Erwin allein zuhaus. Das Bild, das der FC Schalke 04 in dieser Saison abgibt, ist nicht nur wegen Corona ein tristes. © dpa
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Lembecks Schalke-Fans sind der Verzweiflung nah

Die Fans des FC Schalke 04 sind in Sachen Turbulenzen einiges gewohnt. Doch was sich derzeit bei S04 tut, haben viele so noch nicht erlebt. Selbst bei den Fanclubs schlagen die Wellen hoch.

Dirk Homfeldt ist Schalke-Fan mit Leib und Seele. Nicht von ungefähr ist der Wirt von Kösters Bierstuben, den alle nur „Otto“ nennen, Vorsitzender des Schalke Fan Clubs Lembeck. 40 Jahre hält er Königsblau schon die Treue. „Ich hab‘ mit Schalke schon alles erlebt, bin zweimal ab- und wieder aufgestiegen“, sagt er. Doch am Sonntagabend erreichten die Kapriolen bei S04 auch für Otto eine neue Dimension.

„Wahnsinn!“, kommentierte er die geballte Entlassungswelle, die über Trainer Gross, Sportvorstand Jochen Schneider, Teamkoordinator Sascha Riether, Athletiktrainer Werner Leuthard und Co-Trainer Rainer Widmayer hinweggerollt war. Und: „Uns bleibt auch nix erspart.“

Der Austausch mit seinen Fanclub-Kollegen fällt in Coronazeiten natürlich schwerer als sonst. Aber wie es bei denen gerade tickt, das weiß der Vorsitzende ganz genau: „Die haben alle die Schnauze voll! Und zwar nicht nur von Corona. Das braucht man gar nicht schön zu reden. Da sitzt du und hoffst jedes Spiel, dass es endlich besser wird. Und dann so was! Ein Sieg aus 23 Spielen. Das sagt doch alles.“

Homfeldt bangt um Schalkes Existenz

Hoffnung auf Besserung? Hat Otto keine: „Ich habe, wie gesagt, zwei Abstiege miterlebt. Aber diesmal ist es anders. Da hat man echte Existenzängste. Wie soll es denn weitergehen? Die haben gerade einen ganzen Stab rausgeschmissen. Dabei hätte es eigentlich die Spieler treffen müssen. Im Endeffekt sind die mit ihrem Standfußball ja schuld an der Misere. Aber du kannst halt keine ganze Mannschaft rausschmeißen.“

Doch natürlich bereitet dem Lembecker Hardcore-Fan auch der Blick auf die Kaderplanung große Sorgen: „Es läuft ja auf die 2. Liga raus. Aber dafür müsste man jetzt auch schon voll in der Vorbereitung sein. Die sollen mal nicht glauben, dass sie da sofort wieder raus kommen. Das sieht man ja am HSV.“

Der Blick auf die aktuelle Lage in der 2. Liga birgt aber noch mehr Schmerzen: „Das Doofe ist ja, dass Bochum vielleicht aufsteigt. Dann fehlt uns sogar noch ein Derby.“

Genau wie den Fans des alten Erzrivalen: „Das ist sowieso der Oberhammer“, stöhnt Otto: „Selbst die Fans der Dortmunder haben Mitleid und schreiben in den Social-Media-Gruppen ,Schalke darf nicht absteigen, die Mutter aller Derbys darf nicht sterben‘.“ Doch für derlei Solidarität könne sich Königsblau derzeit leider auch nichts kaufen: „Krisse nix für.“

Wer es auf Schalke richten könnte? Otto Homfeldt hätte eine Lösung: „Den Neururer hätten sie holen sollen mit seinen großen Tönen. Der hat Erfahrung im Abstiegskampf.“ Doch bei nur noch elf verbleibenden Spieltagen sei der Abstieg nun nicht mehr zu verhindern: „Der Zug ist abgefahren.“

Doch Schalke-Fans wären nicht Schalke-Fans, wenn sie nicht irgendwo am Horizont auch einen Lichtstreif sähen. „Das Positive ist, dass man jetzt wirklich mal alle Zöpfe abschneiden kann.“

Austritte wird es in Lembeck nicht geben

Und natürlich halten die Lembecker Fanclub-Mitglieder den Gelsenkirchenern die Treue. Die Frage, ob er wegen der Krise Austritte befürchte, beantwortet Vorsitzender Otto auf jeden Fall mit einem klaren „Nää!“ Schließlich hätten die meisten S04-Fans aus Lembeck genau wie er schon so manche schwierige Lage ihres Clubs mitgemacht.

Einem anderen Teil der königblauen Anhängerschaft ist Homfeldt allerdings gar nicht grün: „Diese besserwisserischen Ultras müssen endlich einsehen, dass wir uns vom eingetragenen Verein verabschieden müssen. Das e.V. muss weg. Das ist längst überfällig. Sonst ist Schalke einfach bei der Kohle beschränkt. Es wären genug Leute zur Hand, die welche geben würden, und wer Kohle hat, regiert. Ist leider so. Es ist traurig, aber die Bundesliga ist nur noch der reine Kommerz.“

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Sportredaktion
Sport ist für den Wulfener nicht nur ein wichtiger Bestandteil seines Arbeitslebens. Seit 1993 schreibt er als Mitarbeiter der Dorstener Zeitung über das Sportgeschehen in der Lippestadt, seit 1999 ist er als Redakteur für den Lokalsport in der Lippestadt verantwortlich. Dabei fasziniert ihn besonders die Vielfalt der Dorstener Sportszene, die von Fußball bis Tanzen und von Basketball bis Kitesurfen reicht.
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Andreas Leistner

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