Von Kindheit an kickte ein heimischer Fußballer am Grafweg bei der Spvg Schwerin. Jetzt berichtet er über sein Westfalenliga-Abenteuer. © Jens Lukas
Fußball

8 Spiele, kein Einsatz – Castrop-Rauxeler steht bei Westfalenligist schon wieder vor dem Absprung?

Er ist 19 Jahre alt - und Fußballer. Ein guter obendrein. Im ersten Seniorenjahr hat er bei Bezirksligist Spvg Schwerin top gespielt. So gut, dass Westfalenligist Spvg Erkenschwick angeklopft hat.

Vor dem Anpfiff der Fußball-Saison 2020/21 musste Bezirksligist Spvg Schwerin neun Spieler ziehen lassen. Das Gros der Abgänge spielte fortan in der Kreisliga A oder in der Kreisliga B. Ein Akteur wagte den Sprung zwei Spielklassen höher. In die Westfalenliga – und spricht jetzt darüber.

„Es war der richtige Schritt“

„Wer dieses Angebot nicht annimmt, der hat Fußball nie geliebt“, sagt Justin Strahler, der im Sommer zur Spvg Erkenschwick ging. Auf dem Platz fällt er auf mit guter Technik und blonder Mähne. Doch wer optisch auffällt, muss damit leben, dass er auch bei schlechteren Aktionen auffällt. Obwohl es in Erkenschwick nicht optimal läuft, sagt Strahler: „Es war der richtige Schritt. Ein Fußballer muss versuchen, so hoch wie möglich zu spielen. Im Moment läuft es für mich halt etwas blöd.“

Im August 2020 trat Justin Strahler (l.) mit seinem neuen Team der Spvg Erkenschwick zum Testspiel bei der SG Castrop (vorn, mit Nicolas Mühlegg) auf. © Hermann Klingsieck © Hermann Klingsieck

In der Testspiel-Phase hat Justin Strahler bei der Spvg Erkenschwick überzeugt. In den bislang acht Erkenschwicker Spielen der Westfalenliga 1 tauchte sein Name dagegen nur zweimal im Kader auf. Eingewechselt wurde er nie. Bei 21 Feldspielern hat Trainer David Sawatzki eine große Auswahl.

Justin Strahler weiß nicht, warum er nicht spielt: „Da müsst ihr schon den Trainer fragen.“ Eventuell liegt es mit daran, dass die Spvg Erkenschwick sofort einen guten Lauf erwischt habe in der Meisterschaft und der Trainer keine Veranlassung hatte, die Mannschaft zu verändern.

Sawatzki sieht Aufholbedarf bei Strahler

Was Trainer Sawatzki genau so bestätigt, aber auch weitere Gründe nennt: „Der Sprung von der Bezirksliga in die Westfalenliga ist enorm groß. Justin fehlt es in manchen Spielsituationen an Tempo, Körperlichkeit und Gedanken-Schnelligkeit. Nach guten Testspielen kam bei ihm der Punkt, an dem er zu viel wollte, zu kompliziert gespielt hat. Es muss nicht immer der Traumpass sein.“

Dennoch hält Sawatzki viel von Strahlers fußballerischem Vermögen: „Ich wollte Justin einwechseln, dann kamen enge Spiele und ich habe es nicht getan, weil er seinen ersten Westfalenliga-Einsatz genießen soll und nicht etwas Besonderes machen muss.“

Für Justin Strahler ist die Situation, nicht zu spielen, unbefriedigend: „Ich denke nicht, dass Erkenschwick mich für die Bank geholt hat.“ Er ist aber Realist: „Eventuell wäre ein Zwischenschritt in die Landesliga besser gewesen.“

Und genau diese Gedanken, eventuell schon in der Winterpause oder zur neuen Saison zu einem Landesligisten zu wechseln, kreisen in Strahlers Kopf herum. Auf die Frage nach dem „Wohin?“ bleibt er vage: „Ganz viele Möglichkeiten gibt in der Umgebung von Castrop-Rauxel ja nicht.“

Ex-Profi Kruska ist Nachbar von Justin Strahler

Dass der Schritt zur Spvg Erkenschwick ein falscher war, glaubt der 19-Jährige nicht: „Ich habe dort viel dazu gelernt. Ich traue mir die Westfalenliga auch zu und habe noch genug Zeit, mich weiter zu entwickeln.“ Vielleicht helfen dabei ja Tipps von Ex-Profi Marc Kruska – beide wohnen in einem Haus und laufen sich so schon zwangsläufig immer wieder über den Weg.

Selbst wenn es aktuell hakt, hat Justin Strahler in seinem Fußball-Leben schon viel erreicht. Von den Minikickern an war er bei der Spvg Schwerin am Ball. „Für mich kam in der Jugend ein Wechsel zu einem großen Verein nie in Frage. Ich wollte mit meinen Freunden spielen.“ Nach der A-Jugend folgte auf Anhieb der Sprung ins Schweriner Bezirksliga-Team. Als Leistungsträger. Und nach nur einer Saison der Wechsel in die Westfalenliga zur Spvg Erkenschwick. Welcher Fußball kann mit 19 Jahren diese Erfolgs-Vita vorweisen?

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Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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