Schwerins Kapitän Julian Schittkowski bekam Ende Januar 2011 in Warschau den Pokal für Platz bei m Europa Shield. Es war der erste internationale Auftritt des SKC nach über 30 Jahren. © Jochen Schittkowski (SKC)
Sport-Geschichte

Korfballer des Schweriner KC stopften sich 2011 in Polen die Taschen voll mit Pokalen

Ende Januar 2011 herrschte beim Schweriner KC Hochstimmung. Kurios: Denn die Castrop-Rauxeler warfen an mehreren Titelgewinnen knapp vorbei - waren quasi das Bayer Leverkusen (Vizekusen) des Korfballs. Der Kapitän erinnert sich.

Im 2011 hatten sie eine Hand am Siegerpokal beim Europa Shield in Warschau (Polen), die Regionalliga-Korfballer des Schweriner KC. Rückblickend dauerte für sie das Endspiel gegen den CK Vallparadis (Katalonien) zehn Minuten zu lang. In dieser Zeit drehten die Spanier den Spieß nach dem 14:15 bis zum 21:17 komplett um.

Den europäischen Pokal zierte ein Bild eines asiatischen Korfballers

Tief enttäuscht seien seine Korbjägerinnen und Korbjäger nur direkt nach dem Abpfiff gewesen, berichtete damals der niederländische SKC-Trainer Martin Kamphuis. Beim Einsteigen in den Bus habe dann allerdings bereits die Freude über den zweiten Platz überwogen. Die Castrop-Rauxeler verließen nicht mit leeren Händen bei ihrem ersten internationalen Auftritt seit 32 Jahren die Halle.

Die damals erst 19-jährige Schweriner Akteurin Anna Schulte wurde von der Turnierleitung zur besten Spielerin der drei Wettbewerbs-Tage gewählt. Sie bekam eine Trophäe sowie eine Urkunde überreicht. Und auch die beste Körbewerferin stellten die Castrop-Rauxeler: Mit 18 Treffern war Susanne Alberts sogar den männlichen Goalgettern Sytze Bijker (Nomads/England) und Xavi Blazquez Buisan (Vallparadis/Spanien) mit ihren jeweils 19 Körben dicht auf den Fersen.

Anna Schulte brachte 2011 aus Warschau einen Pokal und eine Urkunde als Auszeichnung mit: Sie war zur besten Spielerin des Turniers gewählt worden. © Jochen Schittkowski (SKC) © Jochen Schittkowski (SKC)

Einen Pokal für den zweiten Platz der Mannschaft nahm SKC-Spielführer Julian Schittkowski entgegen. Beim Blick auf die dazugehörige Urkunde konnten sich seine Mannschaftskameraden ein Schmunzeln nicht verkneifen: Das Zertifikat für das gute Abschneiden bei diesem europäischen Wettbewerb zierte ein Bild von einem taiwanesischen Korfballer.

Zurück im Hotel feierte das Team auf dem Zimmer von Verena Zappe und Karen Fuchs eine Party bis spät in die Sonntag-Nacht. Nur gut, dass die 38-köpfige SKC-Reisegruppe die Rückreise erst für den folgenden Montagabend geplant hatte – mit einer Tasche voller Pokale.

KorfballEuropa Shield 2011(28. bis 30. Januar 2011, Warschau/Polen)

  • Vorrunde

Gruppe A

Warschau – Schweriner KC 6:14

Nottingham – Lissabon 11:12

Warschau – Lissabon 5:19

Nottingham – Schweriner KC 17:7

Warschau – Nottingham 12:11

Schweriner KC – Lissabon 14:13

Gruppe B

Nomads – Brno 11:12

Vallparadis – Obudai 16:8

Obudai – Brno 3:16

Nomads – Obudai 13:14

Brno – Vallparadis 16:17

  • Spiel um Platz sieben
    Nomads – Nottingham KC 15:13
  • Spiel um Platz fünf
    Obudai KK – Mega Sports Warschau 19:10
  • Spiel um Platz drei
    NC Benfica – Brno KK 21:16
  • Endspiel
    CK Vallaparadis – Schweriner KC 22:17

Das SKC-Team hatte vor Ort einen echten Edel-Fan: Lennart Schwirtz, ihren Mitspieler, langjährigen Kapitän und aktuell sogar 1. Vorsitzender. Er sagt ein Jahrzehnt danach im Rückblick: „Für mich persönlich ein bittersüßes Turnier, da ich aufgrund eines Achillessehnenrisses nicht mitspielen konnte und nur als Teammanager dabei war.“

Es sei ein emotionaler Höhepunkt für das damals insgesamt sehr junges Schweriner Team gewesen, erklärt Schwirtz: „Wir hatten uns in dieser Besetzung erst zwei Jahre zuvor aus der Oberliga in die 1. Liga, die Regionalliga, zurückgekämpft.“ Der Teamgeist sei damals ein ganz besonderer gewesen, betont Lennart Schwirtz: „Wie ich ihn danach nur selten erlebt habe.“

Die Rückschau des heutigen Klub-Chefs geht sogar noch weiter in die Vergangenheit: „Besonders erinnere ich mich auch noch an den Moment, als feststand, dass wir nach Warschau dürfen. Wir saßen dabei alle zusammen in einem Restaurant nach einem Spiel, als uns das Ergebnis des nachfolgenden Spiels erreichte.“ Und eben dieses bedeutete, dass die Schweriner ihre zweite Regionalliga-Saison nach der Rückkehr als Vizemeister abschließen werden. Schwirtz: „Wir waren danach wohl etwas zu laut im Restaurant….“

„Das Turnier selbst lief wie auf einer großen Euphoriewelle“, erklärt Lennart Schwirtz, „Spielerisches Highlight war sicherlich das Finale um den ersten Platz in der Vorrunde gegen Benfica Lissabon.“ Hier gewann der SKC knapp mit 14:13 (6:7) Die Portugiesen waren mit einer Mannschaft antraten, die über reichlich internationale Erfahrung verfügte. Schwirtz: „Vielleicht haben sie unsere No-Name-Truppe damals nicht wirklich ernst genommen.“

Susanne Alberts war 2011 in Warschau beste Werferinnen aller Spielerinnen des Turniers. © Volker Engel © Volker Engel

Die Spiele des Schweriner KC

  • Warschau – Schwerin 6:14 (3:8)
    SCHWERIN: Anna Schulte (36. Nicole Sprengel), Benedikt Edeler (1), Björn Schlachzig (36. Stefan Halberstadt), Ina Heinzel (27. Verena Zappe), Julian Schittkowski (1/38. Pascal Stamm), Karen Fuchs (6), Lukas Edeler, Susanne Alberts (6).
  • Nottingham – Schwerin 17:7 (7:3)
    SCHWERIN: Anna Schulte (3), Benedikt Edeler, Björn Schlachzig (23. Stefan Halberstadt), Ina Heinzel (36. Verena Zappe), Julian Schittkowski (2), Karen Fuchs, Lukas Edeler, Susanne Alberts (2).
  • Schwerin – Lissabon 14:13 (6:7)
    SCHWERIN: Anna Schulte (1), Benedikt Edeler, Julian Schittkowski, Karen Fuchs (2), Lukas Edeler, Stefan Halberstadt (3), Susanne Alberts (5), Verena Zappe (3).
  • CK Vallparadis – Schwerin 22:17 (9:11)
    SCHWERIN: Anna Schulte (1), Benedikt Edeler (1), Julian Schittkowski (4), Karen Fuchs (5), Lukas Edeler, Stefan Halberstadt (1), Susanne Alberts (5), Verena Zappe.

Der Endspiel-Einzug war für den Schweriner KC mit einer Portion Glück verbunden. Denn der SKC hatte Schützenhilfe vom Gastgeber-Team Mega Sports Warschau bekommen, das den Anwärter auf den ersten Gruppenplatz, Nottingham KC (England), mit 12:11 bezwang. Schwerin hatte nach dem 14:6 gegen Warschau mit 7:17 gegen Nottingham verloren. Am Ende gewann der SKC die Gruppe vor dem punktgleichen Team aus Lissabon aufgrund des Sieges im direkten Vergleich.

Das Endspiel verloren die Schweriner mit 17:21 gegen den CK Vallparadis aus Katalonien (Sieger von 2008). Hier hatte das Team von Coach Martin Kamphuis zur Halbzeit noch mit 11:9 geführt. Auch Mitte der zweiten Halbzeit standen die Weichen für Schwerin auf „Sieg“. Per Freiwurf war Susanne Alberts das 15:14 gelungen. Danach kassierten die Schweriner allerdings sieben Körbe in Folge zum 15:21. Julian Schittkowski gelang mit seinen Körben zum 16:21 und 17:21 nur noch Ergebnis-Kosmetik.

Kamphuis hatte im Vorfeld des Finals per Videoanalyse festgestellt, dass die Spanier aus der Ferne nur selten treffen und vor allem auf Durchlaufbälle zum Korb setzen. Gegen diese stemmte sich der SKC bis zehn Minuten vor dem Ende mit Erfolg. Dann aber traf Vallparadis plötzlich von allen Positionen – und Schwerin nicht mehr.

„Dass wir das Finale verloren haben, war natürlich dramatisch und für den Moment enttäuschend. Doch schon wenig später überwog der Stolz, dabei gewesen zu sein und so viel mehr erreicht zu haben, als man uns – und wir wohl auch uns selbst – zugetraut hatte“, so Schwirtz.

In den Jahren danach wurde klar: Warschau 2011 war für den Schweriner KC der Startschuss für viele erfolgreiche Jahre auf internatonaler Bühne. Die Castrop-Rauxeler spielten bei den Wettbewerb auch noch 2012 (in Castrop-Rauxel), 2014 (in Vilanova/Katalonien) sowie 2016 (als Gastgeber), 2017 (in Lissabon) und 2019 (Prostejov/Tschechien) mit. Beim Europa Cup der Meister war der SKC 2013 (Bidapest) und 2015 (Herentals) vertreten. Schwirtz: „Das Turnier 2011 war eine der schönsten Erfahrungen meines Korfballer-Lebens. Die einzige Frage, die manchmal etwas schmerzt, ist: Was wäre, wenn ich hätte mitspielen können…“

Die Stimmung war schon Ende April 2012 am Siedepunkt beim SKC. Zwar hatten sich die Schweriner in der Regionalliga nicht für den Europa Cup (der Meister) oder Europa Shield (Vize-Meister) qualifiziert. Sie bekamen allerdings für 2012 die Gastgeber-Rolle für den „Shield“ zugewiesen.

Der zweite Platz der Schweriner war seinerzeit der größte Erfolg, den eine deutsche Mannschaft beim Europa Shield feiern durfte: Der Selmer KV wurde 2005 und 2006 jeweils Zweiter, was auch dem KV Adler Rauxel (2004) und dem KC Grün-Weiß (2002) gelang.

Über den Autor
Lokalsport Castrop-Rauxel
Ein Journalist macht sich aus Prinzip keine Sache zu eigen, nicht einmal eine gute (dieses Prinzip ist auch das Motto des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises).
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Jens Lukas

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