Henning Wackerhage, Sportwissenschaftler von der TU München, hat den Vorschlag vom Fußball spielen mit Maske aufgebracht. Dazu haben die Castrop-Rauxeler Trainer ihre eigene Meinung. © Jens Lukas
Fußball

Fußball mit Maske spielen: verfrühter Aprilscherz, Irrsinn und weltfremd

Fußball mit Masken? Unmöglich - oder praktikabel? Diesen Vorschlag gab es schon einmal - er wurde jetzt neu aufgegriffen. Die Castrop-Rauxeler Fußball-Trainer sind sich jedoch einig: völliger Quatsch.

Die Spielklassen im Amateurfußball hinken dem ursprünglichen Zeitplan weit hinterher. Noch mehr, seitdem die Politik den Corona-Lockdown bis zum 7. März ausgedehnt hat. Mittlerweile geht es nur noch darum, eine Halbserie zu Ende zu bringen, um dann durch 50 Prozent aller Spiele diese Saison mit Auf- und Abstieg werten zu können. Doch selbst dahinter steht ein riesengroßes Fragezeichen.

Idee kommt von einem Sportwissenschaftler aus München

Und schon bekommt ein Vorschlag aus dem Frühjahr 2020 wieder Aktualität: Henning Wackerhage, Sportwissenschaftler von der TU München, bringt diesen Vorschlag von vor fast einem Jahr nun wieder ins Spiel. Zurecht? Was sagen die Castrop-Rauxeler Trainer zum Spiel mit Maske? Wir haben nachgefragt.

Stefan Hoffmann, Spielertrainer des FC Frohlinde (Landesliga), meint: „Die Idee mit der Maske beim Fußball geht überhaupt nicht. Mit der FFP2-Maske kann man keinen Sport treiben.“ Hoffmann sagt, dass man im Alltagsleben nur schlecht Luft mit Maske bekomme. Auch sollten die Masken schon nach 45 Minuten ausgetauscht werden.

Stefan Hoffmann betont: „Ich arbeite im Büro im Pflegebetrieb und erlebe es tagtäglich, wie schwierig es unsere Pflegeschwestern mit den Masken haben, wenn sie die Patienten betreuen. Das ist richtig harte Arbeit, die schon ohne Maske mega-anstrengend ist und damit noch erschwert wird.“ Wie solle das beim Sport gehen? Wobei niemand weiß, wann es wieder losgeht. Hoffmann: „Mit Maske auf gar keinen Fall.“

Steffen Golob (r.) trainiert zusammen mit Aytac Uzuonglu den Westfalenligisten SV Wacker Obercastrop. © Marcel Witte © Marcel Witte

Steffen Golob, neben Aytac Uzunoglu Trainer des SV Wacker Obercastrop (Westfalenliga) sagt: „Mit der Maske ist das ein kompletter Irrsinn. Wenn die Situation nicht so ernst wäre, würde ich sagen, das passt ja, weil gerade Karneval ist. Da kamen ja schon andere Ideen, wie Amateure können ja ohne Zuschauer spielen.“

Es sei doch laut Golob bekannt, dass man durch die FFP2-Masken nur schlecht atmen könne: „Das erleben wir schon selbst jeden Tag beim Einkaufen.“

Ein junger fitter Spieler würde das wohl besser verkraften, aber Golob denkt auch an die Zweikämpfe oder Kopfballduelle: „Wie soll das gehen? Ich meine, alle Fachleute sollen den Ball flach halten und die Saison abbrechen. Dann hätten wir solche Themen nicht.“ Ansonsten sei die Vorlage, Masken beim Fußball zu tragen, „ein verfrühter Aprilscherz“.

Tino Westphal ist Coach des Bezirksligisten SG Castrop. © Marcel Witte © Marcel Witte

Tino Westphal, Trainer des Bezirksligisten SG Castrop: „Das ist doch wohl nur ein Scherz, oder? Ich finde es anstrengend genug, den ganzen Tag auf der Arbeit mit einer Maske herumzulaufen – 90 Minuten damit über den Platz zu rennen geht mit Maske überhaupt nicht. Wie kann man nur auf eine solche Idee kommen?“

Dennis Hasecke, Cqoch des Bezirksligisten Spvg Schwerin: „Da frage ich mich, ob dieser Professor überhaupt selbst schon einmal Fußball gespielt hat. Wer Fußball spielen mit Maske als Lösung des Problems in die Welt setzt, sollte vorher besser ernsthaft darüber nachgedacht haben.“

Asburde Idee gibt keinen Grund zum Nachdenken

Marc Olschewski, Coach beim A-Kreisligisten VfB Habinghorst: „Fußball spielen mit Maske ist völliger Quatsch, total absurd, absolut weltfremd.“ Über so etwas brauche man sich überhaupt nicht unterhalten – das gehe nicht. Olschewski: „Vermutlich wollte da wohl jemand auch mal etwas zum Breitensport sagen und hat einfach ohne zu überlegen einen rausgehauen. “

Setzte sich vor dem Lockdown bei den Spielen ein Maske auf: Merklindes Coach Björn Brinkmann. © Volker Engel © Volker Engel

Björn Brinkmann, Trainer des A-Kreisligisten SuS Merklinde, hat zunächst herzhaft gelacht als er mit dieser Frage konfrontiert wurde, sagte dann aber: „Diese Forderung, mit Maske zu spielen, ist völlig sinnfrei. Beim Training könnte man das vielleicht mal ausprobieren, grundsätzlich halte ich das für keine gute Idee. Nach einem Kopfball hängt die Maske dem Spieler doch auf der Brust.“ Laut Brinkmann sollten sich besser alle darüber ernsthaft Gedanken machen, diese Saison komplett abzubrechen.

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Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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Geboren und wohnhaft in Castrop-Rauxel, bin ich über den Billardsport (Karambolage) als freier Mitarbeiter in der Castrop-Rauxeler Lokalredaktion angefangen. Da ich neben dem französischen Billard noch Fußball, Handball, Tischtennis und Tennis in Vereinen aktiv ausführte bot es sich förmlich an, darüber ebenfalls zu berichten.
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