am Sonntag kam es knüppeldick. Startfahrer Eichenberg wurde in der zweiten Rennrunde von einem über motivierten Markenkollegen abgedrängt und strandete in den Leitschienen. Damit hatte das Team den ersten Nuller geschrieben.

Am 1. August ließ sich Oberheim beim vierten Lauf der NLS nach der Pole-Position im verregneten Qualifying beim Start trotz feuchter Strecke die profillosen „Slicks“ montieren. Er sagte später: „Das war grenzwertig, aber wir mussten das Risiko gehen.“

Beim „fliegenden Start“ konnte er sich direkt um zwei Wagenlängen absetzen, hielt auch auf der Nordschleife die Konkurrenz auf Abstand und freute sich später über den zweiten Klassensieg, den Teamkollege Eichenberg sicher über die Ziellinie brachte.

100 Prozent Vertrauen in das Auto

Sein persönliches Highlight war das Sechs-Stunden-Rennen Ende August. Bei diesem Saisonhöhepunkt zeigte er nach einem etwas verpatzten Start eine grandiose Aufholjagd, behauptete sich in beinharten Zweikämpfen im Mittelfeld, und konnte später mit einem genialen „Move“ am „Tiergarten“ gleich zwei Konkurrenten in einem Aufwasch überholen. Wieder in Schlagdistanz erkämpfte sich das Team die Spitzenposition zurück und fuhr am Ende den dritten Klassensieg ein. „Ich habe momentan 100 Prozent Vertrauen in das Auto“, kommentierte Oberheim.

So viele Titel waren fast des Guten zu viel

Nach der Absage der letzten Rennen war er zunächst enttäuscht, feierte aber, als er vom Team die endgültige Saisonwertung erfuhr, zu Hause in Schermbeck mit der Familie. Gesamt- und Juniorsieger im Cup und dazu noch der Sieg in der Teamwertung war fast zu viel des Guten. „Wir wollten die Cupwertung, aber mit diesem Kompletterfolg hatte so niemand gerechnet“, sagte der Rennfahrer.

Als Gründe dafür nennt er vor allem die professionelle Teamarbeit und das hervorragende Zusammenspiel mit seinem Teamkollegen Eichenberg.

Über den Autor
freier Mitarbeiter
Ist schon seit Jahren freier Mitarbeiter der Redaktion Haltern am See. Er fotografiert und berichtet über das lokale Geschehen und betreut die Serie „Das Sportporträt“. Darüber hinaus berichtet er in Wort und Bild über aktuelle sportliche Großereignisse im Outdoorbereich , wie Reitturniere, Laufveranstaltungen, Radrennen und Kartsport. Sein Spezialgebiet ist die Berichterstattung über Motorsport auf der Nordschleife des legendären Nürburgrings. Für die Dorstener Redaktion begleitet er dazu seit Jahren die heimischen Rennfahrer in der Langstreckenserie und beim Jahreshighlight, dem 24 Stunden Rennen.
Zur Autorenseite
Horst Lehr

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