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„Ein Jahr ohne Schützenfest“

Allgemeiner Bürgerschützenverein Dorsten Feldmark e.V.

Feldmark. „Lasst uns alle optimistisch nach vorne schauen“, sagen Dieter Dreckmann und Sebastian Schneider vom Allgemeinen Bürgerschützenverein Dorsten Feldmark.

04.06.2020, 15:46 Uhr / Lesedauer: 6 min
Der Thron rund um König Tobias Nordmann (2.v.l.) und Königin Ramona Nitsch (2.v.r.) bleibt bis zum nächsten Königsschießen im Amt.

Der Thron rund um König Tobias Nordmann (2.v.l.) und Königin Ramona Nitsch (2.v.r.) bleibt bis zum nächsten Königsschießen im Amt. © Lydia Klehn-Dressler

Das Schützenfest des Allgemeinen Bürgerschützenvereins Dorsten Feldmark findet nicht. Dieter Dreckmann (1. Vorsitzender) und Sebastian Schneider (Oberst) haben ein Grußwort verfasst:

Uns wäre es lieber gewesen, hier zum Auftakt unseres 42. Feldmärker Traditions-Schützenfests auf dem schönen Festplatz an der Wilhelm-Norres-Straße ein Grußwort zu schreiben. Aber es kommt nun anders als wir alle gedacht haben.

Das erste Wochenende nach Pfingsten 2020 ist bei den Feldmärker Schützen alle zwei Jahre dick im Vereinskalender notiert. Traditionell hätte in der Zeit vom 5. bis 7. Juni 2020 das Schützenfest in der Feldmark stattgefunden. Wieder einmal ein wunderbarer Anlass, um nach Hause zu kehren, um Freunde, Verwandte und alte Weggefährten zu treffen und gemeinsam schöne und unbeschwerte Stunden zu verleben.

Doch die Corona-Pandemie verhindert das alles in diesem Jahr. Wer hätte vor ein paar Wochen gedacht, dass ein kleiner, nicht sichtbarer und nicht fassbarer, aber höchst gefährlicher Virus von unvorstellbarem Ausmaß die ganze Welt in Atem hält, durcheinander wirbelt und diese zum Stillstand bringt.

Unser Fest lebt davon, dass viele Menschen mitmachen! Das Schützenfest stellt jenen Höhepunkt im gesellschaftlichen Leben des jeweiligen Ortes dar, wo Alt und Jung miteinander feiern und man die alltäglichen Sorgen mal für ein paar Stunden ruhen lassen kann. Ein Fest, das alle Generationen verbindet, ist in diesem Sommer unmöglich geworden. Unvorstellbar und grotesk eine Feier zu veranstalten, bei der mit Sicherheitsabstand getanzt wird, der Zutritt für ältere Menschen verboten ist und die Schützen mit Masken gesichtslos durch unsere festlich geschmückten Straßen marschieren. Eine Vorstellung, mit der sich niemand anfreunden kann und womit sich noch vor ein paar Wochen niemand beschäftigt hat. Das widerspricht allem, was uns unser Schützenfest bedeutet. Auf einem Schützenfest steht man zusammen, man feiert gemeinsam und das alles nicht auf Distanz, sondern in gewollter Nähe.

Der Begriff „Schützen“ gewinnt gegenwärtig wieder an Bedeutung. Diesmal bedrohen nicht Räuberbanden oder fremde Truppen wie zu Beginn des Schützenwesens die Dörfer, sondern ein kleiner Feind, der auch unter den Alten und den Risikogruppen großes Unheil bringen kann. Aufgrund der Entwicklung der Corona-Pandemie hat der Gesamtvorstand unseres Vereins bereits in einer Video-Konferenz am 27. April 2020 einstimmig beschlossen, unser Schützenfest 2020 mit allen vorbereitenden und begleitenden Veranstaltungen abzusagen. In Übereinstimmung mit unserer Satzung ist eine Verschiebung nicht satzungskonform und somit findet das nächste Fest in der Zeit vom 10. bis 12. Juni 2022 statt.

An dieser Stelle bedanken wir uns ausdrücklich bei unserem amtierenden Königspaar Tobias I. Nordmann und Ramona I. Nitsch, dem Prinzregentenpaar Friederike Nordmann und Thomas Nitsch und ihrem Gefolge, dass sie sich bereit erklärt haben, bis zum hoffentlich 2022 in gewohnter Weise stattfindenden Schützenfest als Feldmärker Königspaar weiter zu amtieren. Ein Novum, das in der Chronik unserer 94-jährigen Vereinsgeschichte einen großen Platz einnehmen wird.

Unser Schützenherz blutet und wir sind traurig, jedoch müssen wir mit den durch die Regierung und die Behörden getroffenen Entscheidungen leben und diese auch umsetzen. Durch die von der Bundesregierung erlassene Coronaschutzverordnung mit Gültigkeit ab 4. Mai 2020 ist nun für Rechtssicherheit und eine einheitliche Linie gesorgt worden. Danach sind Großveranstaltungen in diesem Rahmen, zu denen auch unser Schützenfest gehört, bis mindestens 31. August 2020 untersagt. Ein Jahr ohne Schützenfest, das ist einmalig und wird es auch hoffentlich bleiben. Für uns alle sollte das aber kein Grund sein, die Köpfe hängen zu lassen. Wir hoffen und gehen davon aus, dass sich die Situation, in der wir uns alle befinden, grundlegend ändert, sodass wir 2022 in gewohnter Weise wieder Schützenfest feiern können, und zwar am gewohnten Termin, am ersten Wochenende nach Pfingsten 2022.

Wir wünschen allen Schützenbrüdern und ihren Familien, dass sie in dieser schwierigen Zeit die notwendige Geduld und Besonnenscheit aufbringen und wir alle gemeinsam durch diese harte Zeit kommen. Dadurch, dass weniger soziale Kontakte wahrgenommen werden können, die Schützenbrüder, Freunde und Bekannte sich seltener sehen und das eine oder andere Bier weniger miteinander trinken, können wir gemeinsam die Gefahr der Infektion senken und das Virus eindämmen.

Bleibt gesund und achtet auf Eure Mitmenschen, damit wir bald wieder miteinander in gemütlicher Runde zusammen sein können. Lasst uns alle optimistisch nach vorne schauen. Gut Schuss!

Dieter Dreckmann (1. Vorsitzender) und Sebastian Schneider (Oberst)

Auch wenn das Schützenfest in diesem Jahr nicht stattfinden kann, sind trotzdem die Jubiläumskönigspaare zu erwähnen:

Silberkönigspaar 1994 bis 1996: Jürgen I. Gerlach und Birgit I. Timmer (geb. Reckwardt).

Silberkönigspaar 1994 bis 1996: Jürgen I. Gerlach und Birgit I. Timmer (geb. Reckwardt). © privat

Goldkönigspaar 1970 bis 1972: Ludger I. Rexfort und Rita I. Barduhn.

Goldkönigspaar 1970 bis 1972: Ludger I. Rexfort und Rita I. Barduhn. © privat

Diamantkönigspaar 1960 bis 62: Ferdinand II. Sax jr. und Ingrid I. Krietemeyer. Die Königin ist leider schon verstorben; der Diamantkönig erfreut sich aber bester Gesundheit und ist auch selbstverständlich Mitglied im Ehrenvorstand.

Diamantkönigspaar 1960 bis 62: Ferdinand II. Sax jr. und Ingrid I. Krietemeyer. Die Königin ist leider schon verstorben; der Diamantkönig erfreut sich aber bester Gesundheit und ist auch selbstverständlich Mitglied im Ehrenvorstand.

Angetreten als Anwärter waren Thomas Nitsch, Stefan Lukassen und Tobias Nordmann. Entspannt – zumindest äußerlich – und in einem sehr freundlichen Umgang miteinander wechselten sich die drei Männer beim Schützenfest 2018 des Allgemeinen Bürgerschützenvereins Dorsten Feldmark ab. Zunächst bröselte der Vogel zögerlich dahin, bis plötzlich zwei große Holzstücke herunterfielen. Dann ging alles ganz schnell: Mit dem 211. Schuss holte Tobias Nordmann den Vogel von der Stange – und großer Jubel brach los. Von allen Seiten drängten sich Schützen um ihn und gratulierten. Und schon wurde der neue König hochgehoben. Ungläubig und glücklich saß er, mit beiden Teilen des Vogels in den Händen, auf den Schultern seiner Freunde und ließ sich ins Festzelt tragen. Dort ernannte er Ramona Nitsch zu seiner Königin. Wie das Paar das Schützenfest im Jahr 2018 wahrnahm und was sie über ihre verlängerte Amtszeit denken, darüber sprachen Tobias Nordmann und Ramona Nitsch mit Redakteurin Lydia Klehn-Dressler.

Tobias Nordmann ernannte Ramona Nitsch zur Königin der Feldmark.

Tobias Nordmann ernannte Ramona Nitsch zur Königin der Feldmark. © Jennifer Riediger

War der Schuss auf den Vogel seinerzeit eigentlich von langer Hand geplant?

Tobias Nordmann: Es war bedingt spontan. Ich habe vor jetzt sechs Jahren schon einmal mitgeschossen. Damals klappte es aber nicht. Und circa eine Woche vor dem Schützenfest 2018, als die Vorfreude wuchs und man in Stimmung kam, wurde der Entschluss gefasst, es noch einmal zu probieren. Das Ganze war mit meiner Frau Friederike, Ramona, meiner Königin, und ihrem Mann Thomas abgesprochen. Denn wir sind beide angetreten. Wir waren also somit Konkurrenten, haben damit aber auch unsere Chancen erhöht, dass zumindest einer von uns den Vogel abschießt.

Wann genau haben Sie realisiert, dass Sie jetzt König und Königin sind?

Tobias Nordmann: Dass der Vogel jetzt wirklich gefallen ist, habe ich erst später registriert. Denn auch wenn man es versucht, rechnet man nicht wirklich damit. Denn die Vorarbeit leisten ja irgendwie alle Anwärter und es gehört auch eine große Portion Glück dazu, dann an der Reihe zu sein, wenn der Zeitpunkt günstig ist.

Ramona Nitsch: Ich habe es erst realisiert, als ich abends im Bett lag. Denn es passiert so viel und man erlebt so unglaublich viele Sachen, dass man erst gar keine Zeit hat, die Information sacken zu lassen.

Wie haben Sie das Schützenfest danach als neues Königspaar wahrgenommen?

Ramona Nitsch: Wenn der Vogel fällt, startet quasi ein Film. Alles ist durchgeplant und es gibt am Anfang viel Programm. Und bei allem ist man irgendwie neu aufgeregt.

Tobias Nordmann: Es prasselt unglaublich viel auf einen ein. Angefangen damit, dass alle auf einen zustürmen und man in das Zelt getragen wird. Es war sehr aufregend. Aber dennoch konnten wir diese riesige Party auch genießen.

Erinnern Sie sich noch an die erste Amtshandlung?

Tobias Nordmann: Als erste Amtshandlung haben wir das alte Königspaar mit einem Orden ehren dürfen.

Wie lief die bisherige Zusammenarbeit zwischen König und Königin?

Tobias Nordmann: Super! Wir waren immer einer Meinung bei den Entscheidungen und musste nie groß diskutieren.

Ramona Nitsch: Wir kennen uns ja auch schon recht lange. Mein Mann Thomas und Tobias sind Cousins. Ich habe Tobias dann vor ungefähr acht Jahren kennengelernt. Und wenn man sich schon so lange kennt, fällt die Zusammenarbeit sehr leicht.

Im Rückblick gesehen: Was hat Ihnen während der bisherigen Regentschaft am meisten Freude bereitet?

Ramona Nitsch: Jede Abordnung hatte Höhepunkte für sich. Wir durften so viele nette Leute kennenlernen und gemeinsam wurde auch viel gefeiert.

Tobias Nordmann: Besonders schön war auch der große Zuspruch von allen Seiten.

Würden Sie irgendwann gerne noch mal König werden?

Tobias Nordmann: Ach, ich denke, nach vier Jahren Amtszeit ist erst mal jemand anderes dran. Denn das Ganze soll ja auch keine Endlosgeschichte werden. Aber: Sag niemals nie! Allerdings könnte ich mir ganz gut vorstellen, dass vorher Thomas Nitsch König wird, mit meiner Frau Friederike als Königin, und ich dann nur Teil des Throns bin – also quasi eine Überkreuz-Konstellation des aktuellen Throns.

Wer der nächste König wird, entscheidet sich ja nun erst im Jahr 2022. Wie haben Sie die Entscheidung, das Schützenfest 2020 nicht stattfinden zu lassen, aufgenommen?

Tobias Nordmann: Wehmut ist schon vorhanden, dass kein Schützenfest stattfindet. Aber wir freuen uns natürlich, dass wir weiter machen dürfen.

Ramona Nitsch: Dass wir weiter machen, war für uns selbstverständlich, da wir mit vollem Einsatz das Schützenleben mitgestalten.

Tobias Nordmann: Das Ganze bringt zwar auch private Planungen durcheinander, aber dafür ist es ja auch etwas Besonderes, dass wir den Verein für vier Jahre nach außen hin präsentieren dürfen. Außerdem freuen wir uns, dass wir so im kommenden Jahr beim Schützenfest Altendorf-Ulfkotte als Königspaar der Feldmark dabei sein können. Und das schon zum zweiten Mal, denn nicht jedes Königspaar hat die Möglichkeit in Altendorf zu feiern.

Haben Sie mitbekommen, ob das Schützenvolk sehr enttäuscht ist?

Tobias Nordmann: Das Verständnis für diese besondere Situation ist auf jeden Fall da. Niemand ist verärgert. Das Schützenfest nicht stattfinden zu lassen, finden alle vernünftig. Es ist zwar sehr schade, aber man kommt damit klar. Alle arrangieren sich mit der Situation.

Ramona Nitsch: Man könnte das Ganze auch als Chance für das Schützenwesen sehen. Denn jetzt, wo das Schützenfest ausfällt, merken die Menschen vielleicht, dass etwas fehlt.

Werden dann zum Beispiel die Ehrungen von 2020 auch nachgeholt?

Tobias Nordmann: Alles, was jetzt wegen der Corona-Krise ausfallen muss, wird nicht vergessen. Die Ehrungen werden daher nachgeholt. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Freude auf das nächste Schützenfest dadurch noch weiter wächst und dass es umso größer gefeiert wird.

Da hört man ja jetzt schon, dass die Vorfreude sehr groß ist!

Tobias Nordmann: Ja, sehr. Ich denke, das geht allen so. Aber wir hoffen natürlich, dass wir bis dahin noch andere Feste feiern dürfen. Im nächsten Jahr findet nämlich das Kinderschützenfest statt. Wir hoffen, dass diesem Ereignis kein Strich durch die Rechnung gemacht wird. Auch noch nicht abgesagt wurden für dieses Jahr das Bataillonsfest und das Oktoberfest. Ob diese beiden Veranstaltungen stattfinden können, ist noch offen. Das bleibt abzuwarten. Aber auf jeden Fall freuen wir uns auf zwei weitere Jahre als König und Königin.

Ramona Nitsch: Besonders freuen wir uns, weiter mit unserer Feldmark feiern zu können. Die Unterstützung war bis jetzt überwältigend und wir freuen uns auf weitere schöne Stunden mit Euch. Daher möchten wir uns auf diesem Wege noch mal bei Euch bedanken!

Ungläubig und glücklich saß der neue König, mit beiden Teilen des Vogels in den Händen, auf den Schultern seiner Freunde.

Ungläubig und glücklich saß der neue König, mit beiden Teilen des Vogels in den Händen, auf den Schultern seiner Freunde. © Foto Archiv

Tobias Nordmann schoss den Vogel ab.

Tobias Nordmann schoss den Vogel ab. © Jennifer Riediger

Mit dem 211. Schuss holte Tobias Nordmann den Vogel von der Stange.

Mit dem 211. Schuss holte Tobias Nordmann den Vogel von der Stange. © Jennifer Riediger

Mehr Informationen über den Allgemeinen Bürgerschützenverein Dorsten Feldmark gibt es auf der Homepage. https://schuetzenverein-dorsten-feldmark.de/
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