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AOK will Kurzzeitpflege in Reha-Einrichtungen fortsetzen

Nach der Corona-Krise

Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung möchte die Behandlungsqualität von Pflegebedürftigen steigern.

12.05.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
AOK-Vorstandschef Tom Ackermann (l.) und Andreas Westerfellhaus, Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung, im Dialog über die Pflegesituation in Westfalen-Lippe.AOK

AOK-Vorstandschef Tom Ackermann (l.) und Andreas Westerfellhaus, Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung, im Dialog über die Pflegesituation in Westfalen-Lippe.AOK © AOK

Die AOK NORDWEST will sich dafür einsetzen, die Kurzzeitpflege in Reha-Einrichtungen auch nach der Corona-Krise fortzusetzen. Das kündigte AOK-Vorstandsvorsitzender Tom Ackermann in einem Gespräch mit dem Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Staatssekretär Andreas Westerfellhaus, an. „Damit können wir die angespannte Lage deutlich entschärfen und unkompliziert rasch zusätzliche Kurzzeitpflegeplätze schaffen. Das wäre eine gute Nachricht für die betroffenen Pflegebedürftigen und deren Angehörige“, sagt Ackermann.

Seit Jahren ist ein Rückgang der Kurzzeitpflegeplätze zu verzeichnen. Bislang durfte diese Leistung nur in speziellen Kurzzeitpflege-Einrichtungen und in Pflegeheimen durchgeführt werden. Die aktuelle Corona-Pandemie hat die Situation für die Betroffenen und deren Angehörige noch einmal deutlich verschärft. Deshalb wurden Reha-Einrichtungen zunächst befristet bis zum 30. September aufgefordert, Kurzzeitpflegeplätze vorzuhalten und die Kapazitäten von Krankenhäusern für Patienten mit pflegerischem Nachversorgungsbedarf zu entlasten.

Gespräche mit Reha-Einrichtungen

Die AOK NORDWEST steht als Verhandlungsführer der Kassen in Gesprächen mit Reha-Einrichtungen. Ziel ist, auch nach dem 30. September Kurzzeitpflegeplätze vorzuhalten. Das Interesse ist groß. „Wir müssen Kurzzeitpflege auch inhaltlich neu denken, die Behandlungsqualität von Pflegebedürftigen steigern, indem wir Ressourcen stärken. Dauerhaft müssen wir zu Kurzzeitpflege-Einrichtungen mit multi-professionellen Teams statt eingestreuten Betten kommen“, so der AOK-Chef.

Ein weiterer Weg, die Situation der Pflegebedürftigen zu verbessern, ist es, auch Krankenhausbetten vorübergehend für Kurzzeitpflegepatienten zu nutzen. Dazu haben in NRW auf Initiative des Landes die Pflegekassen gemeinsam mit der Krankenhausgesellschaft das Modellvorhaben ‚Kurzzeitpflege im Krankenhaus‘ vereinbart.

„Unser Handeln macht deutlich, dass wir das Thema Kurzzeitpflege von allen Seiten angehen“, so Ackermann. Dafür braucht es auch eine flächendeckende und zukunftsorientierte Pflegebedarfsplanung.

Ein guter Weg

Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, hält Ackermanns Vorschlag für einen guten Weg, zu mehr Kurzzeitpflegeplätzen und gleichzeitig zu mehr Qualität in der Pflege zu gelangen.

Westerfellhaus wies auf sein Diskussionspapier zur Einführung eines Entlastungsbudgets hin. Danach sollen zukünftig ein Entlastungsbudget und ein Pflegebudget nahezu alle Ansprüche für die Pflege zu Hause umfassen, in das auch die Leistungen der Kurzzeitpflege eingebunden werden. „Der Leistungsdschungel in der ambulanten Pflege wird damit konsequent aufgelöst“, so Westerfellhaus.

AOK-Chef Ackermann begrüßte die Einführung solcher Budgets. „Damit wir Versorgung aktiv gestalten können, brauchen die Pflegekassen von der Politik jedoch mehr Gestaltungsspielräume und wettbewerbliche Vertragselemente.“