Auf kleineren Turnieren hat Judy Reynolds auch früher schon mal Helm getragen (r.). Doch jetzt muss sie auch für die hohen Prüfungsklassen ihren Zylinder einmotten. © Katharina Lachs / Joachim Lücke
Reiten

Dorstener Dressurreiter erleben eine Revolution

Neues Jahr, neue Regeln. Diesmal trifft es die Dressurreiter, und an der Neuerung scheiden sich wirklich die Geister.

Das Dressurreiten erlebt gerade eine kleine Revolution. Seit Anfang des Jahres dürfen die Reiter auch in den hohen Klassen keine Zylinder mehr tragen. Vielmehr schreibt der internationale Reiterverband FEI nun zwingend Helme vor.

King-Dyes Unfall war der Auslöser

Die Änderung erfolgte nach einem schweren Unfall der amerikanischen Olympia-Teilnehmerin Courtney King-Dye, die 2010 beim Abreiten von einem jungen Pferd stürzte. Sie zog sich einen Schädelbruch und Hirnblutungen zu, lag einige Wochen im Koma und musste aufgrund der Folgen die Reiterkarriere beenden. Sie startete allerdings dann die Initiative für eine Helmpflicht, die nun von Erfolg gekrönt wurde.

Für die irische Reiterin Judy Reynolds ist das völlig überflüssig: „Ich habe auch eine Petition gegen die Helmpflicht unterschrieben. In den S-Wettbewerben fällt niemand vom Pferd. Auf den Turnieren bin ich für eine gewisse Ästhetik und da gehören Zylinder und Frack zusammen.“

Selbst die jungen Pferde seien so gut ausgebildet, dass das Verletzungsrisiko minimal sei. Sie muss nun ihren brandneuen Zylinder einmotten: „Ich habe ihn wegen der vielen Turnierabsagen nur fünfmal getragen.“

Die Irin ist gerade dabei, ihren Wallach Vancouver K. (JP) auf dem Hof Elwermann in Lembeck für die Olympischen Spiele in Tokio vorzubereiten: „JP kommt langsam in Form, und man merkt ihm den Spaß und die Freude an. Wir freuen uns schon auf Japan.“

Norbert Lochthowe, der mittlerweile keine S-Dressuren mehr reitet, kann der Abschaffung des Zylinders auch nicht viel abgewinnen: „Ich bin froh, dass ich nicht mehr reite. Ich mochte den Zylinder immer sehr, allerdings kann ich verstehen, wenn man aus Sicherheitsgründen auf einen Helm umsteigt.“

Norbert Lochthowe
Norbert Lochthowe findet den Zylinder ästhetischer. Doch er hat auch Verständnis für den Sicherheitsaspekt der Regeländerung. © Joachim Lücke © Joachim Lücke

Eine Möglichkeit für einen Unfall sieht er immer gegeben: „Ein Pferd kann sich immer erschrecken, gerade abseits des Wettbewerbs auf dem Abreiteplatz. Das Risiko ist immer da.“

Haag Molkenteller trug schon immer Helm

Aus diesem Grund trägt Sabine Haag Molkenteller schon lange einen Helm. Die Chefin des Guts Hohenkamp erklärt: „Ich war wohl eine Vorreiterin und oft die einzige Starterin in einer S-Dressur, die einen Helm statt eines Zylinders getragen hat.“ Pferde seien Fluchttiere, und daher sei es immer möglich, dass sie sich so erschrecken, dass sie einen Reiter abwerfen.

Sie empfindet zwar keine Wehmut, setzt aber weiterhin auf einen ästhetischen Anspruch in der Dressur: „Der Frack gehört für mich weiterhin zur Pflicht. Ein Springreiterhelm kommt für mich auch nicht in Frage. Es gibt mittlerweile so viele schöne Helme mit elegantem Design, dass der optische Anspruch in einem Dressurviereck gewahrt bleibt.“

Sabine Haag Molkenteller
Sabine Haag Molkenteller hat schon immer den Helm dem Zylinder vorgezogen. Für die Geschäftsführerin von Gut Hohenkamp steht die Sicherheit an erster Stelle. Elegantes Design dürfen ihre Helme aber natürlich trotzdem haben. © Privat © Privat

Sabine Haag Molkenteller bereitet gerade die Dressurtage auf dem Gut Hohenkamp vor, die am 11. und 12. September stattfinden werden: „Da werden wir wieder tollen Sport bei uns erleben. Die Helmpflicht wird dem keinen Abbruch tun.“

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