Reserve-Torhüter müssen Geduld beweisen, ehe sie ihre Chance bekommen. © Pixabay
Fußball

Leiser Keeper wartet auf der Bank auf seine Chance

Im Fußball hat (fast) jede Elf zwei Keeper. Einen der im Tor steht . Und den anderen, der sonntags geduldig auf der Bank sitzt. Mit Torwart-Handschuhen, jedoch ohne Chance auf einen Einsatz.

Fußball-Torhüter sind eine spezielle Spezies. Während im Handball die Keeper sogar im Spiel gewechselt werden, gibt es im Fußball eine Hierarchie: Ein Keeper ist die Nummer Eins und spielt – der andere Torhüter schaut zu. Während die Feldspieler 12, 13, 14, 15 etc. oft eingewechselt werden, tendiert die Chance des Reserve-Torwarts gen Null. Es sei denn, sein Kumpel verletzt sich, oder sieht die Rote Karte.

Ein idealer Reserve-Torwart

„Dass sich Cedric Niemeyer verletzt, damit ich ins Tor rücke, so etwas will ich auf keinen Fall“, sagt Marius Brödner, der Zweit-Torhüter beim Bezirksligisten Spvg Schwerin. Im Prinzip ist Brödner sogar ein idealer Zweit-Torwart: ruhig, bescheiden, fleißig, guter Kumpel.

Marius Brödner im Tor der Spvg Schwerin. © Volker Engel © Volker Engel

Schwerins Trainer Dennis Hasecke lobt seine Einstellung über den grünen Klee: „Marius ist sehr motiviert, immer beim Training. Und wenn er spielt, möchte er gewinnen. Er ist ein wichtiger Bestandteil unserer Mannschaft – und ein Super-Teamplayer.“

Was die Hierarchie im Schweriner Tor nicht verändert. Niemeyer bleibt die Nummer Eins, Brödner die Zwei. Einmal hat er in dieser Saison gespielt bis zum Lockdown: Im Kreispokal bei Constantin Herne. Beim 5:0-Sieg musste Brödner nicht hinter sich greifen. In der Meisterschaft stand nur Niemeyer in der Kiste. Marius Brödner: „Wir hatten aber auch erst fünf Spiele bis zum Lockdown.“

Unter Trainer Marco Gruszka war Brödner in Schwerin die Nummer Eins. „Dann kam Dennis Hasecke und die Torwart-Frage wurde neu ausgelost. Cedric hat das bessere Los gezogen“, so der 28-jährige Marius Brödner. Den Verein zu wechseln, das kann er sich trotzdem nicht vorstellen: „Ich kenne jeden in Schwerin, mich kennt jeder – ich fühle mich total wohl in diesem Verein.“

In grauer Vorzeit hat Marius Brödner sogar im Feld gespielt. „Bis zur D-Jugend war ich Verteidiger. Als die Tore größer wurden, bin ich in die Bude gewechselt.“ Und auch der Spruch „Einmal Schwerin, immer Schwerin“ passt nicht ganz: „In der B-Jugend habe ich bei Wacker Obercastrop gespielt“, verrät Marius Brödner.

Wo ist Niemeyer stärker als Brödner? „Cedric ist jünger und fitter. Er kann ein Spiel von hinten raus laut dirigieren. Ich bin der ruhige Typ, war nie ein Lautsprecher, und werde es auch nicht mehr. Mit dem Ball am Fuß bin ich besser, doch auch da hat Cedric dazugelernt“, analysiert Schwerins Zweit-Torwart die Lage aus seiner Sicht.

In dieselbe Kerbe haut Trainer Hasecke: „Marius ist der leise Typ Torwart. Er ist aber mega-fleißig und macht im Lockdown viele Läufe, deren Kilometer er mir übermittelt.“

Papa Lothar Brödner mit seinen Söhnen Marius (rechts) und Adrian. © Volker Engel © Volker Engel

In jeden Tor ein Brödner

Überhaupt: Fußball-Torhüter zu sein, liegt bei den Brödners in den Genen. Papa Lothar war Keeper beim FC Frohlinde, SuS Merklinde und der Spvg Schwerin. „Er war etwas wechselfreudiger als ich“, lacht Marius Brödner. Dessen Bruder Adrian (26 Jahre) bei Bezirksligist Phönix Bochum in der Bude steht. Trainer Hasecke verabredet daher gerne Testspiele mit den Bochumern: „Ich sehe es gerne, wenn in jedem Tor ein Brödner steht.“

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Jens Lukas

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