Für den Verein, der auf diesem Platz beheimatet ist, arbeitet ein Castrop-Rauxeler als Sportlicher Leiter. © Archiv
Fußball-Management

Castrop-Rauxeler arbeitet in der Oberliga an seinem Traumziel Bayern München

Ein Castrop-Rauxeler hat seine Mission im Fußball als Sportlicher Leiter gefunden. Er hat bereits bei hochklassig spielenden Vereinen diese Aufgabe ausgefüllt. Aktuell ist er in der Oberliga aktiv.

Ein Sportlicher Leiter hat in Fußballvereinen die Aufgabe das Bindeglied sein zwischen Vorstand, Mannschaft und Trainer zu sein. Oftmals gehört er als Mitglied zum erweiterten Vorstand und kümmert sich um die Belange einer oder mehrerer Seniorenmannschaften.

Ein Sportlicher Leiter unterstützt den Vorstand bei der Verpflichtung eines Trainers, hilft demselben bei der Zusammenstellung des Kaders, sichtet vereinsfremde Spieler und führt Prämien- oder Gehaltsverhandlungen.

Station in Dortmund war Freundschaftsdienst

Sportlicher Leiter – das ist die Mission von Tim Eibold aus Bladenhorst. Beim SV Sodingen und Westfalia Herne nahm er diese Position ein – beim TuS Haltern ist er aktuell in dieser Funktion. Den kurzen Auftritt bei Türkspor Dortmund nennt er einen „Freundschaftsdienst“.

Mit erst 36 Jahren die sportlichen Geschicke bei den westfälischen Amateurfußball-Schwergewichten SV Sodingen und Westfalia Herne mitbestimmt zu haben, ist aller Ehren wert. Den Kurztrip zum Landesligisten Türkspor Dortmund trat er nur aus Freundschaft zu Kevin Großkreutz an. „Kevin bat mich um Hilfe, ich hatte Zeit und habe zugesagt.“

Halterns Sportvorstand Daniel Haxter (l.) und Tim Eibold. © TuS Haltern am See © TuS Haltern am See

Tim Eibold wohnt in Castrop-Rauxel. Genauer gesagt in Bladenhorst, unweit vom gleichnamigen Schloss. Fußball gespielt hat er aber nie in einem Verein in der Stadt, in der er jetzt lebt. „Ich fühle mich in Bladenhorst total wohl – dort lässt es sich gut wohnen.“ Gekickt hat der 36-Jährige nur in Herne, aber nie höher als in der Bezirksliga. Die Karriere ausklingen ließ er „mit guten Kumpels bei der DJK Falkenhorst Herne“.

Dann startete Tim Eibold durch als Sportlicher Leiter. Zuerst zwei Jahre beim SV Sodingen in der Landesliga, danach bei Westfalia Herne. Drei Jahre arbeitete er beim Traditionsclub vom Schloss Strünkede. Im Januar 2020 hörte er nach Querelen mit dem Vorsitzenden Uwe Heinecke auf. Westfalia Herne steckte in einem Insolvenzverfahren.

Es folgte der Kurztrip zu Türkspor Dortmund. Im November 2020 unterschrieb Tim Eibold beim Oberligisten TuS Haltern am See seinen Vertrag als Sportlicher Leiter. Da gab es bereits den Corona-Lockdown.

Bis heute hat er kein Spiel seines Clubs gesehen. Trotzdem aber festgestellt: „Der TuS Haltern am See ist der seriöseste Verein, für den ich bisher gearbeitet habe. Etwas größerer finanzieller Spielraum für die Kaderplanung wäre schön – doch was nicht geht, geht eben nicht…“

Tim Eibold (dunkle Jacke) ist auch gut bekannt mit Frohlindes aktuellem Trainer Stefan Hoffmann. © Jens Lukas © Jens Lukas

Erste Erfolge sind trotzdem eingetütet: Der Vertrag mit Cheftrainer Timo Ostdorf wurde bis zum Jahr 2023 verlängert. „Neben Timo bleibt der gesamte Trainerstab. Jetzt werkeln wir mit Hochdruck am Kader für die Saison 2021/22.“ Dabei geht der Oberligist nach dem „Bilbao-Konzept“ vor. Soll heißen: 50 Prozent der Spieler kommen aus Haltern – oder haben einen Halterner Bezug. „Momentan liegen wir sogar bei 78 Prozent. Fünf Jungs aus der eigenen U19 werden hochgezogen in den Oberliga-Kader.“

Dass die TuS-Verantwortlichen weitsichtig handeln, zeigen die Verträge nach dem ersten Lockdown. Dort wurde neu eingepflegt: „Wo es keine Leistung gibt, gibt es auch keine Entschädigung.“ Das besagt: Ohne Spiele kein Geld. „Unsere Einnahmen sind eine Mischkalkulation aus Zuschauern, Sponsoring, Mitgliederbeiträgen. Zuschauer und das Sponsoring sind weggebrochen im Corona-Lockdown. Unsere Jungs verstehen die Nöte des Vereins“, umschreibt der 36-Jährige die aktuelle Lage. Dass Spieler wegen ausbleibender Zahlungen vor Gericht klagen würden, gibt es beim TuS Haltern nicht.

Kürzlich diskutierte Tim Eibold beim Live-Talk der Ruhr Nachrichten „Wir müssen reden“ gemeinsam mit mehreren Fußball-Experten und FLVW-Vize-Präsident Manfred Schnieders darüber, wie es nach dem Corona-Lockdown weitergehen könnte mit dem Amateurfußball in Westfalen. Eibold hat seine Sichtweise seitdem nicht geändert: „Wir müssen in erster Linie an die Kinder denken, die den Sport für ihre Entwicklung brauchen. Ehe der Amateurfußball an der Reihe ist, sollten Geschäfte, Theater, Restaurants, Kinos wieder öffnen dürfen.“

Ob nach der Verlängerung des Corona-Lockdowns bis zum 28. März ein Saison-Abbruch die einzige Alternative ist, darauf will sich Tim Eibold nicht festlegen. So viel doch: „Zwei Wochen Training bis zum ersten Spiel nach fast einem halben Jahr Pause wäre undenkbar und zu gefährlich. Laufen im Lockdown ist etwa anderes als Fußball mit intensiven Zweikämpfen. In Oberliga-Spielen wären die Jungs auf dem Platz nach wenigen Minuten völlig kaputt und das Verletzungsrisiko wäre viel zu hoch.“

Was ist in Zukunft geplant? Wenn es Profifußball wäre, welcher Verein sollte es sein? „Ich bin Bayern-Fan seit meinem vierten Lebensjahr. Wenn ich mir einen Job aussuchen dürfte, würde ich gerne in München arbeiten. Ich bin aber auch einer, der gerne im Ruhrgebiet lebt. Sollte der FC Schalke 04 in seiner prekären Lage anrufen, dass sie einen jungen Mann wie mich für den sportlichen Bereich haben wollen, würde ich natürlich nicht ,Nein´ sagen.“

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Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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Lokalsport Castrop-Rauxel
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Jens Lukas

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