Ein Fußball liegt auf dem Elfmeterpunkt. Seit 130 Jahren gibt es das Duell zwischen dem Torwart und dem Schützen. © picture alliance/dpa
Fußball

Torwart oder Elfmeterschütze – so sehr flattern Castrop-Rauxeler Spezialisten die Nerven

Elfmeter im Fußball gibt es urlange. War es einer oder nicht? Darüber wird oft heiß diskutiert. Das nervlich toppende Elfmeterschießen im Pokalspiel ohne Sieger gibt es aber erst seit 50 Jahren.

Elfmeter werden im Fußball seit 1891 geschossen. Erfunden in Irland von William McCrum, Torhüter beim Milford Everton FC in der Irish Football League, lässt ein Elfer noch heute viele Nerven flattern. Die Idee für das Elfmeterschießen kam erst 80 Jahre später auf.

Karl Wald stellte seinen Entwurf dafür am 30. Mai 1970 auf dem bayerischen Schiedsrichter-Verbandstag in München vor – er wurde mit Mehrheit angenommen. Das erste DFB-Pokalspiel entschied ein Elfmeterschießen am 23. Dezember 1970 zwischen FC Schalke 04 und VfL Wolfsburg in der altehrwürdigen Glückauf-Kampfbahn.

Alle schauen beim Elfmeter gebannt zu

Der Elfmeter ist die schnellste Art, ein Tor zu schießen. Er gehört zum Fußball wie das Bierchen und die Bratwurst in der Halbzeitpause. Kommt es in einem Pokalspiel nach 120 Minuten ohne Sieger zum Elfmeterschießen, starren alle Augen gebannt auf den Schützen und den Torwart. Trainer und Mitspieler fiebern bei jedem Schuss mit.

Die Nerven liegen blank. Wer will schon gerne ausscheiden? Ob das Elfmeterschießen gerecht ist, darüber lässt sich selbst nach 50 Jahren trefflich streiten. Gerechter als per Münzwurf den Sieger zu bestimmen ist es jedoch allemal.

Ob Peter Handke in seiner Erzählung „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ richtig liegt, darf angezweifelt werden. Der Elfmeter-Schütze muss eher Angst haben, als Versager dazustehen. Ein Torwart hat beim Schuss vom Punkt nichts zu verlieren – im Gegenteil, er kann sogar zum Helden aufsteigen. Wer schießt gerne Elfmeter? Bestimmt ein Trainer den Schützen? Hat ein Torwart überhaupt Angst vorm Elfmeter?

Wacker-Keeper David Scholka sorgte als Elfmeter-Killer im August 2020 dafür, dass sein Team in das Kreispokal-Endspiel einzog. © Volker Engel © Volker Engel

Der Torwart

David Scholka steht bei Westfalenligist SV Wacker Obercastrop in der Kiste – erfolgreich. Daraus macht er aber keinen Hehl: „Meine Quote gehaltener Elfmeter ist nicht wirklich gut.“

Wann er im Spiel den letzten Elfer gehalten hat, fällt Scholka folglich auch nicht spontan ein. Wohl aber, wann er im Elfmeterschießen dafür gesorgt hat, dass Wacker im Kreispokal weiterkam: „Das war im Halbfinale im August 2020 gegen den SV Wanne 11. Ich habe einen Elfmeter gehalten und Sascha Schröder hat den nächsten versenkt, womit wir im Endspiel standen.“

Angst vor einem Elfmeter hat David Scholka nicht. „Warum auch. Ich bleibe bei Elfmetern ganz locker und entspannt – alles andere wäre auch schlecht. Es erwartet keiner, dass ich jeden Elfmeter halte. Wenn ich einen halte, freuen sich alle.“

Der aktuelle Frohlinder Trainer Michael Wurst schießt gerne Elfmeter – und hat nach eigener Aussage eine Trefferquote von 95 Prozent. © Hermann Klingsieck © Hermann Klingsieck

Der Schütze

Michael Wurst, jetzt Trainer des FC Frohlinde, hat als Spieler gerne Elfmeter geschossen. „Immer wenn meine Mannschaft einen Elfmeter bekam, habe ich mir sofort den Ball geschnappt und bin zum Punkt gegangen. Ich wollte nicht über einen anderen meckern, wenn der den Elfer verschossen hat.“

Wurst selbst war treffsicher: „Meine Quote in den Jahren bei Frohlinde lag bei 95 Prozent.“ Geliebt hat Michael Wurst als Spieler das Elfmeterschießen. „Dabei hatte ich die Hand immer sofort oben. Geschossen habe ich am liebsten als Letzter, wenn der Druck riesengroß groß war. Ich war heiß auf diesen besonderen Kick.“

Schwerins Trainer Dennis Hasecke. © Volker Engel © Volker Engel

Der Trainer

Schwerins Trainer Dennis Hasecke mischt sich nicht ein bei den Schützen im Elfmeterschießen: „Das sollen die Jungs selbst entscheiden – wer sich gut fühlt, soll schießen.“ Elfmeter zu schießen werde im Training nicht geübt. „Elfmeter kann man nicht trainieren, da so die nervliche Anspannung im Spiel fehlt. Ich kenne die Schusstechnik von jedem Spieler, und weiß daher, wer besser keinen Elfmeter schießt.“

Schütze Nummer eins bei der Spvg Schwerin ist Kevin Wagener. „Kevin hat eine Superquote vom Punkt“, so Hasecke, der sich an sein Nervenflattern beim letzten Elfmeterschießen im Kreispokal-Viertelfinale am 14. November 2019 gegen den FC Frohlinde genau erinnert: „Das Spiel endete 3:3. hätte es fünf Minuten länger gedauert, wären wir als Sieger vom Platz gegangen. Das Elfmeterschießen haben wir dann leider 3:4 verloren.“

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Freier Mitarbeiter
Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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