Jupp Todt in seinem neuen Kassenhäuschen beim VfB Habinghorst. Das VfB-Urgestein ist jetzt gestorben. © Volker Engel
Fußball

Jupp Todt – der Mann mit dem WDR4-Kofferradio und kessem Spruch ist tot

Die Fußballer des VfB Habinghorst trauern um Josef („Jupp“) Todt. Bis ins hohe Alter war er Platzkassierer des VfB. Wir erinnern an ihn mit einigen Anekdoten.

In vielen der Castrop-Rauxeler Klubs gibt es ehrenamtliche Helfer, die auch noch im Rentenalter mit Rat und Tat im Vereinsleben mitwirken. Sie sind der Motor der Vereine. Ohne sie würde sich kaum etwas bewegen.

Auf einen dieser vereinstreuen Helfer konnten auch die Reporter unserer Redaktion jahrelang bauen: Jupp Todt, der am 25. Februar 2021 im Alter von 86 Jahren gestorben ist. Denn Todt stand für seinen VfB Habinghorst im wahrsten Sinne des Wortes in vorderster Front – als Platzkassierer.

Unvergessen bleibt für uns Journalisten, mit welcher Ruhe Jupp Todt den Zuschauer-Ansturm meisterte. Vor allem zur Landesliga-Zeit des VfB in den Jahren zwischen 2007 und 2011 war der Andrang groß. Dennoch hatte er stets für jeden Gast ein nettes Wort – und behielt sogar den Überblick über die Schlange.

Denn er winkte souverän all jene durch, die freien Eintritt genossen: Spieler, Kinder – ja, und auch unseren Fotografen sowie der Text-Reporter. Und Todt wusste, worauf es uns ankommt. Die Kollegen, die es nicht pünktlich eintrafen, versorgte Jupp Todt mit einem Blick auf die Uhr mit der aktuellen Spielminute und auch dem Spielstand.

Im Jahr 2014 wurde Jupp Todt (Mitte) für 60 Jahre Vereinstreue zum VfB Habinghorst ausgezeichnet. © Volker Engel © Volker Engel

Markus Lüneberg, der Geschäftsführer des VfB Habinghorst, hat nachgeschaut. Dabei hat er festgestellt, dass Jupp Todt einst auch Vereins-Geschäftsführer war – und dass er sich im Alter von 20 Jahren am 1. September 1954 beim VfB angemeldet hatte.

Zusammen mit Hansi Schweiger, der in den 1970er und 80er Jahren Vorsitzender war, spielte Jupp Todt in der ersten Mannschaft. Dabei waren die Jahre 1956 bis 1960 die ruhmreichsten. Hier spielte der VfB in der Verbandsliga, die damals die 3. Liga war.

Jupp Todt (5.v.r.) gehörte jener ersten Mannschaft des VfB Habinghorst an, die bis Ende der 1950er Jahre in der Verbandsliga (damals 3. Liga) kickte. © privat (VfB Habinghorst) © privat (VfB Habinghorst)

Die schönsten Anekdoten, von denen Lüneberg zu berichten weiß, stammen aus der Zeit, in der Jupp Todt Betreuer der Habinghorster Altherren war. Lüneberg: „Ich kann mich noch daran erinnern, dass wir auf dem Sportplatz mit ihm seinen 80. Geburtstag beim Bierchen gefeiert haben. Zu den Altherrenspielen kam er stets mit dem Pilotenkoffer, der Kultstatus bei uns hat.“

Denn in dem Koffer waren nicht nur die Spielerpässe. Auch mit dem Eisspray und einer Schiedsrichter-Pfeife (Todt: „Wenn der Schiri mal seine vergisst“) ist der Inhalt noch nicht komplett aufgezählt. Denn Jupp Todt hatte auch stets ein Koffer-Radio dabei, das samstagnachmittags auf WDR 4 eingestellt war. Nicht fehlen durften sechs gekühlte Flaschen Bier.

Legendär war auch Todts Ausspruch bei Anpfiff eines jeden Spiels. Lüneberg berichtet: „Jupp hat immer mit dem Finger in Richtung Gegner gezeigt und gesagt: Die wissen noch nicht, dass die heute verlieren werden.“

Über den Autor
Lokalsport Castrop-Rauxel
Ein Journalist macht sich aus Prinzip keine Sache zu eigen, nicht einmal eine gute (dieses Prinzip ist auch das Motto des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises).
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Jens Lukas

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