Auch in Castrop-Rauxel trauern viele Fußball-Fans um Diego Maradona. Für manche war er schlicht und einfach auch der beste Kicker aller Zeiten. © picture alliance/dpa
Fußball

Tod von Maradona bewegt auch Trainer: War er wirklich der größte Fußballer aller Zeiten?

Der Tod von Diego Maradona wirft eine Frage wieder neu auf. War der Argentinier der beste Kicker, den wir jemals erleben durften? Die Castrop-Rauxeler Fußballexperten sind sich nicht einig.

Ist es die „Hand Gottes“, Pele oder der „Kaiser“? Oder sind es doch eher Messi und Ronaldo? Die Liste der Superfußballer kann ellenlang fortgesetzt werden, da es in jeder Epoche überragende Spieler gab. Unweigerlich wird nach dem Tod von Diego Maradona bei vielen Fußball-Experten in Castrop-Rauxel die Frage diskutiert, wer denn nun den Status des weltbesten Fußballers aller Zeiten einnehmen kann. Was sagt die Basis?

Maradona imponierte Westphal mit offenen Schuhen

Tino Westphal, Coach des Bezirksliga-Schlusslichts SG Castrop, war just von einem 8-km-Lauf heimgekehrt, als er mit dieser Frage konfrontiert wurde. Er sagte: „Ob Maradona der größte Fußballer aller Zeiten war, ist grundsätzlich nur schwer zu beurteilen. Er ist aber auf jeden Fall eine Fußball-Legende. Wie er den Ball beim Warmmachen mit offenen Schnürsenkeln hochgehalten hat, war einfach einmalig. Maradona und Pele sind für mich die Weltfußballer aller Zeiten.“

Allerdings sei der Fußball von damals nicht vergleichbar mit den Anforderungen, die an die heutige Generation der Weltklasse-Spieler gestellt würde, schiebt Westphal nach.

Auch Dennis Hasecke (Trainer des Bezirksliga-Siebten Spvg Schwerin) betont, dass die Frage nach dem weltbesten Fußballer nur in den verschiedenen Generationen der Kicker beantwortet werden kann. Er meint: „Maradona war bestimmt der Beste seiner Zeit. Heutzutage hätte er allerdings arge Probleme, weil eine andere Dynamik gefragt ist. In der aktuellen Generation sind daher auch Messi und Cristiano Ronaldo das Nonplus-Ultra.“

Schwerins Geschäftsführer Peter Wach erklärt: „Ich habe Maradona noch live im Fernsehen gesehen. Er hatte eine Ballbehandlung wie kein anderer und zog seine One-Man-Show ab. Heutzutage würden sich die Verteidiger das nicht lange anschauen. Maradona würde alle zwei Minuten auf dem Boden liegen.“

Verschiedene Zeiten ihre Besten gehabt. Wie etwa in den 1970er Jahren mit Beckenbauer und Gerd Müller. Wach schätzt die Qualitäten eines Zinédine Zidane. „Er war Ende der 90er und in den 2000er Jahren nicht nur ein guter Fußballer, sondern auch ein enormer Führungsspieler.“

Olschewski: „Maradona war der Michael Jackson des Fußballs“

Für Marc Olschewski. Trainer des in Abstiegsgefahr schwebenden A-Ligisten VfB Habinghorst, ist Maradona als Fußballer der Allergrößte: „Für alle in den 80er-Jahren geborenen Kinder hat er den Fußball geprägt.“ Olschewski selbst – Jahrgang 1983 – trug als kleiner Knirps zuerst das Orange-Trikot des Holländers Ruud Gullit von der Europameisterschaft 1988.

„Das habe ich dann aber schnell gegen das blau-weiße Trikot von Diego Maradona getauscht, der für mich im Fußball so etwas ist wie Michael Jackson für die Popmusik. Maradona konnte Dribblings, Pässe spielen, Tore schießen wie kein anderer vor ihm und nach ihm.“

Michael Wurst, Trainer des Landesligisten FC Frohlinde: „Maradona hat als Fußballer meine Jugend geprägt. Er war spektakulär und hat mit dem Ball Dinge gemacht, die kein anderer konnte. Ich erinnere mich an ein Spiel der Argentinier in München, als er den Ball beim Warmmachen auf beiden Schultern balanciert hat – das war einmalig.“

Video-Schiedsrichter würde Maradona „die Hand Gottes“ wegnehmen

Leider sei heutzutage das Maradona-Tor mit der „Hand Gottes“ wie im WM-Halbfinale gegen England nicht mehr möglich, da der Video-Schiedsrichter einschreiten würde. Da im Fußball in der heutigen Zeit viel körperlicher gespielt werde als früher, sei es aber erstaunlich, dass Spieler wie Messi und Ronaldo ihr Weltklasse-Niveau über so viele Jahre halten konnten, zollt Wurst diesen großen Respekt.

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Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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Jens Lukas

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