Der ehemalige Bundesliga- und Fifa-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (l) pfiff einst für den SC Constantin Herne. Dieser Verein muss wie alle anderen Klubs gegenüber dem Fußballkreis ein Schiedsrichter-Kontingent erfüllen. © picture alliance / dpa
Fußball

TuS Henrichenburg hat ein Schiedsrichter-Problem – und wird zur Kasse gebeten

Fußball-Vereine müssen pro Mannschaft ein Soll von einem Schiedsrichter stellen. Nur den wenigsten Klubs gelingt das noch. Meldet ein Verein zu wenige Schiris, hat das Konsequenzen.

Für jede Herren-Mannschaft, jedes Frauen-Teams sowie die A- und B-Jugend ist ein Fußballklub in der Pflicht. Er muss für jede Truppe einen Schiedsrichter haben. Erfüllt ein Verein dieses Kontingent nicht, wird er pro fehlendem Referee mit einem Ordnungsgeld belegt. Das kann erheblich werden.

Henrichenburg muss fast 470 Euro überweisen

Beim TuS Henrichenburg fehlen Schiedrichter. Das heißt: Für das Quartal vom 1. Juli bis zum 30. September 2021 wurde vom Fußballkreis Recklinghausen ein Ordnungsgeld von 468,75 Euro eingefordert. Kein Pappenstiel für einen Klub, bei dem die erste Mannschaft in der Kreisliga B aufläuft.

Für sechs Mannschaften müsste Henrichenburg ein Soll von sechs Schiedsrichtern stellen – für den TuS pfeift allerdings nur ein einziger. „Das wird sich in den nächsten Jahren nicht ändern – man findet einfach keinen mehr, der Schiedsrichter werden will“, so Henrichenburgs Vorsitzender Christian Stackelbeck.

Damit ist der TuS-Weg vorgezeichnet: Auch im vierten Quartal 2021 wird für den TuS wieder ein Ordnungsgeld in ähnlicher Höhe anfallen – und so weiter, und so weiter. „Ich wüsste auch nicht, wie wir das ändern können“, versichert Stackelbeck.

Harald Woller, der Vorsitzende des Kreisschiedsrichterausschusses im Fußballkreis Recklinghausen, weiß, wie Ordnungsgelder reduziert, oder sogar vermieden werden können: „Die Vereine müssen Anreize schaffen, um in den eigenen Reihen Schiedsrichter zu finden.“ Im November würde wieder ein Schiedsrichter-Anwärterkurs angeboten, so Woller.

Der Leichtigkeit des Unterfangens widerspricht der TuS-Vorsitzende Stackelbeck: „Wie sollen diese Anreize aussehen? Geld bekommt bei uns kein Spieler, also auch kein Schiedsrichter, der für uns pfeift.“ Und selbst wenn der TuS einen Schiri einkleiden würde – plus sonstiger kleiner Zuwendungen – wäre das nur ein Null-Summen-Spiel gegenüber den Ordnungsgeldern. Stackelbeck: „Wir haben das ausgerechnet.“

Das soll nicht heißen, dass es in Henrichenburg keine Bemühungen gibt, mehr Schiedsrichter zu finden. Stackelbeck erzählt: „Kürzlich stand im Reviersport eine Anzeige eines Schiris aus dem Dortmunder Raum, der einen neuen Verein sucht.“ Der TuS-Vorsitzende hat ihn per E-Mail kontaktiert. „Seine erste Frage war, was er denn bei uns verdienen kann. Da habe ich den Kontakt sofort abgebrochen.“

Vielleicht ist das ja ein kleiner Trost: Im Fußballkreis Recklinghausen ist der TuS Henrichenburg mit dem Ordnungsgeld von 468,75 Euro wegen fehlender Schiedsrichter längst nicht der Spitzenreiter. Oberligist TuS Haltern muss 1050,00 Euro berappen für das dritte Quartal 2021.

Im ersten Halbjahr 2021 sind im Fußballkreis Recklinghausen wegen des Corona-Lockdows übrigens keine Ordnungsgelder wegen der Nichterfüllung des Schiedsrichter-Solls angefallen. „Das war ein einstimmiger Vorstands-Beschluss. Ohne Fußballspiele wurden ja keine Schiedsrichter benötigt“, so Harald Woller.

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Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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