Sport und Corona

Castrop-Rauxeler Klubs schicken ihre Unterschriften bis nach Berlin

Da sage noch jemand, Fußballer denken nur an sich selbst. Der FC Frohlinde hat für alle Sportler der Stadt eine Unterschriften-Aktion für einen Offenen Brief gestartet. In diesem Schreiben geht es auch um Hallensport.
Durch die Corona-Pandemie ist jeglicher Amateursport derzeit schachmatt gesetzt. © Jens Lukas

Die Vorstände der Castrop-Rauxeler Sportvereine haben sich in der dritten Mai-Woche für einen Offenen Brief solidarisiert. Federführend war dabei der FC Frohlinde mit Dirk Werdelmann (2. Jugendleiter) und Christoph Hünnemeyer. Das gemeinsame Anliegen formuliert Werdelmann mit den Worten: „Wir brauchen Perspektiven für alle Bereiche des Breitensports ohne Altersbeschränkung und selbstverständlich auch für den Hallensport.“

Die ersten Vereine, die mit Unterschriften und Vereinsstempel die Initiative unterstützt haben, waren der Castroper TV, die HSG Rauxel-Schwerin, die Spvg Schwerin, Wacker Obercastrop und der TuS Ickern. Der Brief, den Werdelmann und Hünnemeyer formuliert haben, soll der Stadtverwaltung Castrop-Rauxel sowie den Entscheidungsträgern des Kreises Recklinghausen, des Landes NRW sowie der Bundesrepublik Deutschland zugeschickt werden.

Die ersten Unterschriften

Von den Castrop-Rauxeler Vereinen sind viele Unterschriften beim Initiator der Unterschriften-Aktion, FC Frohlinde, eingegangen. © FC Frohlinde © FC Frohlinde

Der Brief im Wortlaut

Sehr geehrte Damen und Herren,

jeder weiß, dass durch die Corona- Pandemie das gesellschaftliche Leben in den vergangenen Monaten stark eingeschränkt ist. Die Verfasser dieses Aufrufes zweifeln die Notwendigkeit von Maßnahmen zur Kontaktvermeidung nicht an und wir alle tragen einen Großteil der Maßnahmen weiterhin verantwortlich mit.

Wir müssen mit diesem Schreiben den längst überfälligen Fokus auf die Lage einer Gruppe werfen, die im Gegensatz zu anderen Gruppen bislang durch keine starke Lobby vertreten wurde:

Die allermeisten Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben durch ihr bewusstes und verantwortungsvolles Verhalten, durch ihren monatelangen schmerzhaften Verzicht auf Vereinssport und Sozialkontakte einen immens hohen Beitrag zur Bewältigung der Pandemie geleistet. Wir Vereine stellen steigende Ängste und Sorgen bei Kindern fest und dies besorgt uns sehr. *1 Als Verantwortliche Entscheider gehen wir davon aus, dass Ihnen die drastischen vielschichtigen Folgen von sozialer Isolation durch den Wegfall von Vereinssport, den eingeschränkten Schulunterricht, den kompletten Wegfall aller Studium-Präsenz-Veranstaltungen und den Einschränkungen von Treffs in ihrer Freizeit bewusst sind.

Immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen zur Übertragung von Infektionen durch Aerosole, wie z. B. Christof Asbach (ehrenamtlicher Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung) *2 in einem offenen Brief an Angela Merkel anführt, zeigen nun, dass das Risiko einer Ansteckung im Freien als sehr gering eingestuft wird. Daher fordern die Unterzeichner dieses Schreibens die Verantwortlichen auf, diese Untersuchungen endlich in die Überlegungen zu Maßnahmen in der Pandemiebekämpfung einfließen zu lassen und pragmatische Lösungen zu finden Wir alle brauchen schon längst überfällige, vertretbare Perspektiven!

Geben Sie den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, auch älter als 14 Jahren, an den Stellen, an denen wissenschaftlich belegt ist, dass kein erhöhtes Ansteckungsrisiko vorhanden ist, ein Stück ihrer Freiheit wieder. Eine solche Maßnahme würde nicht nur von den Sporttreibenden sehr positiv aufgenommen, sondern gemäß einem Aufruf von Prof. Dr. Ingo Froböse einen positiven Einfluss auf das Infektionsgeschehen haben. *3 Die verantwortlichen Betreuer und Trainer wissen aus ihren Erfahrungen, dass dies nicht zu einer gefährlichen Desensibilisierung gegenüber der Corona-Gefahr führt.

Sport ist ein Teil der Lösung und muss für den Breitensport, speziell für den Nachwuchs, in allen Bereichen möglich sein. Wir wollen gemeinsam pragmatische Lösungen aufzeigen!

Deshalb brauchen wir Vereine:

• Die Gleichbehandlung von Amateur- und Profisport.

• Sport für alle Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis einschließlich des 18. Lebensjahres.

• Viele Vereine haben mehrfach bewiesen, dass sie sehr verantwortungsvoll hoch wirksame Konzepte erarbeitet und auch umgesetzt haben. Öffnung der Trainingsmöglichkeiten unter Vorlage und nachgewiesener Einhaltung von Corona- Konzepten.

• Die Hallensportvereine sind die am allerstärksten Betroffenen dieser Situation. Sie werden weiterhin kaum Möglichkeiten haben, ihrem Sport nachgehen zu können: Daher brauchen sie Trainingszeiten auf den städtischen Sportplätzen. Auf vielen städtischen Sportplätzen gibt es freie Nutzungszeiten, die den Ämtern für Sport bekannt sind, da die Vereine ihre Platzbelegungszeiten melden.

• Vorhandene und geeignete Grünflächen zum Sporttreiben mit Hinweisen zu einem Corona- gerechten Verhalten.

• Bereitstellung der Schulhöfe nach den OGS Zeiten zur Nutzung als Trainingsflächen mit Hinweisen zu einem Corona- gerechten Verhalten.

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