Ein Fußballer und Trainer, der sogar den DFB vertrat, hofft nun auf einen Einsatz in der Kreisliga B für einen Klub aus Castrop-Rauxel. © dpa
Fußball

Ex-Nationalspieler hofft auf einen Einsatz in der Kreisliga B in Castrop-Rauxel

Es hängt häufig nur an einem seidenen Faden, ob es für einen Fußballer klappt mit der Profikarriere. So auch bei einem Castrop-Rauxeler Trainer, den einst eine Verletzung ausbremste.

Einst spielte er mit der Nationalmannschaft auf fernen Kontinenten. Nun fragt der Fußballer, ob er in Castrop-Rauxel in der Kreisliga B spielen darf.

Bei Zweitligist Rot-Weiß Oberhausen hatte Tino Westphal in der Saison 2008/09 einen Vertrag unterschrieben. „Ich habe bei RWO die beste Saison-Vorbereitung meines Lebens gespielt, als Außenverteidiger in jedem Testspiel ein oder zwei Buden gemacht.“

Tino Westphal verletzte sich bei RW Oberhausen

In der letzten Trainingseinheit vor dem Saisonstart hat sich Westphal einen Muskel-Bündelriss im Oberschenkel zugezogen. Vorbei war es mit dem Einsatz im Punktspiel.

„Als die Verletzung ausgeheilt war, folgte kurz darauf ein Muskelfaserriss.“ So etwas setze sich im Kopf fest – man denke darüber nach, ob der eigene Körper den Profifußball überhaupt mitmacht, so Westphal. „Diese Verletzungen waren der Knick und das schnelle Ende in meiner Profikarriere.“

Wenngleich er im DFB-Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen fast einen Einsatz für Oberhausen gehabt hätte. Tino Westphal erklärt: „Ich stand zur Einwechselung an der Seitenlinie bereit, da hat uns Renato Augusto aus 30 Metern einen Ball ins Netz gehämmert.“ Rot-Weiß musste die Taktik ändern, brachte einen Stürmer und nicht Abwehrspieler Westphal.

Tino Westphal spielte gemeinsam mit Christopher Nöthe

Bei RWO spielte im selben Jahr mit Christopher Nöthe ein weiterer Castrop-Rauxeler Fußballer – ausgeliehen vom BVB II. „Christopher hat häufig gespielt und auch Tore gemacht“, weiß Westphal noch. Nöthe bestritt in den nächsten Jahren bei mehreren Klubs 198 Erst- und Zweitligaspiele – bei Tino Westphal blieb es im Profibereich bei der Null.

Als U19-Spieler hat Tino Westphal etwas erlebt, was er niemals vergisst: In Südafrika und Namibia trug er das Trikot der Nationalmannschaft. Westphal erzählt: „Wir sind dorthin geflogen mit einer Kombination aus Nationalspielern und Westfalenauswahl-Spielern.“

Er selbst kickte in der Westfalenauswahl. Gegen Südafrika wurde 1:1 gespielt und 1:0 gewonnen. In Namibia gab es ein 2:2. „Die Spieler dort waren aber alle viel älter als wir“, erinnert sich Tino Westphal.

Mit der Junioren-Nationalmannschaft spielte Tino Westphal (oben, 2.v.r.) sogar in Afrika. © Privat © Privat

Den ersten Fehler machte Tino Westphal nach 47 Spielen für die SG Wattenscheid 09 in der U19-Bundesliga, als er trotz attraktiver Angebote auf seinen Berater hörte und zu den SF Siegen ging.

Mit dem Slowenen Peter Nemec war dort ein Trainer, der nichts mit jungen Spielern anfangen konnte. Westphal wurde verliehen an Verbandsligist TSV Weißtal. „Es war okay in Weißtal. Ich bekam eine Wohnung, ein Auto und ein Monatsgehalt. Dann war plötzlich Schluss, weil der Verein kein Geld mehr hatte.“

Von seinem älteren Bruder Marco wurde Tino überredet, beim 1. FC Preußen Hochlarmark zu kicken – damals Landesligist mit Trainer Karsten Quante. Alsbald folgte der Schritt zum Oberligisten VfB Hüls. „Dort habe ich meine beste Zeit als Fußballer verlebt. Wir waren eine große Familie. Der Manager Horst Darmstädter hatte ein riesengroßes Herz.“

Tino Westphal spielte unter Ingo Anderbrügge

Sportlich lief es im ersten Hülser Jahr nicht gut. „Wir sind unter Trainer Ingo Anderbrügge, dem Schalker Euro-Fighter, abgestiegen in die Verbandsliga.“ Dann sofort wieder aufgestiegen in die Oberliga mit dem Ex-Schalker Klaus Täuber als Trainer.

„Der ,Boxer‘ war mein bester Trainer überhaupt. Täuber hat mich umfunktioniert zum Innenverteidiger. Er wollte mich zu Schalke II vermitteln.“ Westphal zog es vor, die Zweitliga-Herausforderung bei RW Oberhausen anzunehmen.

Tino Westphal, der Senioren-Trainer der SG Castrop, setzt sich für die Jugendarbeit in seinem Klub ein. © Jens Lukas © Jens Lukas

Nach RWO hieß die nächste Westphal-Station erneut Siegen. „Die waren in die Oberliga abgestiegen. Sportlich lief es top – bis in Siegen auch kein Geld mehr da war.“ Zwei Westphal-Jahre bei Westfalia Herne in der Oberliga schlossen sich an – wieder mit Trainer Klaus Täuber.

Doch dann steht bei Transfermarkt.de ein Jahr unter der Rubrik „unbekannt“. Westphal erklärt: „Da hatte ich geheiratet. Meine Frau und ich waren nach Nürnberg gezogen wegen meiner beruflichen Ausbildung.“

Zurück im Westen ging es zum DSC Wanne-Eickel in die Westfalenliga. Dann zu Bezirksligist BW Westfalia Langenbochum, sowie mit über 30 Jahren zur SG Castrop als Spieler, A-Jugend-Trainer und aktuell als Bezirksliga-Trainer. „Mit der SG bin ich als Spieler sogar noch in die Bezirksliga aufgestiegen.“

Die sportliche Vita von Tino Westphal im höherklassigen Amateurfußball kann sich zwar absolut sehen lassen, das i-Tüpfelchen Profifußball-Karriere bleib ihm jedoch versagt. Westphals fußballerische Keimzelle lag bei der PSV Recklinghausen. „Mein Papa spielte dort und ich bin mit dem Ball schon als Dreijähriger über den Platz gerannt“, sagt er.

Schalke 04 sortierte Westphal aus

Überhaupt: Bei den Westphals stand Fußball immer hoch in Kurs. Papa Eckhard spielte später bei Oberligist Eintracht Recklinghausen – als Stürmertyp wie Horst Hrubesch. „Meine Eltern haben noch eine Video-Kassette, wie ich mit meinem Bruder im Ehebett mit dem Ball Fallrückzieher trainiere.“

Bis zur D-Jugend blieb Knirps Tino bei der PSV. Dann ging es zum FC Schalke 04. In der B-Jugend wurde er bei den Königsblauen aussortiert – zu klein. Nicht zu glauben bei seiner heutigen Größe von über 1,80 Metern. In Wattenscheid kickte Westphal wie erwähnt erfolgreich in der U19-Bundesliga.

„In der Jugend habe ich viele Titel gewonnen – in den letzten beiden Spielzeiten musste ich als Trainer mit der SG Castrop um jeden Punkt kämpfen. So ist Fußball“, scherzt Westphal. In der neuen Saison („Dann bin ich 35 Jahre alt“) will er nur noch Trainer bei der SG Castrop sein. Das doch nicht so ganz: „Ich habe mit SG-II-Coach Patrick Gebauer darüber geredet, ob er mich eventuell das ein oder andere Mal eine Halbzeit lang in seinem Team spielen lässt.“

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Freier Mitarbeiter
Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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