Joshua Bitter (l.) und Max Jansen (r.) hatten sich die Saison mit dem MSV Duisburg natürlich anders vorgestellt. Beide sind aber sicher, dass die Zebras in der 3. Liga noch kräftig nach oben klettern werden. © MSV/Herbertz / Grafik Klose
Fussball

Die Dorstener Joshua Bitter und Max Jansen kämpfen mit dem MSV Duisburg um die Klasse

Mit Joshua Bitter und Max Jansen spielen gleich zwei Dorstener für den MSV Duisburg. In einem großen Interview sprechen sie über die Saison und Corona, aber auch über die Verbindung zur Heimat.

Im ersten Teil des Interviews (die weiteren folgen in Kürze) sprechen die beiden Dorstener Profifußballer über die sportlich schwere Saison des MSV in der 3. Liga.

Joshua und Max, Ihr habt ein bewegtes Jahr hinter Euch: Corona, Aufstieg knapp verpasst, schwacher Saisonstart, Trainerentlassung: Welche Gefühle verbindet Ihr mit dem Jahr 2020?

Bitter: Das Jahr verlief wie eine Achterbahn der Gefühle. Der Anfang des Jahres 2020 war gar nicht so schlecht, wir standen auf Platz eins bis zur Coronavirus-Pause. Die Stimmung war gut im Team. Dann ging es wieder los und es lief nicht so gut für uns. Wir haben knapp den Aufstieg verpasst. Daran hatten wir ein paar Wochen zu knabbern. Wir wollten zwar mit einer positiven Herangehensweise in die neue Saison starten, aber das hat leider nicht funktioniert.

Dann kam die Trainerentlassung, was sehr schade war. Gino Lettieri bringt als Trainer aber viele neue Ideen mit. Mittlerweile geht es aber wieder bergauf, ein Aufwärtstrend ist zu erkennen.

Jansen: Die erste Hälfte des Jahres 2020 war von Euphorie bestimmt, den Sprung zurück in die 2. Bundesliga zu schaffen. Das wäre direkt nach dem Abstieg im Vorjahr die Sensation gewesen. Leider haben wir es auf dramatische Art und Weise nicht geschafft. Es war schwierig, das zu verarbeiten.

Die zweite Hälfte begann, das muss man so sagen, miserabel. Für uns geht es nun darum, so schnell wie möglich da unten rauszukommen. Es sind gemischte Gefühle, die ich mit dem Jahr 2020 verbinde.

Warum seid Ihr so schwach in die Saison gestartet?

Bitter: In der Liga ist es manchmal so, dass kleine Nuancen entscheiden. So war es auch zum Start der Saison 2020/21. Wir hatten zudem auch ein schwieriges Los im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund (0:5-Niederlage/ Anm. d. Red.). Dann verliert man auch noch zum Saisonstart und ist direkt in einer Negativ-Spirale. Die Platzierung spiegelt aber sicher nicht unsere Qualität wider.

Jansen: Nach dem verpassten Aufstieg hatten wir den Blick eigentlich wieder nach vorne gerichtet. Wir hatten uns viel vorgenommen und viele neue Spieler dazu bekommen. Die Findungsphase verlief nicht so optimal, weil immer wieder Spieler verletzt waren. Hinzu kamen die Wochen, in denen wir aufgrund der Quarantäne nicht gemeinsam trainieren konnten. Da kamen viele Kleinigkeiten zusammen.

Wie läuft ein Trainerwechsel bei einem Profi-Verein ab?

Bitter: Nach dem Spiel bei Viktoria Köln im November hatte uns Sportdirektor Ivica Grlic mitgeteilt, dass Trainer Torsten Lieberknecht beurlaubt wird. Danach hat Gino Lettieri übernommen.

Es ist nie schön, wenn ein Trainer entlassen wird. Man fühlt sich als Spieler schuldig und hinterfragt sich. Aber so ist es im Fußball: Bleibt der Erfolg weg, ist der Trainer das schwächste Glied.

Jansen: Wir haben es mitbekommen, bevor es die Außenwelt erfuhr. Torsten Lieberknecht hatte sich noch bei uns bedankt und uns alles Gute gewünscht. Danach kam Gino Lettieri.

Was hat sich durch den Trainerwechsel geändert?

Bitter: Der neue Trainer hat neuen Schwung in das Team gebracht. Jeder will sich in so einer Situation neu beweisen. Gino Lettieri arbeitet ein wenig mehr im taktischen Bereich. Vor allem setzte er im Defensivbereich an. Jeder weiß, welche Aufgaben er gegen den Ball übernehmen muss. Die Ergebnisse zeigten das am Anfang so noch nicht, aber der Schein trügt. Mittlerweile läuft es auch ergebnistechnisch besser mit drei ungeschlagenen Spielen in Serie.

Jansen: Gino ist ein Disziplin- und Taktikfanatiker. Außerdem auch ein sehr kommunikativer Trainer. In dieser Form habe ich das so noch nicht erlebt – und ich hatte schon einige Trainer. Das finde ich gut, wir erhalten viel Feedback.

Was stimmt Euch optimistisch, die Liga zu halten?

Bitter: Der Spirit, die Mentalität und die Qualität der Mannschaft. Wir arbeiten jeden Tag hart. Am Ende werden wir dafür belohnt.

Der MSV Duisburg gehört nicht in die Regionalliga. Eigentlich auch nicht in die dritte Liga. Wir wollen so schnell wie möglich da unten raus. Fußball macht vor allem Spaß, wenn man erfolgreich ist.

Jansen: Wir haben die Qualität, die Liga zu halten. Wir sind noch nicht ganz bei 100 Prozent, wir müssen noch ein bisschen an der Spielidee des Trainers feilen, auch weil uns dafür die physischen Vorausetzungen noch ein wenig fehlen. Aber wir arbeiten weiter hart und hoffen, die Punkte im kommenden Jahr zu holen.

Was ist Euer persönliches Fazit für das Jahr 2020?

Bitter: Ich konnte für mich mitnehmen, dass es schnell nach oben, aber genauso schnell nach unten gehen kann. Zu diesem Zeitpunkt im vergangenen Jahr waren wir Herbstmeister. Jetzt stehen wir ganz unten. Damit hätte niemand gerechnet. Bayern II war letztes Jahr 15. zur Halbserie und wurde noch Meister. Wichtig ist, dass man nie aufgeben darf und immer an den Erfolg glauben muss.

Jansen: Dass ich keine große Verletzung in diesem Jahr hatte, macht mich froh. Bis auf eine Sprunggelenksverletzung im Sommer blieb ich vom Verletzungspech verschont. Das ist immer das Wichtigste, denn als Fußball-Profi ist mein Körper mein Kapital.

Was wünscht Ihr Euch für das Jahr 2021 und was sind Eure persönlichen Ziele?

Bitter: Ich wünsche mir vor allem Gesundheit für mich und meine Familie. Außerdem möchte ich meinen Beruf ausüben können. Es wäre schön, wenn sich das Virus legt und sich im Frühjahr oder Sommer langsam der Normalität einstellt. Was die Zukunft bringt, mag ich nicht zu sagen.

Jansen: Grundvoraussetzung ist, gesund zu bleiben. Alles andere kommt von allein. Ich denke, ich habe noch Potenzial. Mein Wunsch ist es, irgendwann noch einmal in der 2. Bundesliga zu spielen. So ein großer Sprung ist das nicht, das ist mein Ziel.

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