Eine Kreismeisterschaft wie hier im Jahr 2015 im Stadion an der Bahnhofstraße fand trotz Corona auch 2020 statt. Für 2021 haben die Verantwortlichen Zweifel angemeldet. © Volker Engel
Leichtathletik

Viele Jugendliche werden nach Ende der Corona-Auszeit nicht wieder in den Sport zurückkehren

Die Leichtathletik ist eine von der Corona-Pandemie mit am härtesten betroffene Sportart. Im Jahr 2020 gab es mit Ausnahme großer Meisterschaften so gut wie keine Sportfeste für die breite Basis.

In der Leichtathletik gab es in der Saison 2020 wegen der Corona-Pandemie nur ganz wenige Wettkämpfe. Das wird sich auch wohl kaum ändern: Alle Silvesterläufe wurden abgesagt, ebenso die Hallen-Saison im Winter 2020/21.

Eine Ausnahme gibt es: die Deutschen Meisterschaften im Februar in der Dortmunder Helmut-Körnig-Halle. „Der FLVW verhält sich gegenüber der Leichtathletik in Corona-Zeiten konservativ“, sagt Klaus Alhorn, der Vorsitzende des Leichtathletik-Ausschusses im Kreis Herne/Castrop-Rauxel. „Wir haben 2020 als einer von wenigen Kreisen eine Leichtathletik-Kreismeisterschaft angeboten“, so Alhorn. Meisterschaften ohne Zuschauer seien ansonsten im Grunde doch nur etwas für die Spitzenathleten und das Fernsehen gewesen.

Nach dem ersten Lockdown gab es wenig Verluste

„Ich sehe wenig Land, dass im Jahr 2021 etwas anders wird“, ist Alhorn pessimistisch für die nähere Zukunft der Leichtathletik. Obwohl: Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) jüngst hat durchklingen lassen, dass ab April Sportfeste auch für die Basis möglich werden könnten.

Im Sommer nach dem ersten Lockdown seien beim LC Westfalia Herne zwar viele Eltern mit ihren Kindern sofort wieder beim Training gewesen, ob das nach dem viel längeren aktuellen Corona-Lockdown ebenso sein wird, vermag Alhorn nicht einzuschätzen.

Für die im Mai in Recklinghausen terminierten NRW-Meisterschaften für Männer und Frauen sieht er – wie auch sein Pendant Ludger Zander vom gastgebenden RLC – keine Gefahr einer Absage: „Dort startet nur eine kleine Zahl ausgewählter Spitzenleute.“ Ohne Zuschauer und mit einem Hygiene-Konzept fänden diese Meisterschaft allein deshalb statt, weil sie eine von wenigen Gelegenheiten für die Profis sei, sich für die Deutsche Meisterschaft im Juni zu qualifizieren.

Solche Meisterschaften übertünchen an der Leichtathletik-Basis nicht die Sorgen in einer ohnehin rückläufigen Sportart. „Kinder, die keine Riesentalente sind, werden nach einem halben Jahr ohne Training und Sportfeste nicht sofort wieder da sein, oder gehen der Leichtathletik völlig verloren“, so Klaus Alhorn. Der sieht das Hauptproblem weniger bei den Zehn- bis Zwölfjährigen („Die kommen zurück, weil ihre Eltern das möchten“), als vielmehr in den Altersklassen der 13-, 14- und 15-Jährigen. „Viele dieser Mädchen und Jungen stellen in der langen Corona-Pause fest, dass es ohne Leichtathletik geht – oder entwickeln andere Interessen.“

„Corona ist ein Einschnitt, der in der Leichtathletik nicht schnell wieder aufgefangen wird“, weiß Alhorn aus Kontakten über WhatsApp etc. mit Jugendlichen des LC Westfalia Herne. „Ohne Trainings-Möglichkeit tun zwar einige trotzdem etwas – die meisten aber nicht.“ Daher ist sich der Funktionär sicher, dass nach Corona viele Athleten und Athletinnen der Leichtathletik für immer verloren gehen und so der rückläufige weiter beschleunigt wird.

Der Kreis-Leichtathletik-Ausschuss Herne/Castrop-Rauxel sieht Licht am Ende des Tunnels für seine Sportart ohnehin erst im Winter 2021. Und da täte sich speziell in Herne sogleich ein neues Handicap für den Sport auf. Die Gysenberg-Halle ist zum Corona-Impfzentrum geworden. „Ich befürchte, das wird nicht von kurzer Dauer sein, sondern sehr lange so bleiben“, sieht Alhorn verlorene Hallen-Kapazitäten.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
Zur Autorenseite
Avatar

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.