Wann können die Trainer ihre Trainngshütchen wieder aufstellen? Für die Übungsleiter ist die Antwort auf diese Frage ebenso wichtig wie der Termin für den Restart des Liga-Betriebs. © Andreas Leistner
Fussball

Dorstens Trainer sehen den Verband in der Pflicht

Die heimischen Trainer haben für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs klare Vorstellungen. Und die decken sich bei weitem nicht mit allem, was der Verband sich überlegt hat.

Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) hat vor einigen Tagen angekündigt, dass es auch im März keine Fußballspiele unter Wettbewerbsbedingungen geben werde. Für die heimischen Trainer kam das nicht überraschend, doch sie stellen nun auch mittlerweile Bedingungen, wie eine ordentliche Vorbereitung auszusehen hat.

Sleiman Salha, SV Schermbeck
Sleiman Salha, Trainer des SV Schermbeck, fordert wie seine Kollegen eine Vorbereitungszeit von mindestens vier Wochen. © Joachim Lücke © Joachim Lücke

Für Sleiman Salha, Trainer des Oberligisten SV Schermbeck, steht fest, dass die Vorbereitung mindestens vier Wochen dauern muss: „Wenn man es zusammenzählt, haben wir im letzten Jahr mit langen Unterbrechungen vielleicht fünf Monate Fußball gespielt. Da war es für die Spieler schon schwer, einen optimalen Fitness-Zustand zu erreichen.“ Die Verletzungsgefahr bei einer kürzeren Vorbereitung sei zu groß: „Laufen reicht nicht, sondern wir müssen auch die fußballspezifischen Bewegungsabläufe trainieren, sonst sind Verletzungen vorprogrammiert.“ Man habe nicht nur Verantwortung für die Spieler: „Wir müssen auch an die Arbeitgeber denken, denn die können sich die Krankenscheine auch nicht leisten.“

Eine Oberliga mit 28 Teams hält Sleiman Salha für Wettbewerbsverzerrung

Salha hat mit etwas Befremden zur Kenntnis genommen, dass über eine Oberliga mit 28 Mannschaften spekuliert wird: „Da ist doch eine Wettbewerbsverzerrung abzusehen. Bei dann acht Absteigern stünden vier bis fünf schon lange vor dem Saisonende fest und würden dann nur noch mit halber Kraft spielen. Auch eine Aufsplittung mit zweimal 14 Mannschaft und anschließenden Play-Offs wäre problematisch, da die Gruppen regional und nicht nach Leistungsstärke aufgeteilt würden.“

Sollte der Spielbetrieb im April losgehen, dann könnte man auch in der Oberliga noch eine halbe Saison schaffen: „Das wäre mit englischen Wochen möglich. Dann dürfen aber auch keine Spiele wegen Corona-Infektionen ausfallen.“

Deutens Trainer hält den Starttermin für sehr günstig

Markus Falkenstein war ob des Termins der FLVW-Mitteilung überrascht: „Das war schon sehr früh, doch der Inhalt hat mich nicht vom Hocker gehauen.“ Der Trainer des SV Rot-Weiß Deuten wäre froh, wenn es im April dann auch wirklich losginge: „Mit vier Wochen Vorbereitung sollte es auch dann gut funktionieren.“ Sehr günstig sei der Termin für den Restart, denn der Gründonnerstag (1. April) ist traditionell ein Nachholspieltag. Mit dem darauf folgenden Ostermontag hätte man dann zügig zwei Spiele absolviert.

Onlinetraining und Kaderplanung

Falkenstein ist in engem Kontakt mit dem Team: „Die Mannschaft hat ein Programm, damit die Grundlagen-Fitness beibehalten wird. Mit Nadine Liese vom Injoy treffen wir uns einmal pro Woche zu einem Online-Mannschafts-Workout.“

Die Deutener nutzen die Zeit ohne Wettkämpfe, um die Mannschaft für die kommende Saison zusammenzustellen: „Es gibt einige Gespräche. Es wird sich aber alles im für Deuten üblichen Rahmen bewegen. Sogenannte Königstransfers sind nicht vorgesehen.“

„Die Situation ist schon zermürbend.“

Jürgen Gertz, Sportlicher Leiter des SV Dorsten-Hardt

Auf der Hardt sieht man der Zukunft eher gelassen entgegen, wenngleich der Sportliche Leiter Jürgen Gertz sagt: „Die Situation ist schon zermürbend. Wir können allerdings nur abwarten, was der Verband entscheidet, und müssen uns dann mit diesen Entscheidungen auseinandersetzen.“

Der Landesligist stellt sich darauf ein, die Saison ohne Trainer zu beenden: „Bis zum April werden wir keinen neuen Trainer gefunden haben. Wir haben aber Spieler im Team, die in der Lage sind, ein ordentliches Training anzubieten.“

Auch Gertz hält vier Wochen Vorbereitung wegen des sonstigen Verletzungspotenzials für wichtig. Allerdings glaubt er auch, dass es für die Hardter um nichts mehr geht: „Wir werden nicht absteigen, und aufsteigen können wir auch nicht mehr. Wir bringen die Saison so gut wie möglich zu Ende und kümmern uns dann hauptsächlich um einen neuen Trainer und neue Spieler.“

Gabmaier bezweifelt Start Anfang April

Christian Gabmaier, Trainer des A-Liga-Spitzenreiters TSV Raesfeld, sieht die Fortführung der Saison eher skeptisch: „Die Entscheidung des FLVW hat mich nicht überrascht, und selbst der Saison-Restart im April ist unwahrscheinlich.“ Auch wenn sein Team ein mit acht Spielen vergleichsweise kleines Restprogramm hat, sieht er auch ein vierwöchiges Vorbereitungsprogramm als Pflicht an: „Alles andere wäre zu risikoreich.“

Seine Mannschaft halte sich auf einem normalen Level fit: „Wenn wir wissen, dass es wieder los geht, gebe ich ihnen ein Trainingsprogramm mit Steigerungsübungen an die Hand, damit wir sofort ordentlich trainieren können.“

Der TSV Raesfeld will seine Chance nutzen, kommende Saison Bezirksliga zu spielen: „Wir stehen nicht unter Druck und haben auch noch schwere Spiele vor der Brust, doch wir stehen zurecht auf Platz eins und wollen dort auch bleiben.“

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