Ein Fußball-Trainer, der in Castrop-Rauxel lebt, hat seine eigene Meinung zum Fußball im Ruhrgebiet. © Volker Engel
Fußball

Trainer aus Castrop-Rauxel lobt Münsterland-Clubs und meidet das Ruhrgebiet

Die Stadt Castrop-Rauxel hat in den vergangenen Jahren einige Trainer hervorgebracht, die unsichtbar für das heimische Radar Karriere gemacht haben. Einer davon zog es in die Ferne, weil er mit dem Ruhrpott derzeit nicht warm wird.

Der wohl prominenteste Fußball-Trainer, in dessen Lebenslauf Castrop-Rauxel als Geburtsort steht, ist Dieter Hecking. Er wurde mit dem VfL Wolfsburg im Jahr 2015 DFB-Pokalsieger. Hecking trainierte in der 1. und 2. Bundesliga bei sechs verschiedenen Clubs. Die volle Wahrheit ist allerdings auch: Bereits als 3-Jähriger zog Dieter Hecking mit seiner Familie nach Soest um.

Zwar nicht bis in die Bundesliga, dafür aber auf eine Oberliga-Bank hat es ein Coach gebracht, der in Sichtweite des Rauxeler Waldstadions aufgewachsen ist, und noch immer dort wohnt. Er sagt selbst über sich, dass man ihn in Castrop-Rauxel nicht unbedingt kennen müsse. Was aber sicherlich eine Wissenslücke ist.

Denn Zouhair Allali ist nicht nur A-Lizenz-Inhaber, er hat als aktiver Fußballer fast ausschließlich bei höherklassigen Klubs gespielt. Zuletzt hatte er als Coach die A-Jugend der Spvg Schwerin vor dem Bezirksliga-Abstieg gerettet. Jetzt scheint er sein Trainerglück im Münsterland gefunden zu haben, bei der SG Coesfeld.

Privat ganz fest mit Castrop-Rauxel verbunden

Natürlich ist Zouhair Allali ganz fest mit Castrop-Rauxel verbunden. Der 39-Jährige wohnt noch immer auf der anderen Straßenseite des Sportplatzes des VfR Rauxel in Bladenhorst, in der Rütgers-Siedlung. Und würde dort auch nicht wegziehen, wie er sagt.

Beim VfR Rauxel startete er auch seine Laufbahn als Junior. Im Seniorenbereich spielte er ausschließlich für höherklassige Vereine wie VfL Hüls, Westfalia Herne oder DSC Wanne. Fast eineinhalb Jahre trainierte er von Sommer 2016 bis Ende Februar 2018 den damaligen Oberligisten Spvg Erkenschwick. Insgesamt verbrachte der Castrop-Rauxeler 13 Jahre am Stimberg.

13 Jahre war Zouhair Allali beim damaligen Oberligisten Spvg Erkenschwick: als Spieler und auch als Trainer. © Volker Engel © Volker Engel

Zuerst die A-Junioren der Spvg Schwerin, dann ins Münsterland

Eine eindrucksvolle Laufbahn. Und sicherlich ein Trainer-Kandidat für einen Castrop-Rauxeler Club. Doch was macht Zouhair Allali? Nach seinem Trainer-Aus in Erkenschwick ( „Ich habe selbst gekündigt“) übernimmt er zunächst kurzzeitig den FC Marokko Herne (Kreisliga A), dann hilft er bei der Spvg Schwerin aus und rettet die A-Jugend vor dem Fall in die Kreisliga.

Als A-Lizenz-Inhaber den A-Kreisligisten Coesfeld übernommen

Vom Erdboden verschwunden ist der 39-Jährige seitdem nicht unbedingt, aber zumindest auf den Fußballkreisen Recklinghausen sowie Herne/Castrop-Rauxel.

Seit über einem Jahr nun trainiert Allali im Münsterland, hat die SG Coesfeld von der Kreisliga A in die Bezirksliga geführt. Warum genau ins Münsterland? Warum zur SG Coesfeld? Als A-Lizenz-Inhaber könnte er höherklassige Vereine trainieren anstatt eines Bezirksligisten.

Es sind grundlegende Dinge, die ihn dazu veranlasst haben, erzählt er: „Hier ist Fußball noch Teamarbeit. Das macht echt Spaß, wir arbeiten in der Gemeinschaft, haben viel geschafft. Das Vereinshaus umgebaut samt Besprechungsraum und Kabinenneubau.“

Als Spieler des DSC Wanne traf Zouhair Allali (r.) im Kreispokal auf den VfB Habinghorst, hier mit Rafael Schmieja. © Jens Lukas © Jens Lukas

Das ist Zouhair Allali

  • Der mittlerweile 39-jährige Zouhair Allali spielte als Junior beim VfR Rauxel, SV Wacker Obercastrop, Spvg Schwerin und der Spvg Erkenschwick.
  • Seine aktive Laufbahn ging danach beim VfB Hüls, Westfalia Herne, beim DSC Wanne (spielender Co-Trainer) sowie als Spielertrainer bei Westfalia Osterwick und dem FSV Gescher weiter.
  • Als Trainer fungierte der Castrop-Rauxeler Allali beim Oberligisten Spvg Erkenschwick bis zum Jahresbeginn 2018.

Es scheint einen grundsätzlichen Unterschied zu geben – hier das Ruhrgebiet, dort das Münsterland. „Als Trainer im Ruhrgebiet hatte ich viel mehr Aufgaben, ich musste die Mannschaft bei Laune halten, war oft als Einzelperson oder zusammen mit dem Co-Trainer unterwegs“, blickt Allali zurück.

Und bei der SG Coesfeld? Dort, so Allali, könne er sich auf das Sportliche konzentrieren, es gebe eine ausgeprägte Identifikation mit dem Verein, in Coesfeld werde Vereinstreue groß geschrieben. Alles Eigenschaften, die Allali mag: „In Coesfeld geht es nicht ums Geld, sondern um Gemeinschaft, um Freunde. Im Ruhrgebiet habe ich das nicht immer so erlebt“, blickt der A-Lizenz-Inhaber zurück.

Beeindruckt ist der Mann aus Bladenhorst auch vom Vereinsleben bei der SG Coesfeld, die einen hauptamtlichen Vorstand hat, 3600 eingeschriebene Mitglieder, davon 750 in der Fußball-Abteilung: „Die Volleyballer kommen zum Fußballspiel und umgekehrt. Das habe ich noch nie so erlebt.“

Kira und Zouhair Allali wohnen an der Vördestraße in Bladenhorst, wobei sie bislang glaubten, Rauxeler anstatt in Bladenhorst zu sein. An der Rütgers-Siedlung, in der sie wohnen, schätzen sie sehr, dass auf Kinder Rücksicht genommen wird. © Jens Lukas © Jens Lukas

Den Amateurfußball in seiner Heimatregion sieht er vor schwierigen Zeiten. „Viele Vereine leben von der Nostalgie, von Erinnerungen an früher. Viele Ruhrgebiets-Vereine werden fusionieren müssen, um zu überleben“, so Allali.

So wie die SG Coesfeld, die 2006 aus den drei Vereinen Rasensport Coesfeld, ESV SF Coesfeld und TuS Coesfeld gebildet wurde. Seitdem ist der Verein hinter der DJK Eintracht Coesfeld der zweitgrößte Sportverein der Stadt.

Seit Sommer 2019 fährt Zouhair Allali nun regelmäßig ins Münsterland, zweimal pro Woche direkt aus seiner Physiotherapie-Praxis in Marl. „Das sind nur knapp 40 Kilometer“, so Allali. Kein Problem für den Castrop-Rauxeler, der im Münsterland ganz offensichtlich sein Trainerglück gefunden hat.

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Ein waschechter Dortmunder, Jahrgang 1957. Vor dem Journalismus lange Jahre Radprofi, danach fast 30 Jahre lang Redakteur bei Dortmunder Tageszeitungen, seit 2015 bei den Ruhr Nachrichten, natürlich im Sport.
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Peter Kehl
Lokalsport Castrop-Rauxel
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