Symbolfoto: Fußball in Castrop-Rauxel © Jens Lukas
Fußball

Vier Stammspieler verlassen Castrop-Rauxeler Team, der Sportliche Leiter wird kürzer treten

Ein Fußballclub geht ungewöhnliche Wege. Vier Spieler haben die erste Mannschaft verlassen. Um das zu kompensieren, soll es aber keine Neuzugänge geben.

Nach aktuellem Stand haben die Castrop-Rauxeler Fußball-Mannschaften in der Kreisliga A nichts mit dem Aufstiegsrennen zu tun. Nur Arminia Ickern (6.) hat keine Sorgen, hat aber bereits sieben Punkte Rückstand auf Spitzenreiter RWT Herne. Der FC Frohlinde II (9.), VfB Habinghorst (11.), Eintracht Ickern (13.), Victoria Habinghorst (14.) und der SuS Merklinde (15.) haben allesamt Abstiegssorgen. Neustart kann sich für VfB wie ein Saisonauftakt anfühlen

Nur sechs von 21 möglichen Punkten auf dem Konto

Aufsteiger Eintracht Ickern nimmt mit sechs von 21 möglichen Punkten den 13. von 17 Tabellenplätzen ein – mit drei Punkten Vorspung auf die beiden Abstiegsplätze. Diese werden von den SF Wanne II und Mitaufsteiger ETuS Wanne eingenommen.

Marc Böttger ist ein Freund ehrlicher Worte. Der Sportliche Leiter der Eintrachtler hat die schlechten Nachrichten und den damit verbundenen ersten Schock verdaut, den er Anfang des Jahres ziemlich überraschend wegstecken musste.

Gleich vier Stammspieler werden die Eintracht verlassen. Timmo Kantarci und Sefa Bal haben sich Arminia Ickern angeschlossen, Julian Theiler wird zum VfB Habinghorst gehen. Und jetzt wurde auch noch bekannt, dass Volkan Vardi der Eintracht den Rücken kehrt – und sich einem Dortmunder Verein anschließen will. Der Aufsteiger ist gezwungen zu improvisieren.

„Natürlich tut das weh. Das ist ein harter Verlust. Das sind ja zwei absolute Stammspieler und zwei Ergänzungsspieler, die uns jetzt verlassen”, will Böttger gar nicht hinter dem Berg halten mit seiner Enttäuschung, „aber ich kenne die meisten schon sehr, sehr lange. Julian Theiler von der Jugend an. Und ich will ihnen in dieser besonderen Zeit auch nicht den Weg verbauen.”

Yalim-Dogan Öztürk (l.) und seine Eintracht Ickern haben derzeit einen personellen Engpass durch vier Abgänge. © Volker Engel © Volker Engel

Unter normalen Umständen hätte Böttger jetzt handeln müssen, hätte mindestens drei neue Spieler für den Rest der Saison holen müssen. Doch was ist schon normal in Zeiten von Corona. „Der Rest der Saison ist mit vielen Fragezeichen versehen. Wenn jetzt ein ganz normaler Spielbetrieb herrschen würde, dann hätten wir auch neue Spieler verpflichtet. Aber ich habe das Gefühl, dass wir jetzt nicht reagieren müssen”, kommentiert Böttger die missliche Situation.

Warum Böttger trotz der angespannten Personalsituation – zudem fallen beim Re-Start auch noch drei Spieler mit Rotsperren aus – so ruhig bleibt, ist klar. „Bislang hatte ja jeder gedacht, dass am 1. April die Saison wieder startet. Aber ich bin felsenfest der Meinung, dass das nicht passiert. Ich denke eher, dass die Saison komplett abgebrochen wird und die nächste Saison Mitte September beginnt”, so der 41-Jährige.

Spieler der zweiten Mannschaft sollen in die Bresche springen

Sollte es so kommen, wäre das Problem mit dem Personal natürlich gelöst. Sollte der Re-Start aber dennoch erfolgen und die restlichen Spiele der Hinrunde über die Bühne gehen, dann will der Sportliche Leiter einen anderen, eher ungewöhnlichen Weg beschreiten: „Natürlich gehen wir ein gewisses Risiko ein, aber ich bin absolut überzeugt, mit den Spielern der zweiten Mannschaft zusammen das Problem lösen zu können. Wir sind ein Verein, das schaffen wir.“

Abgesehen davon glaubt Böttger, dass besonders Mannschaftssportarten Probleme bekommen werden nach Beendigung der Corona-Pandemie. „Natürlich mache ich mir Gedanken, wenn starke Spieler gehen wollen und ich mich frage: Soll ich die Jungs lieber halten? Andererseits weiß ich vor dem Hintergrund von Corona gar nicht, wie es in Zukunft weitergeht. Bleiben die Sponsoren dabei? Wie sieht es mit der Mitgliederzahl aus? Corona sorgte für viele Fragezeichen”, will Böttger keine Wagnisse finanzieller Art eingehen.

Zudem habe er in den vergangenen Wochen zahlreiche Gespräche mit den Sportlichen Leitern der Konkurrenten geführt. Die einhellige Meinung war: Viele Spieler werden nach der Pandemie nicht wiederkommen. „Es gibt zahlreiche Spieler, die ihr Leben Sonntag für Sonntag gespielt haben. Und jetzt ihre erste große Pause hatten, sonntags auch mal bei der Familie sind. Ich kenne Spieler, die sind schon seit Ewigkeiten verletzt, ob die wiederkommen, ist eher fraglich.”

Eintracht steht vor Veränderungen

Bei Eintracht Ickern stehen noch weitere Veränderung bevor. „Die sind allerdings noch nicht spruchreif”, so Böttger. Eine verrät der Sportliche Leiter aber dann doch. Er selbst wolle kürzertreten, erklärt Böttger, der neben seiner Tätigkeit als Sportlicher Leiter auch noch im Vorstand aktiv ist.

Nicht, weil er keinen Spaß mehr an der Sache habe, sondern aus Zeitgründen: „Ich bin selbstständig. Und gerade in Corona-Zeiten erfordert mein Betrieb noch mehr Einsatz von mir. Besonders in der Phase der Wechselperioden ist das extrem schwierig, unter einem Hut zu bringen. Da müssen Verhandlungen über Ablösesummen geführt werden, im Vorfeld muss verhandelt werden und davor werden Gespräche geführt.” Sollte Böttger einen Nachfolger gefunden haben („Das wird natürlich nicht so einfach”), würde sich er sich auf die Vorstandsarbeit konzentrieren.

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Lokalsport Castrop-Rauxel
Ein Journalist macht sich aus Prinzip keine Sache zu eigen, nicht einmal eine gute (dieses Prinzip ist auch das Motto des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises).
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Jens Lukas
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Ein waschechter Dortmunder, Jahrgang 1957. Vor dem Journalismus lange Jahre Radprofi, danach fast 30 Jahre lang Redakteur bei Dortmunder Tageszeitungen, seit 2015 bei den Ruhr Nachrichten, natürlich im Sport.
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Peter Kehl

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