Auch im Stadion Rote Erde in Dortmund hatte ein Castrop-Rauxeler seinen Auftritt. © Menne
Fußball

Ein Castrop-Rauxeler Amateur fliegt mit in der Profifußball-Blase

Während der Corona-Pandemie dürfen nur die Profis ihren Sport ausüben. Wie etwa in der 1. bis 4. Liga im Fußball. Und mittendrin ist derzeit ein Castrop-Rauxeler Amateur.

Er ist kein Profi, lebt aber in der Profi-Bubble, der sogenannten Blase, die den Profi-Sport vom Rest der Sportwelt abgrenzt. Dass das nicht nur für aktive Sportler oder Sportlerinnen gilt, sondern auch für alle unmittelbar Beteiligte, gerät manchmal in Vergessenheit.

Auch in der Regionalliga gelten die Profi-Regeln, auch für Schiedsrichter. Wie zum Beispiel Leonidas Exuzidis von Arminia Ickern, der seit diesem Sommer Spiele in der vierthöchsten deutschen Fußball-Klasse pfeift.

Exuzidis: „Profis sind wir wirklich nicht”

“Nein”, sagt Leonidas Exuzidis, „Profis sind wir wirklich nicht. Wir bewegen uns nur in einer Liga, die als Profisport eingestuft ist. Selbst in der 1. Bundesliga gehen die Schiedsrichter ja meist noch einem ganz normalen Beruf nach.”

Wer an Profi-Fußball denkt, verbindet damit auch gleichzeitig horrende Millionen-Gehälter. Nicht zu unrecht, aber nicht für die Schiedsrichter. Reichtümer sind mit dem Job auf dem Fußballplatz absolut nicht zu verdienen. Für eine Regionalliga-Partie sieht die Verbandsordnung eine Spesenzahlung von 200 Euro vor, für Assistenten gibt’s die Hälfte. In der Oberliga reduziert sich die Spesenzahlung auf schmale 60 Euro, in der Verbandsliga sind nur noch 45 Euro drin.

„Hinzu kommen noch die Spritkosten für An- und Abreise, damit ist dann aber auch alles abgedeckt, von der Vorbereitung bis hin zur Nachbereitung der Partie“, erklärt Exuzidis, in Fußballkreisen besser unter „Leo“ bekannt. Das mache die Sache mit dem Namen einfacher, schmunzelt der 25-Jährige.

Die Sache ist aber auch nicht so wichtig. Wichtig ist jetzt Corona. Und alles, was dazugehört. Die Vorgaben sind klar geregelt. Leonidas Exuzudis erklärt den vorgeschriebenen Ablauf anhand des letzten Regionalliga-Spiels, das er vergangene Woche Samstag gepfiffen hat: Wiedenbrück gegen RW Essen.

„Einen Tag vor dem Anpfiff müssen wir morgens zum Corona-Schnelltest. Wir sind dafür nach Dortmund gefahren, zum Trainingszentrum des BVB. Am Nachmittag kommt dann das Ergebnis des Tests. Zum Spiel selbst fahren wir mit maximal zwei Personen im Auto, in den Kabinen herrscht natürlich Maskenpflicht und wir achten auf den Abstand“, erklärt Exuzidis.

Ansteckungsrisiko lasse sich nur minimieren

Dass die sogenannte Corona-Blase nicht ganz so dicht ist, wie es der Name vermitteln will, liegt da auf der Hand. „Komplett ausschließen lasse sich das Ansteckungsrisiko natürlich nicht, nur minimieren. Natürlich wissen alle um das Risiko“, so der Castrop-Rauxeler: „Aber alle machen es ja freiwillig, wem das Risiko zu groß ist, der kann natürlich auch pausieren.“ Sieben Regionalliga-Spiele hat Exuzidis in dieser Saison geleitet, dazu kamen sieben Einsätze als Assistent an der Seitenlinie.

Die Fans auf den Tribünen fehlen ihm

Den Unterschied zur Vor-Corona-Zeit auf dem Spielfeld macht für den Student der Wirtschaftswissenschaft, der gerade seine Masterprüfung an der Uni Dortmund gemacht hat, besonders an den fehlenden Fans auf den Tribünen fest. „Es herrscht eine ganz andere Atmosphäre als mit Zuschauern. Selbst die lautstarken Hinweise auf unpopuläre Entscheidungen vom Schiedsrichter gibt es nicht mehr. Aber irgendwie fehlt mir das auch“, gibt der Castrop-Rauxeler zu.

Das Schiedsrichter-Wesen hat der 25-Jährige von der Pike auf gelernt. Mit 14 Jahren leitete er sein erstes Spiel, spielte damals noch gleichzeitig in der Jugend von Arminia Ickern. Dann folgte die Tretmühle durch die unteren Spielklassen. Für Exuzidis kein Problem. Er pfeife gerne, auch die Spiele in den unteren Klassen, es mache ihm einfach Spaß, Verantwortung zu übernehmen.

Was ihm aktuell in der Corona-Krise fehle, seien genau diese Spiele unterhalb der Regionalliga. „Ich mag die Routine, die Spiele in der Landesliga, in der Westfalenliga, im Pokal, in der Jugend-Bundesliga, die ich bis zum Sommer 2020 noch gepfiffen habe“, so Exuzidis, der Wert darauf legt, körperlich absolut fit zu sein und dafür ein umfangreiches Trainingsprogramm aus Joggen, Sprints und Steigerungsläufen absolviert: „Allein mit der Grundausdauer ist es nicht getan, als Schiedsrichter musst du trotz intensiver Belastung die Übersicht zu behalten.“

Sprung in den Elite-Bereich des DFB unrealistisch

Das scheint ihm bislang zu gelingen. Zwar macht sich der Castrop-Rauxeler keine Gedanken darüber, ob er in Zukunft den Sprung in den Elite-Bereich des DFB schaffen könnte („Solche Gedanken halte ich für unrealistisch“), aber seine Debüt-Saison in der Regionalliga lief bislang ausgezeichnet. „Ja, ich bin in der Regionalliga angekommen, ich fühle mich wohl und komme mit den Spielern bestens aus“, zieht Exuzidis eine positive Bilanz.

Dass er auch im Westdeutschen Fußballverband eine feste Schiedsrichter-Größe ist, unterstreicht sein voller Einsatzplan. Am Samstag (23. Januar) steht die nächste Regionalliga-Partie auf dem Spielplan. Wo genau, das dürfe er nicht verraten. Offiziell wird das erst am Abend vor dem Anpfiff bekanntgegeben.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Ein waschechter Dortmunder, Jahrgang 1957. Vor dem Journalismus lange Jahre Radprofi, danach fast 30 Jahre lang Redakteur bei Dortmunder Tageszeitungen, seit 2015 bei den Ruhr Nachrichten, natürlich im Sport.
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Peter Kehl

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