Eine digitale Tafel warnt Menschen an einem Strand im Vorort Dee Why mit dem Hinweis "Covid alert" (Covid Alarm). Nach einem neuen Corona-Ausbruch in Sydney fürchteten viele Australier um ihre geplanten Weihnachtsbesuche in anderen Landesteilen. © picture alliance/dpa/AAP
Sport und Corona

Castrop-Rauxeler Sportler möchte trotz Corona in seine Heimat

Ein Castrop-Rauxeler wäre gerne zu Weihnachten in Melbourne gewesen. Aber daraus wurde nichts. Er spricht darüber, wie speziell das Thema Corona in Australien ist.

Die Weihnachtsfeiertage mit den Eltern verbringen. Diesen Drang hatten auch viele Castrop-Rauxeler vor dem Jahreswechsel 2020/21. Die Politik machte das für Familien innerhalb Deutschlands möglich. Wenn dafür eine Reise ins Ausland nötig war, hatte das oftmals Klippen.

Eigentlich war alles schon geplant. Nach zwei Jahren wollte Adam Barnes, der langjährige Tennis-Trainer des GW Frohlinde, wieder in die alte Heimat reisen. Er wollte seine Eltern wiedersehen. Sie leben in der Nähe von Melbourne, nicht weit von der Great Ocean Road entfernt.

Aber dann stellte sich heraus, dass er nach der Ankunft in eine zweiwöchige Quarantäne gemusst hätte. „Das wäre ja nicht schlimm gewesen, da ich davon ausgegangen bin, dass ich die Zeit bei meinen Eltern hätte verbringen können“, erzählt Barnes.

Aber weit gefehlt! Es stellte sich heraus, dass der 45-Jährige mit seiner Familie 14 Tage lang in einem Hotelzimmer festgesessen hätte. „Und diesen Aufenthalt hätten wir selbst bezahlen müssen, in unserem Fall 3000 Dollar pro Person“, so Barnes.

Quarantäne vor den Australian Open

Unter den Corona-Vorschriften leiden gegenwärtig mehr als 70 Profi-Tennisspieler, die vor 10 Tagen nach Australien geflogen waren, um an dem ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres teilzunehmen. Auch sie, unter ihnen die ehemalige Australian-Open-Siegerin Angelique Kerber, sind gerade in ihren Hotelzimmern isoliert und können nicht trainieren.

Adam Barnes kann verstehen, dass viele Australier die Veranstaltung, die am 8. Februar starten soll, skeptisch sehen: „Die Mehrheit meiner Landsleute möchte nicht, dass das Turnier ausgetragen wird angesichts der immer noch bestehenden Infektionsgefahr. Ich persönlich bin mir nicht sicher, ob man spielen soll.“

Der Aufwand für die Durchführung der Matches ist immens. Etwa 10.000 Corona-Tests vor und während des Turniers, zahlreiche mobile Desinfektionsteams sowie ein starkes Sicherheitspersonal verursachen geschätzte Kosten von 25 Millionen Euro, die auf den australischen Verband zukommen.

Adam Barnes hält sich während der Pandemie fit. © privat © privat

Fitness durch Joggen und Cross-Training

Barnes freut sich auf der anderen Seite natürlich auf die Übertragungen im Fernsehen: „In dieser Zeit ist man ja für eine solche Abwechslung dankbar.“

Wie verbringt der 45-Jährige, der im Jahre 1997 seine ersten Turniere in Europa spielte, die „tennisfreie“ Zeit? „Ich kann zwar seit November nicht mehr arbeiten, aber ich bin gesund und kann mich fithalten, zum Beispiel mit Joggen und Fitness-Cross-Training.“ Er geht nicht davon aus, dass man in diesem Winter noch einmal in der Halle das Racket schwingen kann: „Es ist schade, aber ich habe Verständnis dafür angesichts der immer noch hohen Infektionszahlen.“

Der Tennislehrer ist froh, dass er für die Monate November und Dezember staatliche Förderung erhalten hat: „In anderen Ländern gibt es für die Trainer keinen Cent.“

1600-Dollar-Strafe drohte bei Fahrten über fünf Kilometer hinaus

Adam Barnes , der inzwischen in Castrop-Rauxel seine neue familiäre Heimat gefunden hat, war und ist mit seinen Gedanken natürlich oft bei seinen Eltern und seiner Schwester, vor allem zur Zeit des australischen Lockdowns im letzten australischen Winter, als bei uns Hochsommer war: „Die Australier hatten sehr harte fünf Monate.“ berichtet Barnes.

„Meine Eltern hatten in der Zeit ihr Haus verkauft und waren umgezogen. Das war sehr schwierig, weil man seinen Wohnsitz nur in einem Radius von fünf Kilometern verlassen durfte. Wenn man weiter fuhr, hagelte es eine 1600-Dollar-Strafe.“

Vor mehr als 20 Jahren kam der Australier Adam Barnes nach Castrop-Rauxel. © Volker Engel © Volker Engel

Hat der Australier die Hallensaison in Deutschland auch abgeschrieben, so hofft er doch sehr, dass er im Sommer wieder aufschlagen kann. Adam Barnes war viele Jahre als Trainer und Spieler für den TC GW Frohlinde tätig, wechselte danach in die Regionalliga-Mannschaft der Herren 30 von Eintracht Dortmund und fungiert als Trainer in Huckarde und Wanne-Eickel.

Auf seine erste Sommersaison im Westfalenliga-Team der Herren 30 des TC Castrop 06 freut er sich besonders: „Nachdem die Hallenspiele in diesem Winter nicht stattfinden konnten, setze ich jetzt ganz auf die Sommersaison.“

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In Castrop-Rauxel geboren und in der Heimatstadt geblieben. Schätzt die ehrliche und direkte Art der Menschen im Ruhrgebiet. Besonders interessiert am Sport und den tollen Radwegen im Revier.
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