Einblicke in die Sportredaktion

Ein Tag in der Redaktion: So arbeiten unsere Sportreporter

Von der Morgenkonferenz bis zum fertigen Artikel am Abend: Der Alltag eines Sportreporters hat gewisse Strukturen – und trotzdem ist jeder Tag anders! Wir nehmen Sie mit hinter die Kulissen.
1993 habe ich als freier Mitarbeiter bei der Dorstener Zeitung begonnen, seit Ende 1998 bin ich als Redakteur für den Lokalsport verantwortlich. © Andreas Leistner

Hallo, mein Name ist Andreas Leistner, ich bin 1966 in Dorsten geboren, seit 1993 Sportjournalist und seit Winter 1998 als Sportredakteur bei der Dorstener Zeitung.

An meinem Job reizt es mich vor allem, Neuigkeiten schnell an unsere Leser weiterzugeben und mit Texten, Fotos und Videos interessante und persönliche Geschichten aus dem Lokalsport in Dorsten, Schermbeck und Raesfeld zu erzählen. Dabei macht die Abwechslung zwischen der Arbeit am Schreibtisch und „draußen“ sowie der Kontakt zu immer neuen Menschen meinen Beruf für mich so interessant.

So unterschiedlich die einzelnen Arbeitstage auch ablaufen, gibt es doch gewisse Fixpunkte bei der Arbeit. Heute nehme ich Sie einmal mit in den Redaktionsalltag und verrate Ihnen, wie so ein Tag normalerweise abläuft.

An erster Stelle: Bestandsaufnahme

Der erste Blick geht am Morgen meist auf die Arbeit vom Vortag: Wie sehen die online und in der Zeitung erschienenen Artikel aus? Gibt es Reaktionen der Leser, direkt auf unserer Website oder in den Sozialen Medien? Welche Beiträge wurden am meisten gelesen? Dann wird der Posteingang auf den verschiedenen Kanälen gecheckt: E-Mail, WhatsApp, Facebook.

Online schaue ich mich dann noch vor der Redaktionskonferenz im Netz um. Was gibt es Neues in der Welt des (Lokal-)Sports? Finde ich interessante Themen, lege ich entsprechende Vermerke in unserem Redaktionssystem an, in das alle Mitarbeiter Einblick haben.

Das kurze Treffen: Die Konferenz

Der Austausch mit den Kollegen ist enorm wichtig. Gerade in Zeiten von Corona, wo die meisten aus dem Homeoffice arbeiten und die Gespräche in der Redaktion wegfallen. Bei der Dorstener Zeitung berichten wir über mehrere Gemeinden. In der Konferenz, die täglich einmal am Vor- und einmal am Nachmittag stattfindet, stellen die Kollegen aus der Lokalredaktion ihre Themen für den Tag vor. Manchmal bringen sie auch Ideen für mögliche Lokalsport-Themen ein. Das ist aber hauptsächlich meine Aufgabe.

Die morgendliche Konferenz mit den Kollegen findet „dank“ Corona per Video-Schalte am Bildschirm statt. Der Austausch ist trotzdem rege. © Andreas Leistner © Andreas Leistner

In der Konferenz werden die Themen nach ihrer Wichtigkeit für den Leser sortiert, dann wird das genaue Vorgehen für die Erstellung eines Beitrags beraten. Ist ein Vorort-Termin möglich? Bietet sich ein Videodreh an? Genügt die telefonische Recherche? Außerdem wird besprochen, welche Textform für welches Thema die passende ist. Zum Beispiel Reportage, Interview, Kommentar, Bilderserie, oder bei dringenden Nachrichten eine Eilmeldung.

Was interessiert den Leser? Die Themenfindung

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, passende Themen zu finden. Viele Vorschläge tragen unsere Leser an uns heran. Im Fall der Sportredaktion sind es oft Funktionäre aus den Sportvereinen oder Verbänden, die uns auf ein Thema aufmerksam machen. Das kann die Verpflichtung eines neuen Spielers sein oder ein Event, das der Verein plant. Unser Anspruch ist es aber, vor allem eigene Themen zu setzen. Besondere Menschen im Sport einmal genauer vorstellen, auf Probleme hinweisen, unterhaltsame, aber auch unbequeme Themen beleuchten. Immer geleitet von der Frage: Was will und was sollte unser Leser wissen?

So sieht die Arbeit außerhalb der Pandemie aus: Auf Großveranstaltungen treiben wir Sportreporter uns vor allem am Wochenende rum. © Andreas Leistner (A) © Andreas Leistner (A)

Für mich als Sportredakteur sind in aller Regel auch der Samstag und Sonntag wichtige, wenn nicht sogar die wichtigsten Arbeitstage, schließlich finden hier die meisten Sportveranstaltungen statt. Bei denen kann ich mir nicht nur ein Bild vom Sport an sich machen, über den ich hinterher berichte, sondern auch interessante Gespräche führen, aus denen nicht selten die nächste Geschichte entsteht.

Auf Spurensuche: Die Recherche

Eine alte Weisheit sagt: Du musst nicht alles wissen, Du musst nur wissen, wo es steht. So ist das auch bei uns. Die typische Annäherung an ein Thema sieht in etwa so aus: Ich erhalte eine Mail von Verein XY, der schreibt, dass er zur neuen Fußballsaison einen neuen Trainer verpflichtet hat. Es wird kurz beschrieben, um wen es sich handelt, im Idealfall ist eine kurze Vita enthalten. Diese Informationen würden mir aber für einen Beitrag nicht genügen.

Wer schreibt, der bleibt. Auch heute sind Kuli und Notizblock noch unverzichtbar. In Corona-Zeiten finden solche Termine aber derzeit nicht statt. © Andreas Leistner (A) © Andreas Leistner (A)

So folgen in der Regel noch ein persönliches Treffen und/oder ein paar Telefonate. Warum macht denn der bisherige Trainer nicht weiter? Warum passt der neue Trainer gut zum Verein? Wie tickt er so und welche Ziele verfolgt er? Ich versuche erst einmal, so viele Informationen zu sammeln wie möglich. Dabei helfen in erster Linie Gespräche, aber auch Google und Co.

Je heikler ein Thema ist, zum Beispiel ein Spielabbruch, desto mehr Quellen brauchen wir, um unseren Lesern ein möglichst vollständiges Bild bieten zu können.

Die heiße Phase: Schreiben und finalisieren

Sind alle Informationen zusammengetragen, geht es ans Schreiben. Ich überlege mir meist schon auf der Rückfahrt von einem Termin, wie ich den Beitrag aufbauen will, mit welchem Satz ich den Artikel beginnen könnte, welcher Rote Faden sich durch den Text ziehen sollte.

Habe ich dieses Gerüst im Kopf stehen, ist der eigentliche Schreibprozess relativ schnell erledigt. Der schwerste Teil dabei ist aber immer aufs Neue die Überschrift. Sie soll den Kern des Artikels zeigen, den Leser aber vor allem dazu anregen, den Text möglichst von Anfang bis Ende zu lesen.

Steht der Text, kommt noch eine weitere wichtige Aufgabe: die Suche nach einem passenden Bild. Je komplexer das Thema, desto schwieriger, es in einem Foto abzubilden.

Auch das Video mit der Handykamera ist heutzutage selbstverständlicher Bestandteil der Berichterstattung. © Bludau (A) © Bludau (A)

Bei größeren Veranstaltungen erstellen wir meist auch eine Fotostrecke, immer öfter auch Videos. Dieses Material muss gesichtet und bearbeitet werden. Sind die einzelnen Elemente zum fertigen Beitrag zusammengefügt, schaut mindestens ein Kollege noch einmal gründlich drüber. Ist der Text fehlerfrei? Verständlich geschrieben? Erhält der Leser alle nötigen Informationen? Ist das alles der Fall, dann wird der Beitrag für unsere Webseite freigegeben und/oder mit dem Redaktionssystem auf der Zeitungsseite platziert.

Als ich damals in Münster als Journalist anfing, waren Online-Artikel und Soziale Medien oder Videos vom Spielfeldrand im Lokalsport noch Zukunftsmusik. Auch das ist reizvoll an meinem Job. Er entwickelt sich stetig weiter, sodass nie Langeweile aufkommt. Ich hoffe, ich konnte Ihnen hier einen interessanten Einblick bieten.

Mit sportlichen Grüßen.

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