Sinnbild für die Situation in Gelsenkirchen: Schalkes Benito Raman sitzt nach dem Abpfiff enttäuscht auf dem Rasen. © picture alliance/dpa
Fußball

Castrop-Rauxeler Trainer weint mit seinen Schalker Jungen

Wenn ein Schalker Junge weint: Der in Castrop-Rauxel geborene Ruhrbarde, Erwin „Ährwin“ Weiß, hatte 2001 den Liedtext komponiert, der auch in der aktuellen Situation wegen der prekären Lage in der Bundesliga passt.

Diesen Text veröffentlichten wir erstmals Ende März 2021.

Das Lied „Wenn ein Schalker Junge weint“ entstand nach der 2001 verpassten Deutschen Meisterschaft, als ganz Schalke einige Minuten Freudentänze aufführte und sich schon als Meister feierte. Die Jubelarien lösten sich letztlich in ein Tränenmeer auf. Schalke hatte mit 5:3 gegen Unterhaching gewonnen, doch der FC Bayern München aus dem Süden der Republik machte im hohen Norden beim Hamburger SV durch einen Treffer in der Nachspielzeit den wichtigen Punkt. Nichts war es mit dem Titel.

Dennis Hasecke war mittendrin im Tränenmeer

Einer der damals im Stadion in Gelsenkirchen live im Tränenmeer vor Ort mittschwamm, ist Dennis Hasecke, heute Trainer bei der Spvg Schwerin (Bezirksliga) und Edel-Fan der Königsblauen. Er sagte jetzt: „Das tat damals richtig weh.“

Aber auch die augenblickliche Lage wäre natürlich zum Weinen. Seit seiner Kindheit ist Hasecke Anhänger der Schalker: „Das habe ich von meinen Eltern so mitbekommen.“ Und heute im Alter von 38 Jahren hält der Castrop-Rauxeler dem Verein aus Gelsenkirchen noch immer die Stange. Auch wenn es jetzt in die 2. Bundesliga heruntergeht. Denn an einen Klassenverbleib denkt auch der Edel-Fan aus der Europastadt nicht mehr: „Man muss sich ja nur die Tabelle anschauen.“

Leidet mit dem FC Schalke 04: Dennis Hasecke, Trainer der Spvg Schwerin. © Volker Engel © Volker Engel

Bezirksliga-Kicker spielen bessere Pässe als die Schalker

Nur zehn Punkte aus 26 Spielen auf dem Konto sind wie ein Offenbarungseid. Hasecke erklärt: „Die Mannschaft ist nicht fit, kaum einer der Spieler identifiziert sich mit dem Verein, und Fußballspielen können die auch nicht. Die Jungs in meiner Bezirksliga-Elf können bessere Pässe spielen.“

Es wären viel zu viele Fehler gemacht worden. Und Hasecke vermisst auch einen starken Mann im Hintergrund: „Wie Clemens Tönnies zum Beispiel, wenn der mal in der Kabine auftauchte, wackelte die Wand.“

Heute wüsste man gar nicht mehr, wer etwas zu sagen hat. „Das war ein schleichender Prozess, der dafür sorgte, dass auch im Hintergrund zu viele falsche Entscheidungen getroffen wurden.“ Hasecke hatte sich ja schon einmal im Gespräch mit unserer Redaktion mit Herzblut geäußert: „Ich würde die gesamte Scouting-Abteilung rauswerfen. Wo haben die ihre Augen gehabt?“

Dennis Hasecke führt das Beispiel Benito Raman, immerhin belgischer Nationalspieler, vor Augen: „Der kann nur geradeauslaufen und stoppt den Ball länger als er passen kann.“

Dennis Hasecke weiß, wovon er spricht. Immerhin hatte er in der Jugend-Mannschaft des VfL Bochum, seiner zweiten Fan-Liebe, schon eine Profi-Karriere vor Augen. Er wurde dort aber durch zwei schwierige Verletzungen gestoppt. Und wäre vielleicht, wie Mitspieler und Ex-Nationalspieler Mike Hanke, bei seinem Traumverein gelandet. Daraus wurde nichts. Dabei hatte er gerade im Bochumer Trikot oft giftige Sprüche seiner Kollegen mitbekommen, weil er Schalke-Fan war.

Rouven Schröder brachte Dennis Hasecke das Beflocken bei

Für den Neuaufbau der Schalker hätte er sich gerne Rouven Schröder im Schalker Sportvorstand gewünscht. Den zuletzt beim FSV Mainz ausgestiegenen Manager, hatte er in Bochum kennengelernt. Hasecke erwähnte lachend: „Der hat mir in meiner Lehre in der Geschäftsstelle das Beflocken von Trikots beigebracht.“ Auch für den Neuaufbau in Gelsenkirchen, glaubt Fan Hasecke, wäre der frühere Fußballer der richtige Mann gewesen. Doch Schröder selbst hatte ja abgesagt.

Schwierige Zeiten auf Schalke. Dabei hatte Hasecke auch viele gute Jahre erlebt. Ein Traum sei 1997 der Gewinn des UEFA-Cups gewesen – mit Spielern wie Jörg Böhme, Ingo Anderbrügge oder Marc Wilmots. Der ist auch ein Belgier und hatte gegen Inter Mailand das entscheidende 1:0 erzielt.

Wie kommt Schalke wieder nach oben? Vielleicht mit einem „Glück-Auf“, einem weiteren Lied des Ruhrgebietsbarden Ährwin Weiß, das noch immer stets beim Einlaufen der Schalker Spieler durch den Stadiontunnel ertönt.

Über den Autor
Sportredaktion Castrop-Rauxel
Geboren und wohnhaft in Castrop-Rauxel, bin ich über den Billardsport (Karambolage) als freier Mitarbeiter in der Castrop-Rauxeler Lokalredaktion angefangen. Da ich neben dem französischen Billard noch Fußball, Handball, Tischtennis und Tennis in Vereinen aktiv ausführte bot es sich förmlich an, darüber ebenfalls zu berichten.
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