Eine Castrop-Rauxeler Mannschaft machte sich seit Saisonbeginn jede Woche Sorge um einen ihrer Spieler. © Jens Lukas
Fußball

Castrop-Rauxeler Trainer hat jede Woche für einen Spieler gebetet

Alle Castrop-Rauxeler Fußball-Mannschaften spielen im Amateurbereich. In der 6. Liga und darunter. Personelle Engpässe sind nicht da nicht ausgeschlossen. Ein Team hat eine große Sorge.

Der Castrop-Rauxeler Fußball ist von der Westfalenliga bis hinunter zur Kreisliga C vertreten. Insgesamt 29 Teams sind zur aktuell unterbrochenen Saison 2020/21 gemeldet worden. Bei der einen oder anderen Mannschaft drückte an den acht ausgetragenen Spieltagen personell der Schuh. Eine Truppe hatte sogar die Sorge, einen Mannschaftsteil nicht besetzen zu können.

Abwanderer hinterließ eine große Lücke

In der Kreisliga A tat sich beim SuS Merklinde ein großes Problem Ende Mai 2020 auf. Plötzlich hatte das Team der Trainer Björn Brinkmann und Dietmar Gaida nur noch einen Torwart.

Jörn Gumpricht hatte sich kurzfristig abgemeldet, um zum Liga-Konkurrenten Victoria Habinghorst anzuheuern. Mit Maximilian Moehrs gab es zwar weiterhin einen guten Mann zwischen den Pfosten – fortan war er als Torwart beim SuS aber nur noch Alleinunterhalter. Nichts durfte ihm passieren – ein Ausfall wäre fatal gewesen. In sechs Spielen bis zum November-Lockdown tanzte der SuS Merklinde im Tor sinnbildlich gesehen „auf der Rasierklinge“.

Max Moehrs ist aktuell der einzige gelernte Torwart im Kader des SuS Merklinde in der Kreisliga A. © Jens Lukas © Jens Lukas

„Wir hatten Glück. An jedem Sonntag blieb es aber ein Himmelfahrtskommando. Max Moehrs durfte sich nicht verletzen, nicht krank werden, keine Rote Karte kassieren“, sagt Coach Brinkmann, der erst ins Merklinder Trainer-Kollektiv mit Gaida eingesprungen ist, als sich Coach Marc Gruszka überraschend verabschiedete – nach seinem Umzug in die Seestadt Haltern.

Die Bilanz von Brinkmann und Gaida bis zum 1. November: ein Sieg, ein Unentschieden, vier Niederlagen. Ein Punkt Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz. Das war irgendwie zu erwarten.

Das Trainer-Duo Brinkmann/Gaida wurde bei SuS Merklinde zu Mangelverwaltern. Ein Blick ins Internet auf die offizielle Plattform fußball.de zeigt: Neben dem verwaisten Sitzplatz für den zweiten Torwart tummelten sich auf der Bank häufig nur vier Einwechselspieler.

Das brennendste Problem blieb der Mannschaftsteil Torwart. „Wir hatten immerhin die Möglichkeit, im Notfall auf Maurice Möllmann, den Torwart unserer zweiten Mannschaft zurückgreifen zu können.“

Was aber wäre gewesen, wenn sich Moehrs in einem Spiel verletzt hätte und Möllmann auswärts bei Merklinde II spielen würde? „Dann hätte ein Feldspieler ins Tor gemusst. Ein echtes Torwart-Talent haben wir allerdings bei uns keins“, so Brinkmann. Der Trainer quittierte lachend die Anmerkung, dass ihm eigentlich nichts anderes übrig blieb, als jede Woche einmal in den Dom zu gehen mit dem Gebet, dass Keeper Moehrs niemals ausfallen dürfe.

Ein Kandidat war beim Probetraining

Ändern an dieser Torwart-Misere wird sich nach aktuellem Stand nichts beim Saison-Re-Start. „Wir haben uns zwar bemüht um einen zweiten Torwart – jedoch ohne Erfolg. Einmal kam sogar ein Keeper zum Probetraining – der war aber nichts. „Da hätte im Notfall besser jeder unserer Feldspieler ins Tor gehen können“, so Brinkmann, dem bei einem Neustart nur die Hoffnung bleibt, dass Maximilian Moehrs weiter standhaft bleibt und an keinem Sonntag ausfällt.

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Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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Jens Lukas

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