Meinung

Kids wählen die falsche Variante von Home-Sporting

Der Fußballkreis hat die Mannschaftszahlen der vergangenen Jahre veröffentlicht. Daraus ergibt sich: Immer weniger Junioren wollen Fußball spielen. Wie das einzuordnen ist, dazu hat unser Autor eine eigene Meinung.
Der Fußball möchte zusammen mit Kinder und Jugendlichen raus an die frische Luft. Immer mehr Kids lassen ihn allerdings links liegen. © Jens Lukas

Im Fußballkreis Herne/Castrop-Rauxel gibt es von Jahr zu Jahr weniger Nachwuchs-Teams. Der Vorsitzende des Kreisjugendausschusses hat offenbar keine Hoffnung auf Besserung. Denn er sagt: „Heute sind die sportlichen Möglichkeiten vielfältiger als früher – und wenn es nur Fingerübungen am Computer sind.“

Ja, gewiss ist es so, dass wegen des Lockdown die Kinder und Jugendlichen nicht in dem Maße Sport treiben können wie sie ihn benötigen. Natürlich hat es beim Großteil von ihnen damit zu tun, dass ihnen die persönliche Betreuung und Motivation durch die Vereins-Trainer fehlt.

Die Corona-Pandemie, die neben Home-Working und Home-Schooling auch den Begriff Home-Sporting prägt hat, hat ein grundsätzliches Problem kaschiert: Nicht wenige Kids hatten bereits vor der Wortschöpfung das Home-Sporting für sich entdeckt.

Dabei handelt es sich allerdings um die falsche Variante des Daheim-Sport-Treibens (das auch nur für die Corona-Zeit gelten sollte). Denn eigentlich sollten sich die Jugendlichen fithalten für den Re-Start und nicht Fußball auf der Computer-Konsole spielen.

Und: Während in den vergangenen Jahrzehnten der Verein nach der Schule ein zentraler Lebensort für Kinder und Jugendliche war, spielen die Clubs noch nicht einmal mehr die zweite Geige.

Viel schlimmer: Der Nachwuchs verlegt sich tatsächlich auf die Fingerübungen am PC oder dem Controller der Spielekonsole. Zu mehr raffen sich viele nach dem mittlerweile ellenlangen Schulstress-Tag nicht mehr auf.

Was tun, damit der Trend nicht nahezu alle Klubs lahmlegt? Einen Versuch müssten die Vereine über dauernde Präsenz an den Schulen mit Arbeitsgemeinschaften und Kooperationen unternehmen. Und in den Familien muss wieder an die Gesundheit der Kids gedacht werden – und Eltern müssen sich verpflichtet fühlen, den Nachwuchs zum Verein zu bringen.

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