12.496 Mitglieder hatten die im Stadtsportverband Castrop-Rauxel organisierten Vereine noch Ende 2019. Stand März 2021 sind es für einige Klubs spürbar weniger. © ATH (Archiv)
Sportvereine

Mitgliederzahlen fallen: Die Höhe der Austrittswelle in Castrop-Rauxel steht fest

Die Castrop-Rauxeler Stadtverwaltung hat es nach einer Umfrage bei den Vereinen schwarz auf weiß. Es steht fest, wieviele Mitglieder im Corona-Jahr 2020 weggelaufen sind. Auf den ersten Blick traf es einen Klub enorm hart.

Der Sport in Castrop-Rauxel liegt in dem mittlerweile zweiten Lockdown seit dem Frühjahr 2020 am Boden. Die Sporthallen sind geschlossen, die Sportplätze wurden Anfang März 2021 nur für Kinder im Alter unter 14 Jahren geöffnet. Kaum etwas geht mehr in den Sportvereinen. Und die Mitgliederzahlen sanken im vergangenen Jahr um einige Prozente. Die These liegt nahe: Mitglieder sind scheinbar nicht mehr bereit, Geld ohne Gegenleistung zu zahlen. Gilt das für Castrop-Rauxel?

Herner Vereine verlieren 3.000 Mitglieder

Die Befürchtung eines Erdrutsches in Castrop-Rauxel wird verstärkt durch den Blick in die Nachbarstadt Herne. Auch dort wurde nachgezählt – mit einem Besorgnis erregenden Resultat: Laut einem Bericht der WAZ verloren die 172 hiesigen Klubs insgesamt 3.000 Mitglieder – das sind 8,9 Prozent der 29.341 Sportler, die es dort zwölf Monate zuvor noch gegeben hatte.

Die Castrop-Rauxeler Vereine haben offenbar das Glück, dass bei ihnen die Austrittswelle nicht derart hoch ist – wenn man der sogenannten Sportstatistik der Stadtverwaltung Glauben schenkt: Im Vergleich zu Anfang März 2020, als der Lockdown den Hobby- und Freizeitsport in den Vereinen stoppte, verloren die 66 Sportvereine der Stadt „nur“ 3,4 Prozent ihrer Mitglieder.

In absoluten Zahlen: 12.072 Männer und Frauen im Alter von 0 bis 99 Jahren sind zurzeit in den Vereinen angemeldet, vor zwölf Monaten waren es noch 12.496. Es gab also ein Minus von 424 Mitgliedern. Diese Zahl ergab sich in einer zweiten Version der Statistik der Stadtverwaltung. Diese musste einen Fehler in der ersten Version ihrer Tabelle einräumen.

Denn im Rathaus wurden für einen Verein richtig übermittelte Zahlen falsch eingegeben. Leidtragender war der TuS Ickern. Dieser ist mit einem Minus von 104 nunmehr bei 1,044 Mitgliedern angekommen. Dem Mehrspartenverein (Handball, Tennis, Badminton, Allgemeine Turnabteilung) wurde allerdings zunächst der Verlust von 331 Mitglieder nachgesagt.

Somit wäre der TuS erstmals seit Jahrzehnten bei unter 1.000 Sportlern gelandet. Den Reportern dieser Redaktion war der Fehler aufgefallen. Die Stadtverwaltung fertigte daraufhin eine korrigierte Statistik an.

Warum aber verlieren Klubs mehr Mitglieder als in den vergangenen sieben Jahren? Einen Erdrutsch von 15.000 auf 13.600 hatte es 2013 bei der Neueinführung der Sportstättennutzungsgebühr gegeben. Aktuell trägt tatsächlich Corona die Schuld. Denn durch die Schutzmaßnahmen gegen die Pandemie bleiben Neueintritte aus.

Anhand der Allgemeinen Turnabteilung des TuS Ickern lässt es sich exemplarisch erklären. Abteilungsleiter Dieter Weinert wacht nicht nur über die Leichathletik-Riege sowie Gruppen für Hobbyvolleyball und Hobbyfußball, sondern auch über ein Kursgefüge, aus dem es saisonal Austritte und Eintritte gibt.

Seit vielen Jahren ist Dieter Weinert der Leiter der Allgemeinen Turnabteilung im TuS Ickern. © Jens Lukas © Jens Lukas

647 Mitglieder liefen 2019 unter der Regie von Weinerts Abteilung. Jetzt sind es nur noch 553 (minus 94). Dieter Weinert erklärt: „Dass uns zu Beginn des Jahres Teilnehmer wie etwa aus dem Mutter-Kind-Turnen verlassen, ist normal. Durch die Schließung der Hallen hatten wir 2020 allerdings keine einzige Neuanmeldung.“

Bemerkenswert ist: Fast die Hälfte der Vereine verbucht ein Plus. Gewonnen haben u.a. der VfB Habinghorst (plus 50 Mitglieder), die RG Obercastrop (+47), der TC GW Frohlinde (+25), der Taekwon Do Sportverein (+24) und der KC Grün-Weiß (+19).

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Lokalsport Castrop-Rauxel
Ein Journalist macht sich aus Prinzip keine Sache zu eigen, nicht einmal eine gute (dieses Prinzip ist auch das Motto des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises).
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Jens Lukas

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