Der Großteil der Castrop-Rauxeler Sportplätze ist mit Kunstrasen gebaut. Ein Club kickt noch auf Asche. © Jens Lukas
Fußball

Trotz geringer Aufstiegschancen gibt ein Trainer selbst nach vier Jahren nicht auf

Es kann nur einen geben, heißt es. Und tatsächlich gibt es im Castrop-Rauxeler Fußball nur einen Verein, der ausschließlich in der Kreisliga C spielt. Und dort wohl bleiben wird nach dieser Corona-Saison.

In Castrop-Rauxel gibt es 13 Vereine mit 29 Fußball-Mannschaften. Vertreten ist die Stadt nach dem Aufstieg des SV Wacker Obercastrop seit dem Sommer 2020 von der Westfalenliga bis ganz weit nach unten in die Kreisliga C.

Ein Spitzenreiter hat bereits zehn Punkte Vorsprung

Im Kreisliga-Unterhaus wird der SuS Pöppinghausen auch nach der Saison 2020/21 wohl bleiben. Aktuell hat der SuS sechs Punkte aus fünf Spielen auf dem Konto. Die Spitzenreiter der Kreisliga C2, ASC Leone II (16 Punkte) und SC Emscher Crange (15), sind bereits weit enteilt, ehe im November der Lockdown sowie für Dezember der FLVW für einen Saison-Stopp sorgen.

Von der Castrop-Rauxeler Altstadt aus gesehen ist der SuS Pöppinghausen jenseits des Rhein-Herne-Kanals weit ab vom Schuss. In diesem Winter werden Pöppinghausens Fußballer seit vier Jahren von Torsten Heermann trainiert. Dieser wohnt nicht im Dorf, sondern in Datteln. „Das sind 20 Minuten von mir daheim bis zum Sportplatz. Bei zweimaligem Training in der Woche schaffbar“, so Heermann, dessen Stammverein allerdings der SV Wacker Obercastrop ist.

Nach seiner Rückkehr zur Wewelingstraße ist Torsten Heermann mittlerweile seit vier Jahren Trainer des SuS Pöppinghausen. © Volker Engel © Volker Engel

Wie ist das für einen Trainer? Will man nach vier Jahren nicht auch mal aufsteigen? „Als ich in Pöppinghausen angefangen habe, ging es nur ums nackte Überleben. Der alte Trainer und die gesamte erste Mannschaft hatten sich abgemeldet. Es musste eine neue Struktur in den Fußball dort gebracht werden“, erklärt Heermann.

Und selbst nachdem das geschafft war, sei bei einem kleinen Club wie dem SuS Pöppinghausen kein Aufstieg planbar. „Wir sind der einzige Fußballverein in Castrop-Rauxel, der auf einem Ascheplatz pöhlt – und haben auch keine Jugendarbeit. Allein deshalb ist ein Aufstieg kein echtes Thema bei uns“, sagt der Trainer. Denn: „Welcher Fußballer will heute noch auf Asche kicken?“

Heermann bleibt, solange es Spaß macht

Vier Jahre Trainer in einem C-Liga-Verein ohne Aufstiegs-Perspektive hört sich nicht unbedingt prickelnd an. Nach dem „Wie lange noch?“ gefragt, sagt Heermann: „Das ist schwer zu beantworten. Auf jeden Fall so lange wie es Spaß macht.“ Bis zum November-Lockdown seien sogar ein paar Punkte mehr möglich gewesen. „Wir haben drei Spiele nur knapp verloren. Was wiederum zeigt, dass für ganz oben etwas fehlt.“

Diese aktuelle Corona-Saison sei ohnehin schwierig, mit Spiel, zwei Wochen Pause, Spiel und wieder Pause. „So kommt keiner in einen Rhythmus.“ Ob die ersten Mannschaft eines C-Kreisligisten durch eine zweite Mannschaft (ebenfalls in der C-Liga) nicht geschwächt würde, verneint Heermann entschieden: „Bei uns gibt es nicht die Ansicht: da die Erste, dort die Zweite. Wir sind alle gemeinsam eine Einheit.“

Überraschen würde es Heermann, wenn die Politik im Januar wieder Fußball erlaubt. Zur Wertung bei einem erneuten Saison-Abbruch, hat er eine klare Meinung: „Es sollten in einer Liga alle einmal gegeneinander gespielt haben – ansonsten wäre die Wettberwerbs-Verzerrung zu groß.“

Der SuS Pöppinghausen (schwarze Trikots) spielt seit dem Abstieg aus der Kreisliga B am Ende der Saison 2017/18 in der Kreisliga C. © Volker Engel © Volker Engel

Neben dem Pöppinghäuser Trainerjob war Torsten Heermann bei DJK Eintracht Datteln jahrelang im Jugenvorstand tätig, bis vor eineinhalb Jahren sogar noch als C-Junioren-Trainer. Und auch im neuen Fusionsklub von DJK Eintracht und Germania zur DJK Sportfreunde Datteln arbeitet er weiter im Jugendvorstand. Heermann: „Die Jugendarbeit ist mir eine Herzens-Angelegenheit.“

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Freier Mitarbeiter
Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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