Die Fußballerinnen der SG Castrop haben in der Kreisliga zwei Mannschaften des FC Schalke 04 als Gegner. © Volker Engel
Fußball

Frauenfußball: Ist der Aufstieg für alle verbaut durch Einstieg von Schalke 04?

Aufstiegsregeln der Fußballkreise sind einfach: Der Meister steigt auf - im Sonderfall auch der Vizemeister. Was aber ist, wenn eine Staffel sich aus zwei Fußballkreisen zusammensetzt?

In der Frauenfußball-Kreisliga A ist Castrop-Rauxel durch die SG Castrop und den FC Frohlinde vertreten. Spielen diese beiden Teams um die Goldene Ananas? Auf den ersten Blick scheint es so. Denn der Bundesligist FC Schalke 04 ist in dieser Liga mit seinen neu und spielstark aufgestellten Frauen-Teams eingestiegen.

Kuriose Regel in der vergangenen Saison

Die Frage ist derzeit: Steigt aus der gemeinsamen Liga der Fußballkreise Herne/Castrop-Rauxel und Gelsenkirchen je ein Verein aus jedem Kreis in die Bezirksliga auf? „Nein, es gibt nur einen Aufsteiger“, sagt Gerald Breitfelder, Koordinator Frauenfußball im Kreis Herne/Castrop-Rauxel und Staffelleiter der Kreisliga A. Vor einem Jahr war es anders in einer Liga: In der Kreisliga B war als Dritter im Bunde der Kreis Bochum dabei und stellte einen eigenen Aufsteiger.

Nun ist wieder alles einfach: Der Meister steigt auf. Oder doch auch der Vizemeister? „Da müssen wir abwarten, ob sich durch Corona in der Bezirksliga eventuell Frauen-Teams auflösen“, so Breitfelder. Seit dieser Saison spielen der FC Schalke 04 „Blau“ und der Schalke 04 „Weiß“ in der Kreisliga A. Ist das eine Wettbewerbsverzerrung wegen der Möglichkeiten des Bundesligisten? Ambitionierten wie Preußen Sutum, ASC Leone oder SG Castrop war der Aufstiegszahn doch vor dem ersten Anpfiff gezogen.

Breitfelder sieht das anders: „So gut sind die Schalker Teams nicht, dass andere sie nicht schlagen können.“ Bis zum Lockdown am 1. November blieben Schalke „Blau“ (6 Spiele) und „Weiß“ (4) ungeschlagen. Die Siege der beiden Mannschaften fielen jedoch nicht so hoch aus wie erwartet. Sollte diese Saison wegen der Corona-Pandemie abgebrochen werden ohne Aufsteiger, hätte die Kreisliga A den FC Schalke weiter „zweifach an der Backe“ – bei einer Wertung wird wohl ein Shalker Team aufsteigen.

Frohlinde hat sich positiv entwickelt

Die Chancen die 50-Prozent-Quote für eine Saison-Wertung zu schaffen, stünden gut, wenn ab dem 1. April trainiert werden dürfte. „In der Kreisliga A sind noch sieben Spieltage offen in der Hinrunde, die plus der Nachholspiele bis zum 30. Juni gut zu meistern sind“, so Breitfelder. Dieser ist voll des Lobes über den Fußball der Mädchen und Frauen beim FC Frohlinde: „Dort hat sich enorm viel Positives entwickelt.“

Gerald Breitfelder ist im heimischen Fußballkreis Herne/Castrop-Rauxel für den Frauenfußball zuständig. © David Hennig © David Hennig

Schalke war im Lockdown nicht untätig und hat sich mit elf Spielerinnen, überwiegend aus der Landesliga, eingedeckt – sieben davon für das Team „Blau“. Bemerkenswert dabei ist, dass wie schon beim Einstieg keine Gelsenkirchener Fußballerinnen vereinnahmt wurden. Schalke 04 will die benachbarten Vereine nicht schwächen. „Schalke hat sich absolut fair verhalten“, weiß Breitfelder.

Dass S04 nicht den Weg anderer Bundesligisten gegangen ist, sich höherklassig spielende Frauenteams „einzukaufen“, begrüßt Breitfelder: „Dass Schalke ganz unten anfängt, ist gut für den Frauenfußball. Wenn die Schalkerinnen auswärts spielen, sind viele Zuschauer am Platz. Das weckt vielleicht bei einigen Mädchen die Lust, selbst Fußball zu spielen. Schalke tritt auch nicht arrogant auf. Borussia Dortmund will ab der nächsten Saison im Frauenfußball auch den Schalker Weg einschlagen.“

Als der Deutsche Fußball-Bund (DFB) vor Jahren die Männer-Bundesligisten aufforderte, im Frauenfußball initiativ zu werden, war der Grundgedanke ein anderer. Bayern München, VfL Wolfsburg und viele andere fingen nicht in der Kreisliga an, sondern kauften sich höherklassig ein. Aktuell ist die Frauen-Bundesliga so etwas wie ein Spiegelbild der Herren-Bundesliga. Sollte der SC Sand absteigen, gäbe es durch die SGS Essen und Turbine Potsdam nur noch zwei eigenständige Vereine in der 1. Liga.

Kleine Vereine haben eine Chance

Geschichten wie die des Recklinghäuser Clubs SG Hillen werden im Frauenfußball wohl nie mehr neu aufgelegt. Ein Jahr spielte Hillen Mitte der 1990er-Jahre in der Bundesliga. Um die Jahrtausendwende als FFC Flaesheim/Hillen nochmals zwei Spielzeiten. Im Jahr 2001 verlor man im Berliner Olypiastadion das Deutsche Pokalfinale gegen den 1. FFC Frankfurt mit 1:2. Gerald Breitfelder sieht auch heute noch Chancen, dass „im Frauenfußball ein kleiner Verein irgendwann wieder Pokalgeschichte schreiben wird“.

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Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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