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Kreativität mit der Schere

Ausbildung zur Friseurin

Die 19-jährige Emilia Wagener aus Schwerte erzählt, welche Fähigkeiten ein Friseur-Azubi mitbringen muss und warum sie sich für diesen Beruf entschieden hat.

23.07.2020, 16:08 Uhr / Lesedauer: 2 min
Emilia Wagener weiß genau, dass es bei der perfekten Frisur auf exaktes Arbeiten ankommt. Auf dem Foto schneidet sie ihrem Cousin Noah die Haare.

Emilia Wagener weiß genau, dass es bei der perfekten Frisur auf exaktes Arbeiten ankommt. Auf dem Foto schneidet sie ihrem Cousin Noah die Haare. © Reininghaus

Beim Betreten des Friseursalons ist Emilia Wagener in ihrem Element. Mit ganz viel Fingerspitzengefühl und unter höchster Konzentration feilt sie an dem perfekten Haarschnitt für ihren Cousin Noah.

Erster Einsatz im Alter von drei Jahren

Nach dem Realschulabschluss hatte die 19-Jährige ihre dreijährige Ausbildung zur Friseurin im Betrieb von Vater Tim und Mutter Lina begonnen und im Juni ihre Prüfung erfolgreich abgelegt. „Haare zu stylen und zu flechten hat mir schon gefallen, als ich noch kleiner war“, erzählt sie von ihrer frühen Begeisterung für den Beruf. Im Alter von sechs Jahren durfte sie erstmals bei einer Kundin Hand anlegen. Damals natürlich lediglich beim Haarewaschen.

Ausschlaggebend für ihre Berufswahl war ein dreiwöchiges Praktikum in der neunten Klasse. „Da ist die Entscheidung gereift, dass ich Friseurin werden möchte“, erzählt Wagener.

Es gibt ganz viele Möglichkeiten, eine Frisur zu gestalten und zu verändern. Das gefällt mir.“
Emilia Wagener

„Ich mag es, kreativ zu arbeiten“

Ihre Faszination für die Arbeit kann sie schnell erklären: „Ich mag es, kreativ zu arbeiten und die Menschen zu beraten. Man muss immer schauen, welcher Haarschnitt zur Statur und zum Gesicht des Kunden passt und was zu welchem Typ passt. Auch beim Einsatz von Farben gibt es viel zu beachten. Es gibt ganz viele Möglichkeiten, eine Frisur zu gestalten und zu verändern. Das gefällt mir.“

Dabei umfasst die Friseur-Ausbildung mehr als das bloße Schneiden der Haare. So gehört eigentlich ein komplettes Make-up zum Ablegen einer Prüfung, auch wenn dieser Baustein Corona-bedingt in diesem Jahr gestrichen wurde.

Modischer Herrenschnitt in der Prüfung

Geprüft wurde aber ein modischer Herrenhaarschnitt, „nur mit Kamm und Schere, ohne Aufsatz“, wie Wagener betont. Ebenso mussten bestimmte Längen geschnitten werden. Ein Frauenschnitt gehörte ebenfalls dazu. Hier musste zudem die Farbrichtung und Tiefe verändert werden. Weiterhin gibt es Wahlmöglichkeiten, zu denen der Nachweis von Fertigkeiten bei Hochsteckfrisuren, Visagistik oder Nageldesign erbracht werden muss.

In der Ausbildung steht an einem oder anderthalb Tagen pro Woche Berufsschule an, in der alles rund um den Beruf erlernt wird. Dazu gehört die Gesprächsführung mit Kunden ebenso, wie die Vermittlung von Fachwissen. Eine Blondierung, die zu hell geraten ist, lässt sich zum Beispiel mit einer Tönung abmildern. „Wenn man weiß wie, lässt sich vieles retten“, erklärt Wagener.

Leichte Nervosität vor dem ersten Kunden

An ihren ersten Kunden erinnert sich Emilia Wagener genau. Ein Herrenschnitt. „Die Seiten sollten kürzer gemacht werden, oben sollten sie etwas länger bleiben.“ Etwas nervös war sie schon, als es soweit war.

Da ihr Einsatz recht spontan kam, blieb aber gar nicht so viel Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. „Die anderen aus dem Team hatten bereits Kunden, dann hieß es, ich solle das machen. Beim Schneiden war ich ganz ruhig“, sagt sie. Und der Schnitt gelang tadellos.

Zuvor hatte sie an Modellen geübt. Das sind keine Puppen, sondern wirklich Menschen, meist Freunde, Bekannte oder andere, die sich zur Verfügung stellen, damit Azubis ihr Handwerk erlernen können.

Freundinnen heimlich die Haare geschnitten

Am Übungskopf, also an der Puppe, hat sie seltener geschnitten. „Vor der Ausbildung habe ich bei meinen Freundinnen die Haare heimlich in der Schule geschnitten“, gibt sie zu, und sagt, dass das auch schon mal Ärger vom Lehrer gegeben habe. Doch was muss ein angehender Friseur oder eine Friseurin mitbringen? „Ein gepflegtes Auftreten, körperliche Fitness, Kreativität und handwerkliches Geschick sind wichtige Faktoren“, verrät die 19-Jährige.

Inzwischen ist sie mit dem Haarschnitt des Cousins fertig. „Das hast du gut gemacht“, sagt Noah. Wieder ein zufriedener Kunde.

Das Handwerk in Zahlen und Fakten

  • Im Friseurhandwerk gab es in Deutschland im vergangenen Jahr insgesamt 19.900 Auszubildende.
  • Sie verteilen sich auf bundesweit 80.600 Betriebe.
  • In der Beliebtheit des Berufes gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: neun von zehn Auszubildenden sind weiblich.
  • In der Friseur-Innung Unna gibt es 102 Mitgliedsbetriebe. Sie beschäftigen insgesamt 81 Azubis.
  • 29 Azubis haben im Jahr 2019 ihre Ausbildung begonnen.
  • Die Ausbildungsdauer beträgt 3 Jahre.
  • Im ersten Ausbildungsjahr beträgt die monatliche Vergütung 510 Euro. In den Folgejahren steigt sie auf 620 bzw. 740 Euro.
  • Im Schnitt geht jeder Deutsche etwa acht Mal pro Jahr zum Friseur.
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