Einblicke in die Sportredaktion

Ein Tag in der Redaktion: So arbeiten unsere Sportreporter

Von der Morgenkonferenz bis zum fertigen Artikel am Abend: Der Alltag eines Sportreporters hat gewisse Strukturen – und trotzdem ist jeder Tag anders! Wir nehmen Sie mit hinter die Kulissen.
Seit 2010 bin ich Sportredakteur für die Ruhr Nachrichten in Castrop-Rauxel. © Stephan Schuetze

Hallo, meine Name ist Jens Lukas, ich bin 1971 geboren, seit 1996 Sportjournalist und seit Sommer 2010 als Sportredakteur bei den Ruhr Nachrichten in Castrop-Rauxel.

Ich mag es an meinem Job vor allem, Neuigkeiten schnell an unsere Leser weiterzugeben und mit Texten, Fotos und Videos interessante und persönliche Geschichten aus dem Lokalsport in meiner Heimatstadt zu erzählen. Auch die Abwechslung zwischen der Arbeit am Schreibtisch und draußen vor Ort sowie der Kontakt zu immer neuen Menschen aller Generationen machen den Beruf für mich so reizvoll.

Auch wenn jeder Tag unterschiedlich abläuft, gibt es gewisse Fixpunkte bei der Arbeit. Heute nehme ich Sie einmal mit in den Redaktionsalltag und verrate Ihnen, wie so ein Tag oftmals abläuft.

An erster Stelle: Bestandsaufnahme

Der erste Blick geht am Morgen meist auf die Arbeit vom Vortag: Wie sehen die im Internet und in der Zeitung erschienen Artikel aus? Gibt es Reaktionen der Leser, direkt auf unserer Website oder in den Sozialen Medien? Welche Beiträge wurden am meisten gelesen?

Wie oft wurden die Artikel gelesen? Das können wir auf unseren Dashboards mittlerweile ziemlich genau sehen. © Stephan Schuetze © Stephan Schuetze

Dann wird der Posteingang auf den verschiedenen Kanälen gecheckt: E-Mail, WhatsApp, Facebook. Online auf den Seiten der Vereine schaue ich mich dann noch vor der Konferenz mit den Kollegen aus Schwerte und Dortmund im Netz um. Was gibt es Neues in der Welt des (Lokal-)Sports?

Das kurze Treffen: Die Konferenz

Der Austausch mit den Kollegen ist mir wichtig. Gerade in Zeiten von Corona, wo die meisten aus dem Homeoffice arbeiten und die Gespräche in der Redaktion wegfallen. In der Konferenz, die wochentags am Vormittag stattfindet, stellen die Kollegen aus der Lokalsportredaktionen Schwerte und Dortmund sowie ich ihre Themen für den Tag vor. Nicht selten ergeben sich auch Ideen für mögliche Themen für Castrop-Rauxel.

Immer am Telefon: Wegen der Corona-Pandemie müssen die meisten Gespräche über unser Headset stattfinden. © Stephan Schuetze © Stephan Schuetze

Als Redakteur stellt man sich die Fragen: Ist ein Vorort-Termin möglich? Bietet sich ein Videodreh an? Genügt die telefonische Recherche? Es gibt auch verschiedene Textformen: Zum Beispiel Reportage, Interview, Kommentar, Bilderserie, oder bei dringenden Nachrichten eine Eilmeldung.

Was will der Leser wissen? Die Themenfindung

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, passende Themen zu finden. Viele Vorschläge tragen unsere Leser an uns heran. Im Fall der Sportredaktion sind das oft Funktionäre aus den Sportvereinen- oder Verbänden, die uns auf ein Thema aufmerksam machen. Das kann die Verpflichtung eines neuen Spielers sein oder ein Event, das der Verein plant. Unser Anspruch ist es aber, vor allem eigene Themen zu setzen. Besondere Menschen im Sport einmal genauer vorstellen, auf Probleme hinweisen, unterhaltsame, aber auch unbequeme Themen beleuchten.

Wenn wir nicht gerade mitten in einer Pandemie stecken, dann sehen so die Wochenenden aus: unterwegs aus den Sportplätzen in der Umgebung. © Volker Engel © Volker Engel

Immer geleitet von der Frage: Was möchte und was sollte unser Leser wissen?

Für mich als Sportredakteur sind normalerweise auch der Samstag und Sonntag wichtige Arbeitstage, schließlich finden hier die meisten Sportveranstaltungen statt. Bei denen kann ich mir nicht nur ein Bild vom Sport an sich machen, über den ich hinterher berichte, sondern auch interessante Gespräche führen, aus denen nicht selten die nächste Geschichte entsteht.

Auf Spurensuche: Die Recherche

Eine alte Weisheit sagt: Du musst nicht alles wissen, Du musst nur wissen, wo es steht. So ist das auch bei uns. Die typische Annäherung an ein Thema sieht in etwa so aus: Ich erhalte eine Mail von Verein XY, der schreibt, dass er zur neuen Fußballsaison einen neuen Trainer verpflichtet hat. Es wird kurz beschrieben, um wen es sich handelt, im Idealfall ist eine kurze Vita enthalten. Diese Informationen würden mir aber für einen Beitrag nicht genügen.

So folgen in der Regel noch ein persönliches Treffen und/oder ein paar Telefonate. Warum macht denn der bisherige Trainer nicht weiter? Warum passt der neue Trainer gut zum Verein? Wie tickt er so und welche Ziele verfolgt er? Ich versuche erst einmal, so viele Informationen zu sammeln wie möglich. Dabei helfen in erster Linie Gespräche, aber auch Google und Co.

Je heikler ein Thema ist, zum Beispiel ein Spielabbruch, desto mehr Quellen brauchen wir, um unseren Lesern ein möglichst vollständiges Bild bieten zu können.

Die heiße Phase: Bis zum fertigen Beitrag

Sind alle Informationen zusammengetragen, geht es ans Schreiben. Ich überlege mir meist schon auf der Rückfahrt von einem Termin, wie ich den Beitrag aufbauen will, mit welchem Satz ich den Artikel beginnen könnte, welcher Roter Faden sich durch den Text ziehen sollte. Habe ich dieses Gerüst im Kopf stehen, ist der eigentliche Schreibprozess relativ schnell erledigt. Der schwerste Teil dabei ist aber immer auf´s Neue die Überschrift. Sie soll den Kern des Artikels zeigen, den Leser aber vor allem dazu anregen, den Text möglichst von Anfang bis Ende zu lesen. Steht der Text, kommt noch eine weitere wichtige Aufgabe: die Suche nach einem passenden Bild. Je komplexer das Thema, desto schwieriger, es in einem Foto abzubilden.

Zurück vom Termin: Mit allen Informationen im Block und den Fotos auf der Kamera kann jetzt der Artikel geschrieben werden. © Stephan Schuetze © Stephan Schuetze

Bei größeren Veranstaltungen erstellen wir meist auch eine Fotostrecke, zunehmend auch Videos. Dieses Material muss gesichtet und bearbeitet werden. Sind die einzelnen Elemente zum fertigen Beitrag zusammengefügt, schaut mindestens ein Kollege noch einmal gründlich drüber. Ist der Text fehlerfrei? Verständlich geschrieben? Erhält der Leser alle nötigen Informationen? Ist das alles der Fall, dann wird der Beitrag für unsere Webseite freigegeben und/oder mit dem Redaktionssystem auf der Zeitungsseite platziert.

Als ich damals in Castrop-Rauxel als Journalist anfing, waren Online-Artikel und Soziale Medien oder Videos vom Spielfeldrand im Lokalsport noch Zukunftsmusik. Auch das ist reizvoll an meinem Job. Er entwickelt sich stetig weiter, sodass nie Langeweile aufkommt. Ich hoffe, ich konnte Ihnen hier einen interessanten Einblick bieten.

Mit sportlichem Gruß

Jens Lukas

Dorsten am Abend

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