Im Februar 2014 war Dennis Hasecke (Mitte) vielumjubelter Siegtorschütze für Wacker Obercastrop im Bezirksliga-Derby gegen die Spvg Schwerin. Das war schon die Zeit, in der er seine Spieler-Laufbahn ausklingen ließ und danach Trainer wurde. © Jens Lukas

Schwerins Trainer Dennis Hasecke hatte Profi-Angebote aus der Bundesliga und England

Trainer waren nicht immer Trainer. Davor waren sie in den meisten Fällen Fußballer. Nicht selten recht erfolgreiche. Einem Castrop-Rauxeler Kicker standen mehrere Türen offen.

In Castrop-Rauxel ist Dennis Hasecke in der Fußball-Zunft in erster Linie als Bezirksliga-Aufstiegstrainer der SG Castrop und aktueller Coach der Spvg Schwerin bekannt. Davor half er mit seinen Toren mit, dass Wacker Obercastrop 2006 in die Bezirksliga aufstieg. Und auf Schwerin kickte er zur Landesliga-Zeit. Was weniger Leute wissen: Der heute 38-Jährige stand vor 20 Jahren vor einer verheißungsvollen Profi-Karriere.

Profivertrag lag beim VfL Bochum bereit

Der FC Schalke 04 wollte Dennis Hasecke vor 21 Jahren in der B-Jugend haben. „Schalke wollte mich und den späteren Nationalspieler Mike Hanke im selben Jahr verpflichten. Mike hat zugesagt, ich abgesagt. In Bochum hatte ich größere Chancen gesehen, Profi zu werden.“ Beim VfL Bochum spielte er in der A-Jugend – ein Profivertrag lag schon bereit.

Wie aber begann für Dennis Hasecke alles im Fußball? Oder gab es etwa sportliche Alternativen? Er selbst sagt: „Die Haseckes sind eine Familie, in der alle Fußball spielten. Leichtathletik wäre eine Option gewesen, aber Fußball gefiel mir besser.“ Klein-Dennis kickte ab der F-Jugend bei Blau-Weiß Obercastrop. Sein Talent wurde schnell erkannt. Als E-Jugend-Altjahrgang wechselte er zum VfL Bochum.

1998 war Dennis Hasecke (mittlere Reihe, 3.v.r.) Leistungsträger der U17-Junioren des VfL Bochum.
1998 war Dennis Hasecke (mittlere Reihe, 3.v.r.) Leistungsträger der U17-Junioren des VfL Bochum. © privat © privat

Dann kam der erste Kreuzbandriss. Zugezogen im zweiten U19-Junioren-Jahr auf dem Bökelberg gegen Borussia Mönchengladbach. Dennis Hasecke spielte damit drei Monate weiter. Er erklärt das Warum: „Es tat zwar immer mal weh, meine starke Muskulatur hielt das Knie aber zusammen.“ Bis zum Spiel bei RW Essen. Dort ist er nach einem Schlenker weggeknickt – Meniskus, Kreuzband und Knorpel waren kaputt.

Dieser Kreuzbandriss war aber schon die dritte schwere Verletzung. In der B-Jugend hatte sich Dennis Hasecke den Knöchel gebrochen und musste zweimal operiert werden. Im ersten A-Jugend-Jahr – im Jahr 2000 – zog er sich einen Wadenbeinbruch zu. „Ich hatte als Stürmer immer die harten Abwehr-Jungs an den Hacken, die mit mir nicht zimperlich umgegangen sind.“

Auch als A-Junior stach Dennis Hasecke (am Ball) in den Jahren 2000 und 2001 beim VfL Bochum heraus.
Auch als A-Junior stach Dennis Hasecke (am Ball) in den Jahren 2000 und 2001 beim VfL Bochum heraus. © privat © privat

Nach der Genesung vom Kreuzbandriss war es erst mal nichts mehr mit der Profi-Laufbahn. Dennis Hasecke durfte zwar mit den VfL-Profis trainieren. Er spielte auch in einer internationalen Runde als A-Jugendlicher mit den Profis, die sich nach Verletzungen im Aufbau befanden. Mehr war aber nicht drin. Bei einem Bochumer Sponsor war er in eine Berufs-Ausbildung eingestiegen. „Bis dahin hatte ich im Bochumer Fanshop und im Ticketcenter gejobbt.“

Die Option, sich beim VfL Bochum ohne Profivertrag fit zu halten, ging für den damals 19-Jährigen gar nicht. „Ich war jung, doof und total überzeugt von mir. Außerdem war ich total enttäuscht, dass der versprochene Profivertrag nicht eingehalten wurde. Im Nachhinein war es die falsche Entscheidung, den Amateurvertrag aufzulösen und mich nicht beim VfL fit zu halten“, so Hasecke.

Dennis Hasecke wechselte zum Oberligisten Lüner SV, der von Ex-Bochum-Profi Frank Schulz trainiert wurde. Gespielt hat er dort nie. Der Grund: „Bochum verlangte für mich eine Ablösesumme von 100.000 D-Mark.“ Die Konsequenz: Hasecke trat ein halbes Jahr unterklassig für den SV Wacker Obercastrop auf dem Ascheplatz am Stadtgarten gegen den Ball.

Es folgten drei Jahre bei der Spvg Erkenschwick, damals Verbandsligist. Mit der Stimberg-Truppe feierte er den Aufstieg in die Oberliga. Nottingham Forest (2. Englische Liga) klopfte an und bot Hasecke einen Profivertrag an. „Es war alles klar. Ich konnte meine Ausbildung um ein halbes Jahr verkürzen – meine Freundin und jetzige Frau wollte etwas später nach England nachkommen.“ Im Erkenschwicker Aufstiegsjahr folgte kurz vor Weihnachten der zweite Kreuzbandriss. Nottingham Forrest war abgehakt.

Nach seiner Genesung spielte Hasecke weiter für die Stimberg-Elf in der Oberliga. „Trainer Michael Pannenbecker und ich waren keine guten Freunde.“ Deshalb habe er im Winter auch den Verein gewechselt. „Ich war mit der einen oder anderen Entscheidung des Trainers überhaupt nicht einverstanden.“

Trainer Holger Flossbach lockte Hasecke zur SG Langenbochum. „Ich hatte dort kaum noch Zeit fürs Training, da ich nach der Verpflichtung einen neuen Job angetreten hatte.“ Mit Flossbach habe er vereinbart, sich auf die Bank zu setzen, wenn er einen Stürmer braucht. „Sonntags wollte ich trotzdem spielen und habe in der Zweiten Mannschaft ausgeholfen.“ Erfolgreich: Langenbochum II schoss Hasecke mit zum Aufstieg in die Kreisliga A.

Dennis Hasecke lief als Senior für die Castrop-Rauxeler Vereine Wacker Obercastrop und Spvg Schwerin sowie später als Spielertrainer für die SG Castrop auf.
Dennis Hasecke lief als Senior für die Castrop-Rauxeler Vereine Wacker Obercastrop und Spvg Schwerin sowie später als Spielertrainer für die SG Castrop auf. © Jens Lukas © Jens Lukas

Zurück ging es dann zu Wacker Obercastrop mit dem Aufstieg von der Kreisliga A in die Bezirksliga. Ein Jahr Landesliga bei der Spvg Schwerin schloss sich an. Die nächsten Stationen: Wieder Obercastrop und die SG Castrop. Bei der SG ging der Meniskus wieder kaputt und musste komplett entfernt werden. „Mein Arzt hat mir geraten, wenn ich mit meinen Kindern noch normal spielen möchte, sollte besser Schluss sein mit Fußball.“ Das war kurz vor Haseckes 29. Geburtstag.

Manches fügt sich im Leben trotzdem zum Guten. Die SG Castrop entließ den Trainer. Dennis Hasecke übernahm und rettete die SG vor dem Abstieg in die Kreisliga B, und stieg 2017 sogar in die Bezirksliga auf. Nun arbeitet er erfolgreich als Trainer beim Bezirksligisten Spvg Schwerin.

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Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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