Das Trainingszentrum am Rhönweg ist einer der Meilensteine in der Ehrenamtskarriere von Helmut Winkler als Vorsitzender des TSZ Royal Wulfen. © Martin Klose
Ehrenamt

Hohe Auszeichnung für Wulfener Helmut Winkler

Immer mit dem Strom schwimmen? Das ist nicht Helmut Winklers Ding. Der Wulfener kann vielmehr ausgesprochen unbequem sein. Trotzdem – oder gerade deswegen? – erhält er eine Auszeichnung von allerhöchster Stelle.

Er sei nicht glattgebügelt, hat ihm der frühere Leiter des Dorstener Sportamts, Hans-Jürgen Startmann, einmal gesagt. Helmut Winkler reagierte wie so oft impulsiv: „Einige Jahre war ich deswegen beleidigt.“ Doch inzwischen versteht der Wulfener Stratmanns Einschätzung als Kompliment. Und an seinem „ungebügelten“ Anzug muss er bald eine noch wertvollere Auszeichnung als dieses Kompliment anbringen: das Bundesverdienstkreuz.

Vorgeschlagen hat ihn dafür ein Weggefährte aus gemeinsamen Zeiten beim Dorstener Stadtsportverband: Frank Langenhorst.

“Mir fällt niemand ein, der sich in Dorsten so dem Sport gewidmet und für den Sport so viel getan hätte wie Helmut“, erklärte Langenhorst im Gespräch mit unserer Redaktion. Dazu gehöre auch ein gewisser Dickkopf: „Helmut geht damit gern mal durch die Wand. Aber man braucht halt auch Leute, die nicht zu allem Ja und Amen sagen.“

Das brachte Helmut Winkler zwangsläufig nicht nur Freunde ein. Seine sportliche Leidenschaft gehörte seit jeher dem Tanzen. Mitte der 70er Jahre engagierte er sich beim Tanzclub Wulfen als Pressewart, zwei Jahre später gehörte er zu den Initiatoren des Tanz Sport Clubs Wulfen. Eine Gründung, die schon damals Winklers Devise folgte, Potenziale und Möglichkeiten immer voll auszuschöpfen.

Aus dem nicht eingetragenen Tanzclub wurde der gemeinnützige TSC, der als Mitglied in den verschiedenen Sportverbänden auch sportliche Aktivitäten entwickeln konnte. Das erste Turnier – damals noch im Forum der Gesamtschule – richtete der TSC Wulfen am 11. November 1978 aus.

Bis 1985 folgten 20 weitere Veranstaltungen, darunter Landesmeisterschaften, eine Deutsche Jugendmeisterschaft und die beliebten Herbstbälle Anfang der 80er Jahre. Doch das war Helmut Winkler bald nicht mehr genug. Er wollte sportlichen Erfolg für die Tänzer aus den eigenen Reihen, und darüber kam es zum Zerwürfnis. Am 24. Juni gründeten Winkler und einige Mitstreiter ihren eigenen Verein, das Tanz-Sport-Zentrum Royal Wulfen.

“Wer kein Risiko eingeht, geht das größte Risiko ein“

Ein Wagnis. Doch dieser Wagemut habe den Gründungsvorsitzenden Winkler, der übrigens bis heute im Amt ist, halt ausgezeichnet, erinnert sich Uwe Guski, schon zu TSC-Zeiten einer von Winklers Mitstreitern: „Wir hatten mal eine Jahreshauptversammlung mit einem Kassenstand von 120 Mark. Einen Monat später haben wir eine Veranstaltung gestemmt, die 10.000 Mark kostete.“

Winklers Devise, so Guski, sei immer gewesen: „Wer kein Risiko eingeht, der geht das größte Risiko ein.“ Und die Risiken, die Helmut Winkler einging, wurden fast alle belohnt. Sei es beim Umbau des früheren Wulfener Kleinschwimmbades zum TSZ-Trainingszentrum oder bei der Ausrichtung der Deutschen Meisterschaften im Jazz- und Modern Dance 1996 in der Grugahalle.

DM 96 und Vereinsheim-Bau sind die Meilensteine

Für seine Vorstandskollegen Stefan Barbie und Hans-Peter Jungblut sind es diese beiden Meilensteine, die sie für immer mit Helmut Winkler verbinden werden: „Da geht der kleine Dorfverein in die große Grugahalle und stemmt so eine Veranstaltung“, ist Stefan Barbie noch heute stolz, dass das TSZ bei der DM 96 nicht nur finanziell erfolgreich war, sondern auch noch Deutscher Meister wurde. Und Hans-Peter Jungblut hält die Entscheidung zum Bau des Trainingszentrums, die der Vorstand 1997 in seinem Wohnzimmer und auf seinen Vorschlag hin fällte, für die „wichtigste, die wir je getroffen haben“.

Dass Winkler sie nicht nur mitgetragen, sondern mit aller Konsequenz umgesetzt und dabei auch Leuten auf die Füße getreten habe, zeichne ihn aus: „Der Helmut ist unbequem“, sagt Uwe Guski, „vorgegebenen Verbandsregeln oder dem Mainstream zu folgen, liegt ihm nicht.“ Zum Glück, sagt TSZ-Erfolgstrainerin Ulla Baackmnn: „Als Trainerin konnte ich immer machen, was ich für richtig hielt. Ohne Vorgaben. Das hat den Helmut ausgezeichnet.“

Winkler selbst fasst es so zusammen: „Klare Kante, klare Entscheidung, klare Struktur – nur so geht Progress.“ Das hat schon mancher zu spüren bekommen, gerade auch in seiner Zeit als Vorsitzender des Stadtsportverbandes.

Doch parallel gibt es auch den anderen Helmut Winkler. „Der Helmut hat immer alles für den Sport und den Verein gegeben“, sagt Stefan Barbie, „da musste die Familie oft hinten an stehen. Aber der Helmut ist auch für jeden Blödsinn zu haben und kann auch über sich selbst lachen. Und als Freund kannst du ihn nachts anrufen, und er kommt und hilft dir.“

Über den Autor
Sportredaktion
Sport ist für den Wulfener nicht nur ein wichtiger Bestandteil seines Arbeitslebens. Seit 1993 schreibt er als Mitarbeiter der Dorstener Zeitung über das Sportgeschehen in der Lippestadt, seit 1999 ist er als Redakteur für den Lokalsport in der Lippestadt verantwortlich. Dabei fasziniert ihn besonders die Vielfalt der Dorstener Sportszene, die von Fußball bis Tanzen und von Basketball bis Kitesurfen reicht.
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Andreas Leistner

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