Ein Obercastroper kam in den 1960er Jahren in den Genuss, gegen den späteren Weltmeister Günther Netzer (r.), hier mit Wolfgang Overath, zu spielen. © picture alliance/dpa
Fußball

Obercastroper Papa lief einst Günter Netzers langen Beinen hinterher

Jemand wurde im Rheinland geboren. Dennoch hat er keinen Bezug zum Karneval. Auf ein Urgestein der Castrop-Rauxeler Fußballszene, das schon gegen Günter Netzer kickte, trifft das zu.

Es gibt Castrop-Rauxeler Fußball-Urgesteine, die tolle Anekdoten aus der guten alten Zeit erzählen können. Nicht selten handeln diese Geschichten davon, wie nah die Amateure den damaligen Stars kamen und ihnen in Zweikämpfen Paroli bieten konnten. Eines dieser Urgesteine, das Geschichten erzählen kann, hört in der Europastadt auf den Namen „Papa“. Warum eigentlich?

Nicht im Phantasia-Land geboren

Der heute 74 Jahre alte Helmut Blanke erblickte in einem Krankenhaus in Brühl (Rheinland) das Licht der Welt. „Nicht im dortigen Phantasia-Land“, wie er es selbst lachend erklärte. In der alten Heimat kam er sogar in den Genuss gegen die Star-Truppe von Borussia Mönchengladbach, mit Günter Netzer, Jupp Heynckes, Herbert Laumen und Co., zu spielen.

Anfang der 1970er Jahre zog er nach Castrop-Rauxel und lief ab 1972 bei der SG Castrop in der Landesliga auf. Ab 1977 brachte er sein Kicker-Talent bei BW Obercastrop (heute SV Wacker Obercastrop) ein.

Ehrenamt färbt ab: Helmut Blanke (links) und Dieter Schertz renovierten mit weiteren Unterstützern das Vereinsheim des SV Wacker in wochenlanger Arbeit. © Wacker Obercastrop © Wacker Obercastrop

Helmut Blanke wird schon seit ewigen Zeiten „Papa“ gerufen. Wie er den Namen bekommen hat? Blanke erklärt. „Das habe ich bei der SG Castrop Uli Ottberg, der gerade aus der A-Jugend kam, zu verdanken.“ Der Beiname blieb über die Jahre wie festgebrannt, zumal Papa Blanke auch Vater von zwei Kindern (Tochter und Sohn) wurde.

Helmut Blanke selbst, der derzeit 2. Vorsitzender des SV Wacker Obercastrop ist und in etlichen Funktionen vorher aktiv, hat seine Kindheit am Mittelrhein verbracht. Dass jetzt Karneval wegen der Corona-Pandemie ausgefallen ist, schert ihn wenig. „Damit hatte ich noch nie viel zu tun“, sagte er. Aber mit Fußball.

Blanke begann in seinem Heimatort beim SSV in Merten, in dem gleichnamigen Ortsteil von Bornheim im Rhein-Sieg Kreis. Dort fiel er in der A-Jugend dem Cheftrainer der Spvg Wesseling, Franz Alexius, auf. Blanke wusste noch: „Der wollte mich unbedingt haben, als ich mit meinem älteren Bruder dort mal bei einem Einlagespiel mitmachen durfte.“ Helmut hatte beim 5:1-Sieg drei Tore geschossen, was die Begehrlichkeiten natürlich weckte.

Helmut „Papa“ Blanke (l.) war 2006 der Co-Trainer von Uwe Esser. Ihr Team vom SV Wacker Obercastrop stieg in die Bezirksliga auf. © Jens Lukas © Jens Lukas

Und Coach Alexius war kein Unbekannter. Der hatte einst mit Borussen-Trainer Hennes Weisweiler in einer Mannschaft gespielt. Dadurch kam der Kontakt mit Mönchengladbach zustande. Auch darüber wusste Blanke noch einiges zu berichten: „Die Gladbacher kamen mit allen Stars und ich bekam die Aufgabe, Günter Netzer zu bewachen.“

Aber der Nationalspieler, der alleine mit einem Ferrari angebraust kam, sei fast so schnell wie sein italienisches Auto gewesen. „Ich kam mit seinen langen Beinen nicht mit“. 1967 schloss sich Blanke dem heimatnahen VfL Alfter an, 1970 folgte der Umzug nach Castrop-Rauxel.

Durch die Zugehörigkeit bei der SG Castrop ab 1972 bekam er den Job als Buchbinder in einer Castroper Druckerei. Dort hatte er auch Verbindung zur Tageszeitung. Seine Aufgabe war unter anderem, die Jahres-Archiv aller Presse-Artikel in Papp-Umschlägen zusammenzufassen.

Bei der SG Castrop spielte Blanke drei Jahre in der Landesliga mit Kameraden wie Tupfer Bendig, Epatz Koch oder Eppi Gelardi. Zwei Jahre ging er danach für die Castroper Reserve auf Torejagd, ehe er sich in der Saison 1977/78 seinem heutigen Verein Obercastrop anschloss.

1982 folgte nochmal die Retoure für drei Jahre zur SG Castrop. Dort betreute er von 1982 bis 1987 einige Jugendteams. Und wurde mit der damaligen B1-Jugend an der Bahnhofstraße Meister und feierte mit den Jungs den Aufstieg in die Bezirksliga.

Bezirksliga war dann wieder das Zauberwort. Bei BW Obercastrop übernahm Blanke 1989 für zwei Spielzeiten von seinem Trauzeugen, Gerd Kaminski, die erste Mannschaft als Trainer. Der große Erfolg stellte sich erst später als Co-Trainer von Uwe Esser mit dem SV Wacker Obercastrop ein – nach der Fusion von BWO mit BV Wacker Castrop.

Nach der Saison 2005/06 stieg der heutige Westfalenligist in die Bezirksliga auf. So etwas verbindet. „Mit Uwe Esser“, so Blanke, „verbindet mich auch heute noch eine tiefe Freundschaft.“

Über den Autor
Sportredaktion Castrop-Rauxel
Geboren und wohnhaft in Castrop-Rauxel, bin ich über den Billardsport (Karambolage) als freier Mitarbeiter in der Castrop-Rauxeler Lokalredaktion angefangen. Da ich neben dem französischen Billard noch Fußball, Handball, Tischtennis und Tennis in Vereinen aktiv ausführte bot es sich förmlich an, darüber ebenfalls zu berichten.
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