Das Bild hat Symbol-Charakter. Das Motto "Stolz ein Schalker zu sein" ist ramponiert. So sieht es auch ein Castrop-Rauxeler Fußball-Trainer. © picture alliance/dpa/dpa-Pool
Fußball

Ein Castrop-Rauxeler Trainer fordert: Schalke muss alle Scouts rausschmeißen

Es kann nur einen geben. Borussia Dortmund oder FC Schalke 04 - ein „und“ ist unmöglich. Die Fans der Bundesligisten zelebrieren untereinander eine Art Hassliebe. Früher stärker als heute.

Die direkten Duelle von Schwarz-Gelb und Königsblau werden nicht von ungefähr Mutter aller Derbys genannt. Momentan trennen beide sportlich Welten. Das weiß auch ein Castrop-Rauxeler Fußball-Trainer, dessen Herz im gefühlten BVB-Land für Schalke schlägt.

„Ich bin nicht der einzige Schalke-Fan in Castrop-Rauxel – davon gibt es eine ganze Reihe. Dumme Sprüche muss ich mir allerdings sehr selten anhören.“ Das sagt Dennis Hasecke, Trainer des Bezirksligisten Spvg Schwerin, dessen Farbe seit der Kindheit immer Königsblau war. „Und das bleibt so, egal was passiert. Ich bin aber kein verbissener Schalker.“

S04 kann Tasmania-Rekord brechen

Sportlich hinkt der S04 derzeit dem BVB weit hinterher. Die Dortmunder spielen trotz des jüngsten 1:5 gegen Stuttgart, das Trainer Lucien Favre den Job kostete, im Konzert der Großen mit und stehen im Achtelfinale der Champions League. Schalke ist Tabellenletzter in der Bundesliga. Mit 27 Spielen ohne Sieg in Folge sind die Gelsenkirchener auf dem Weg, den Negativ-Rekord von Tasmania 1900 aus der Saison 1965/66 mit 31 Spielen ohne Sieg zu brechen.

Der Castrop-Rauxeler Dennis Hasecke, Trainer der Spvg Schwerin, bekommt derzeit das Grausen, wenn er die Auftritte seines FC Schalke 04 im Fernsehen sieht. © Volker Engel © Volker Engel

Die letzten beiden Heimspiele im Jahr 2020 gegen den FC Freiburg (16. Dezember) und Arminia Bielefeld (19. Dezember) müssen gewonnen werden. Das denkt auch Dennis Hasecke: „Wenn in diesen Spielen nicht dreifach gepunktet wird, sieht es böse aus. Dann wäre Schalke weit weg vom rettenden Ufer. Mannschaften wie Köln, Mainz, Bielefeld, Bremen oder Freiburg können Abstiegskampf – Schalke nicht.“

Der Schweriner Trainer war bis vor zwei Jahren Bundesliga-Dauergast in der Arena auf Schalke, er war beim UEFA-Cup-Sieg 1997 in Mailand dabei, sagt aber im Dezember 2020: „Ich brauche die Spiele im Stadion nicht mehr. Der Mannschaft fehlt die Leidenschaft, die Schalke immer ausgezeichnet hat.“ Dort spielen nur Söldner, denen es egal ist, für welchen Verein sie auflaufen, so Hasecke: „Steigt Schalke ab, gehen die Spieler woanders hin. Der letzte Herzblut-Schalker ist mit Benedikt Höwedes rausgeekelt worden.“

Töchter möchten gerne Spiele im Stadion sehen

Die Quengelei seiner Töchter, in die Schalke-Arena zu wollen, habe er bis jetzt abblocken können, so Hasecke. „Mir reicht, was ich zuletzt im Augsburg-Spiel am Fernseher erlebt habe. Schalke führt in der Nachspielzeit in Überzahl mit 2:1 und kein Spieler haut sich richtig rein. Alle traben nur hinterher, schauen nur zu, als das 2:2 fällt. Das geht gar nicht“, so Dennis Hasecke.

Der Schweriner Coach macht die Schuld an der Misere nicht an den Trainern fest: „Egal welcher Trainer dort arbeitet, dem Team fehlt der Wille, unbedingt gewinnen zu wollen. Schalke hat keinen Stürmer der Tore machen kann – die Abwehr ist ein Hühnerhaufen.“

Trotz allem bleibt Hasecke im Herzen Schalker. Die Frage an den Experten, ob Schalke absteigt, beantwortet er mit einem „Jein“. Hier schwingt die Hoffnung mit, dass die Knappen nicht absteigen. Den Unterschied zum BVB macht er mit am Scouting fest: „Dortmund holt nur junge Leute, die sofort einschlagen in der Bundesliga. Schalke verpflichtet im Gegenzug teure Spieler die nichts bringen. Schalke sollte alle Scouts rausschmeißen.“

Spieler gehen lieber zu Union Berlin als nach Schalke

Fehler des Managements runden die Misere ab. Hasecke: „Keiner kann mehr Geld ausgeben als im Geldbeutel ist. Auf das Erreichen Champions League und das Geld von dort zu hoffen, ist falsch.“

Zu wissen, wann Verträge auslaufen und frühzeitig darauf zu reagieren, damit Spieler nicht ablösefrei gehen. Das sei von Schalkes Managern oft verpennt worden. Besonders aber wurmt Hasecke: „Es ist doch so, dass junge Spieler jetzt lieber zu Union Berlin gehen als zum FC Schalke 04. Früher war das anders.“

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Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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