Seine erste Trainer-Station war der SuS Pöppinghausen in der Kreisliga B: Steffen Golob, der heute Co-Trainer und Sportlicher Leiter beim Westfalenligisten Wacker Obercastrop ist. © Volker Engel
Fußball

Dunkles Kapitel? Wacker-Trainer Steffen Golob tauchte jahrelang auf Schwerin ab

Es gibt Fußballer, deren Karriere führt steil nach oben - im Idealfall bis in die Bundesliga. Obwohl Steffen Golob nicht in hohen Ligen gekickt hat, ist seine Geschichte bemerkenswert.

Steffen Golob reagiert pfeilschnell, wenn man ihn auf seine Fußballer-Laufbahn anspricht – mit dem Satz „Ich hatte doch überhaupt keine Karriere“. Für einen Mann, der beim Westfalenligisten SV Wacker Obercastrop als Co-Trainer und Sportlicher Leiter die Fäden zieht, klingt das zunächst ungewöhnlich. Steffen Golob gibt auch unumwunden zu: „Der SV Wacker ist ein Glücksfall für mich.“

Von Castrop nach Dortmund und zurück

Angefangen mit dem Fußballspielen hat Klein-Steffen ganz woanders. Und zwar als fünf-jähriger Knirps bei der SG Castrop. In der E-Jugend ging es für ein Jahr zur Eintracht Dortmund. Dann aber wieder schnell zurück zur SG. Er hat mit Ausnahme des Torwart alles gespielt: Libero, Mittelfeld, Stürmer.

Als B-Jugend-Jungjahrgang war Schluss mit Fußball. Der Boxsport reizte Steffen Golob. Der Boxring 28/47 Schwerin wurde Golobs Verein. Im Mittel-Schwergewicht stand er 15 Mal im Ring. Sieben Kämpfe gewann Golob, acht verlor er. Im Westfalenhallen-Leistungszentrum trainierte er oft – bei größeren Meisterschaften aber nie geboxt. „Ali Ersoy war mein Trainer – ein guter Mann, mit viel Ahnung vom Boxen“, lobt Golob den Vater der talentierten Fußballer Ergin und Erdem Ersoy.

Noch heute hat Steffen Golob das Trikot, dass er beim Boxring Schwerin trug. © privat © privat

„Mit 26 oder 27 haben mich dann Kumpels überredet, beim SuS Merklinde wieder Fußball zu spielen“, erklärt Golob den Schritt zurück zu den sportlichen Wurzeln. Sascha Brandt lotste ihn irgenwann zum SuS Pöppinghausen. „Als ich das gemacht habe, ist Sascha in dem Jahr zum FC Frohlinde gewechselt.“

Trotzdem sei SuS Pöppinghausen ein nachhaltiger und erster Glücksfall gewesen , versichert Golob. „Aus Spaß habe ich da noch ein wenig gekickt mit den Jungs“. Aber dann folgte das, was das weitere sportliche Leben des heute 41-Jährigen prägen sollte: Er wurde Trainer bei SuS Pöppinghauen.

Erste Trainerstation in Pöppinghausen

Mit Glücksfall Nummer zwei. Aytac Uzunoglu kam als Spieler zum SuS. Beide rannten dort gemeinsam noch ein Jahr aktiv über den Fußballplatz, ehe Golob dort der Trainer von Spieler Uzunoglu wurde. In Pöppinghausen, dem „Dörfchen“ im Grünen, wohnten beide quasi Tür an Tür.

Ab der Zeit bei SuS Pöppinghausen wurde es bis heute so etwas wie eine unendliche gemeinsame sportliche Geschichte zwischen Steffen Golob und Aytac Uzunoglu. Letzterer hatte sich neben Fußball in Pöppinghausen schon einen Namen gemacht als Jugendtrainer bei Westfalia Herne.

Andreas Köhler trainierte damals den SV Wacker Obercastrop – und holte Uzunoglu als Co-Trainer. Als es mit Köhler sportlich nicht mehr rund lief, rückte Uzunoglu auf – und lotste Steffen Golob als Co-Trainer zum SV Wacker. Womit Golobs eigentliche sportliche Erfolg-Geschichte ihren Lauf nahm.

Steffen Golob (l.) führte zusammen mit Aytac Uzunoglu den SV Wacker Obercastrop von der Bezirksliga in die Landesliga – und von dort in die Westfalenliga. © Volker Engel © Volker Engel

„In der Winterpause 2018 bin ich in Obercastrop eingestiegen. Wir haben in der Bezirksliga eine Super-Rückrunde mit lauter Siegen und nur einem Unentschieden hingelegt“, so Golob. „Ab dann war die große Kapelle angesagt bei Wacker.“ Steffen Golob war neben Co-Trainer auch Sportlicher Leiter.

„Der Verein hat uns die Vorgaben angesagt, Aytac und ich haben sie umgesetzt.“ Und das nicht nur beim eigentlich Training, sondern bei vielerlei Aufgaben neben dem Platz. Der Erfolg blieb nicht aus. Wacker Obercastrop stieg auf in die Landesliga. „Aber erst am letzten Spieltag – es war spannend“, weiß Golob noch.

Im ersten Landesliga-Jahr wurde Obercastrop Fünfter. „Wir hatten die meisten Tore geschossen – aber auch die drittmeisten kassiert.“ Das zu verbessern, daran wurde personell gearbeitet. Die optimale Mischung im Team sorgte dafür, dass Wacker Obercastrop im März 2020 beim Corona-Abbruch auf Tabellenplatz eins stand und in die Westfalenliga aufstieg.

Beim Corona-Lockdown im November 2020 dieser am 19. April annulierten Saison rangierte Aufsteiger Wacker nach sieben Spielen mit nur einem Gegentor und drei Punkten Rückstand auf Spitzenreiter TuS Bövinghausen super da. Nicht zu vergessen, dass Obercastrops Fußballer neben dem Westfalenliga-Aufstieg zwei Stadtmeister-Titel (Halle und Feld) sowie den Kreispokal gewonnen hatten.

Steffen Golob sagt mit dem Brustton der Überzeugung: „Die sportliche Geschichte von Wacker Obercastrop ist erst am Anfang – ein Ende ist längst noch nicht in Sicht. Wir haben noch viel vor.“ Bei der sportlichen Weiterentwicklung des Teams hat Steffen Golob in der Sportlichen Leitung seit dieser Saison mit Alexander und Frank Wagener große Hilfe bekommen.

„Wir verstehen uns gut und verteilen die zu erledigenden Aufgaben unter uns. Bei der Verpflichtung neuer Spieler achten wir neben der fußballerischen Qualität besonders auf deren charakterlichen Eigenschaften.“ Stolz ist Steffen Golob darauf, dass sieben Spieler aus der Bezirksliga-Truppe in der Westfalenliga noch zum Stammpersonal zählen.

Und zu seiner ganz persönlichen Situation beim SV Wacker Obercastrop merkt Steffen Golob an: „Ich bin mega zufrieden, als eigentlicher Fußball-No-Name bei diesem Verein als Co-Trainer und Sportlicher Leiter in der Westfalenliga zu arbeiten. Ich möchte sportlich mit Nichts auf der Welt tauschen.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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