Die Verantwortlichen eines Vereins aus Castrop-Rauxel machen sich Sorgen, dass sie Probleme bekommen, wenn nach Ostern der Sportbetrieb noch immer wegen der Pandemie ruhen muss. © Jens Lukas
Sport und Corona

Castrop-Rauxeler Verein benötigt rasches Lockdown-Ende zum Überleben

Stillstand im Breitensport. Der zweite Lockdown macht sich in den Mitgliederzahlen vieler Vereine deutlich bemerkbar. Es gibt mehr Kündigungen als Neuzugänge. Corona schlägt durch.

Der Breitensport befindet sich im Ausnahmezustand. Der Sport taucht in den Beschlüssen zu ersten Öffnungsschritten erst gar nicht auf. Es herrscht weiterhin Stillstand.

Existenz-Not hat noch nicht eingesetzt

So ist auch die Situation beim ältesten heimischen Club, dem Castroper TV. Dieser zählt mit 486 Mitgliedern zu den drei größten Vereinen der Stadt. Doch wie lange noch? „Wir sind von einer Existenz-Not noch nicht betroffen, wir haben vorgesorgt. Aber die Mitgliederzahl geht dennoch kontinuierlich nach unten“, bestätigt Thorsten Stiller, 2. Vorsitzender des Gesamtvereins.

Jetzt war es wieder soweit. Am 15. Februar jeden Jahres werden die Mitgliedsbeiträge eingezogen. In Corona-Zeiten heißt das für Uwe Schendekehl, der für die CTV-Mitgliederbetreuung zuständig ist: zählen, bangen, hoffen.

2019 lief alles noch relativ normal, es gab 107 Abgänge und 99 Neuzugänge. 2020 war dann eine negative Tendenz zu erkennen. 104 Kündigungen bei 66 Neuanmeldungen. Nach nur sechs Wochen im Jahr 2021 haben bereits elf Mitglieder gekündigt, ganze zwei sind neu hinzugekommen. „Die Kündigungen führe ich bei vielen durchaus auch auf Corona zurück, als Austrittsgrund wurde das aber so gut wie nie genannt“, erklärte Schendekehl.

Der Castroper TV ist mit seinem Clubheim auf der Wartburginsel bei Henrichenburg beheimatet. © Volker Engel © Volker Engel

Vereinzelt würden Austrittswillige den Beitrag verweigern, weil ja „keine Leistung“ geboten würde. „Die Rechtslage ist da eindeutig, ein Verein ist kein Sportstudio, dazu gibt es auch Gerichtsurteile“, so Thorsten Stiller. Denn auch die Kosten laufen weiter. Das Vereinsheim muss unterhalten, die Verbandsabgaben ganz normal weiter bezahlt werden.

Der Jahresbeitrag beträgt aktuell ca. 100 Euro für Erwachsene plus 20 Euro für die jeweilige Abteilung. Im vergangenen Jahr wurde die passive Mitgliedschaft (70 Euro) neu eingeführt.

Die 45 ehrenamtlichen Übungsleiter pausieren ebenfalls. „Sie stehen aber parat, wenn es wieder losgeht“, versichert Stiller. Um bis dahin fit und in Kontakt zu bleiben, haben sich die Kanuten etwas einfallen lassen: Training per Skype. Der erste Testlauf war mehr als erfolgreich. Auch die Judo-Abteilung und die Handballer folgten diesem Beispiel.

Thorsten Stiller, der 2. Vorsitzende des Castroper TV, ist zudem Abteilungsleiter Handball. © Jens Lukas © Jens Lukas

Daten, wer genau austritt, liegen nicht vor. Es scheint aber, dass viele, die gekündigt haben, keine Identifikation mit dem Verein gehabt hätten. Langjährige Mitglieder („Sie halten uns die Treue“) oder auch Mitglieder in den Teamsportarten bleiben dabei.

Doch wie lange kann ein Verein das durchhalten? „Ich hoffe, dass es nach den Osterferien wieder losgeht“, so Stiller, „sollte der Lockdown aber weitergehen, dann haben wir keine Möglichkeit, neue Mitglieder zu gewinnen. Die Folgen würden wir über Jahre spüren.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Ein waschechter Dortmunder, Jahrgang 1957. Vor dem Journalismus lange Jahre Radprofi, danach fast 30 Jahre lang Redakteur bei Dortmunder Tageszeitungen, seit 2015 bei den Ruhr Nachrichten, natürlich im Sport.
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Peter Kehl

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