Marc Flaczek (r.), der Kapitän des Bezirksligisten FC Castrop-Rauxel, hat sich kurz vor dem Lockdown eine Rotsperre eingehandelt. Diese wird sich noch in der kommenden Saison 2021/22 auswirken. Darüber klärt Staffelleiter Klaus Overwien (l.) auf. © Hermann Klingsieck/Jens Lukas
Fußball-Bezirksliga

Kapitän des FC Castrop-Rauxel und der Staffelleiter haben verschiedene Meinungen zu Rotsperren

Die lange Zwangspause seit November 2020 verlangt den Castrop-Rauxeler Fußballern einiges ab. Den Spielern, die sich vor dem Lockdown eine Sperre eingehandelt haben, sogar noch mehr.

Vor Gericht und auf hoher See bist du in Gottes Hand, heißt es. Übertragbar ist das auf den Amateurfußball in Corona-Zeiten. Am 1. November 2020 stoppte der Lockdown den Ligabetrieb. Am 19. April annullierte der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) die Saison 2020/21. Aber nicht alles wurde auf Null gesetzt: Sperren für Rote Karten und Gelb-Rote Karten schleppen Fußballer mit in die neue Saison.

Spiel endete nach Roter Karte mit 1:5

Davon betroffen ist auch Marc Flaczek vom Bezirksligisten FC Castrop-Rauxel. Dieser hatte am 18. Oktober 2020 beim Spitzenreiter FC Nordkirchen in der 57. Minute die Rote Karte gesehen wegen eines Foulspiels. Da stand es 0:2 – in Unterzahl verlor Castrop-Rauxel noch mit 1:5.

So weit, so schlecht. Da der FLVW die Wochen-Sperren abgeschafft hat, bekam Flaczek drei Spiele Sperre aufgebrummt. Bis zum Lockdown am 1. November fiel die nächste FC-Partie gegen Mengede 08/20 wegen positiver Corona-Tests aus. Also steht für Marc Flaczek immer noch eine Sperre von drei Spielen auf dem Zettel.

Genau das versteht der 25-jährige Kapitän des FC nicht wirklich: „Annulliert heißt doch, dass die Saison nicht stattgefunden hat. Warum behalten dann Rote Karten ihre Gültigkeit?“ Gute Frage, nächste Frage. Eigentlich logisch: Wenn es eine Saison nicht gegeben hat, gab es folglich auch keine Platzverweise.

Das sieht Staffelleiter Klaus Overwien (Waltrop) anders: „Annulliert heißt nicht, dass es die Spiele vor dem Lockdown nicht gegeben hätte. Die Annullierung besagt nur, dass die Saison nicht gewertet wird.“

Ansonsten müssten ja auch Ordnungsgelder, die bis zum 1. November angefallen seien, zurückerstattet werden. In der Spielordnung sei festgehalten, dass Rote Karten und Gelb-Rote Karten in der nächsten Saison weiterhin zählen, so Overwien. Allein die Gelben Karten würden am 30. Juni gestrichen.

Vor seinem Wechsel zum Bezirksligisten FC Castrop-Rauxel spielte Marc Flaczek (blaues Trikot) für den FC Frohlinde in der Landesliga. © Jens Lukas © Jens Lukas

Marc Flaczek bleibt trotz der schlechten Nachricht Optimist und sagt: „Ich hoffe immer noch, dass die Sache mit den Sperren vielleicht zu unseren Gunsten geregelt wird.“ Wenn nicht, heißt das für den FC-Kapitän, dass er etwa bei einem Saisonstart am 15. August – dahinter steht ein dickes Fragezeichen – erstmals am 2. September auflaufen darf.

Sollte es jedoch bis dahin Spielausfälle geben, könnte sich Flaczeks Sperre zeitlich verlängern. Doch selbst im Idealfall „2. September“ hätte der 25-Jährige fast elf Monate nicht gekickt – bei einer Sperre von nur drei Spielen.

Und das für ein Foul, das selbst für den Gefoulten nicht hätte mit „Rot“ bestraft werden müssen. Flaczek erklärt: „Bei der Geschwindigkeit, mit der ich in den Zweikampf gegangen bin habe ich den Nordkirchener zwar gefoult, mein Bein dabei aber zurückgezogen.“ Das sah der Schiedsrichter anders. Obwohl der Gefoulte nach dem Spiel dem Referee erklärt habe, dass es kein Rot-Foul gewesen sei, blieb der dabei.

„Sollte es bei der Sperre bleiben, ist das eben so“, ist Flaczek dennoch gelassen. Seit Ende Oktober sei er mit Freunden ständig laufen gegangen. Oder er habe auf einer Wiese mit dem Ball gepöhlt, so der 25-Jährige. „Ich hatte wenig Probleme damit, dreimal pro Woche kein Training mehr zu haben und sonntags kein Spiel.“

Verabredet sei aber schon, dass die Spieler mit den am 30. Juni ausscheidenden Trainern Patrick Stich und Yannick Grondin ein Abschiedstreffen haben werden – wenn die Corona-Zahlen das erlauben.

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Freier Mitarbeiter
Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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