Am 10. Juni 2018 jubelten bejubelten die B-Junioren-Fußballerinnen des VfL Wolfsburg nach ihrem Endspielsieg gegen den 1. FC Köln den Gewinn des Deutschen Meister-Titels. Mittendrin: eine Castrop-Rauxelerin. © Boris Schmelter
Frauenfußball

Junge Fußballerin aus Castrop-Rauxel wird durch schwere Krankheit zurückgeworfen

Victoria Habinghorst, der FC Frohlinde sowie einst der SuS Merklinde haben tolle Arbeit im Mädchenfußball geleistet. Daraus entsprang eine Kickerin, die bei einem Champions League-Club spielt.

Sie spielt Fußball, wird am 1. März 2021 erst zarte 20 Jahre alt, hat aber schon viel erlebt: Sie war U16- und U15-Nationalspielern sowie Deutsche U17-Meisterin. Leider gab es auch eine schwere Krankheit mit langer Zwangspause.

Eltern sind nach Limburg an der Lahn umgezogen

Sie wurde in Castrop-Rauxel geboren. Der fußballerische Weg führte sie über die SG Lütgendortmund, SuS Merklinde, VfL Bochum, FSV Gütersloh und das Mädchen-Internat des FLVW in Kaiserau zum deutschen und europäischen Spitzenclub VfL Wolfsburg. In ihrer Heimatstadt Castrop-Rauxel war Michelle Klostermann nicht mehr sehr oft. Seitdem die Eltern nach Limburg an der Lahn gezogen sind, so gut wie nicht mehr.

Beim VfL Wolfsburg spielt Michelle Klostermann in der zweiten Frauen-Mannschaft in der 2. Bundesliga Nord. Diese Mannschaft ist wegen des Corona-Lockdowns zur Untätigkeit verurteilt, da die 2. Bundesliga Frauenfußball nicht in die Kategorie „Profi-Liga“ eingeordnet ist. In Klostermanns Leben fehlt ohne Fußball etwas. Zur 2. Liga merkt sie an: „Das Niveau dort ist nicht sehr hoch.“

Michelle Klostermann (am Ball), die auch beim SuS Merklinde das Fußball spielen erlernte, gehört zum Zweitliga-Kader des VfL Wolfsburg II. © imago/foto2press © imago/foto2press

Ein gemeinsames Training mit Wolfsburgs Erstliga-Mannschaft – gespickt mit Nationalspielerinnen – wird beim VfL aktuell nicht angeboten. „Für uns gibt es einmal in der Woche ein Online-Training.“ Bis zum November-Lockdown hatte Wolfsburg II erst zweimal gekickt. Beide Male daheim verloren. Gegen RB Leipzig mit 2:3 ohne Michelle Klostermann – gegen Borussia Bocholt mit 1:3 mit ihr auf der linken Seite im offensiven Mittelfeld.

18 Monate lang raus aus dem Fußball-Sport

Die Chance, ins Wolfsburger Erstliga-Frauenteam zu rutschen sei nicht groß, meint sie: „Die Mädels dort sind alle super – sich gegen sie durchzusetzen, ist für junge Spielerinnen schwierig.“ Für Michelle Klostermann ist es sogar um einiges schwieriger, da sie 18 Monate völlig raus war durch eine Lungen-Embolie. Auch jetzt liegt ihre Leistungsfähigkeit nach eigener Einschätzung „bei vielleicht 70 bis 80 Prozent – es wird aber stetig immer besser“.

Da die noch 19-Jährige beim VfL Wolfsburg kaum Aufstiegschance ins Team der 1. Bundesliga sieht, liebäugelt sie mit einem Vereinswechsel: „Ich werde im Sommer wohl als Profi ins Ausland gehen.“ In welches Land und zu welchem Verein? Das weiß sie noch nicht. Sie sagt: „Es gibt mehrere Optionen.“

Schon vor der aktuellen Saison konnte Michelle Klostermann bei einem portugiesischen Erstligisten anheuern. Klostermann: „Das habe ich mich aber nicht getraut.“ Die Wechsel-Gedanken ins Ausland sind auch der Grund, warum sie nach dem Abitur kein Studium oder eine Berufsausbildung angefangen hat. „Ich arbeite nur nebenbei in Wolfsburg bei Nike.“

Was war ihr größter Moment als Fußballerin? Da kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen von Michelle Klostermann: „Das war die Deutsche Meisterschaft mit der U17 des VfL Wolfsburg – ein wunderschönes Erlebnis, das alles andere übertrifft, was ich im Fußball erlebt habe.“ Und das bei einer ellenlangen Vita mit Einsätzen in den Nationalmannschaften U15 und U16, sowie in den Auswahlmannschaften von Westfalen und Niedersachsen.

Beim Spaziergang der Fußball entdeckt

Doch auch das erste U15-Länderspiel als 14-Jährige gegen Schottland ist in guter Erinnerung geblieben. Etwas überraschend: Die Ex-Castrop-Rauxelerin hat bislang nur drei Gelbe Karten kassiert. Spielt sie so fair, oder kann sie Fouls gut kaschieren? „Da trifft wohl eher das Letztere zu“, lacht Michelle.

Dass sie als kleines Mädchen zum Fußball kam, ist einem Spaziergang mit dem Papa am Sportplatz der SG Lütgendortmund zu verdanken, wie sie früher einmal erzählte. Dort trainierten Mädchen und Klein-Michelle wollte das auch. Also kickte sie alsbald in Lütgendortmund.

In einem Team mit Celina Kotziampassis

Da der Sportplatz des SuS Merklinde direkt vor der eigenen Haustür lag, war ein Wechsel zum Fuchsweg logisch. Dort spielte sie gemeinsam mit Celina Kotziampassis, die später griechische Nationalspielerin wurde. Deren Papa Toni Kotziampassis trainierte damals das Merklinder Herrenteam.

Der Wechsel von der Castrop-Rauxeler Fritjof-Nansen-Realschule ins Mädchenfußball-Internat des Fußball- und Leichtathletik Verbands Westfalen nach Kamen krempelte das Leben von Michelle Klostermann total um. Im FLVW-Internat war alles zugeschnitten auf Fußball: Training morgens vor dem Unterricht in der Gesamtschule – später dann auch am Nachmittag.

Bis zu 18 Stunden in der Woche trainierten die talentierten Mädchen. In Castrop-Rauxel bei den Eltern war Michelle nur noch selten. Was sich nicht mehr änderte, als sie zum VfL Wolfsburg wechselte. Denn: „Für etwas anderes als Fußball, blieb mir kaum noch Zeit.“

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Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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Jens Lukas

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