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Arbeit in luftiger Höhe

Ausbildung zum Dachdecker

Für Luisa Marweg und Marcel Forwich geht es in ihrem Arbeitsalltag oft hoch hinaus: Beide befinden sich in ihrer Ausbildung im Dachdecker-Handwerk.

02.07.2020, 14:24 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die Arbeit auf dem Baugerüst ist für Luisa Marweg kein Problem.: Starb

Die Arbeit auf dem Baugerüst ist für Luisa Marweg kein Problem.: Starb © Starb

Das Wetter hat einen großen Einfluss auf die Arbeit und bremst Luisa Marweg an diesem Morgen erst einmal aus. Der kräftige Regen sorgt dafür, dass die 24-Jährige und ihre Kollegen sich zunächst in die relative Trockenheit des Baugerüstes flüchten, erst als der Schauer einige Minuten später nachlässt, geht es weiter. Weiter, das bedeutet in diesem Fall das Eindecken eines Anbaus an einem Wohnhaus. Ein Großteil dieser Arbeiten ist schon erledigt, auf Luisa wartet jedoch noch eine Aufgabe: Sie vollendet den Dachfirst des Anbaus.

Die Firstpfannen, in diesem Fall handelt es sich um Metallpfannen, müssen vor dem Verlegen noch vorbereitet werden. Und dabei sitzen die Arbeitsschritte gekonnt: Zunächst nimmt Luisa Maß und markiert die Stellen, an denen sich später Aussparungen befinden müssen. Anschließend ist Kraft gefragt, mit der Blechschere bearbeitet sie die Pfannen und schraubt sie an ihrem Bestimmungsort fest.

„Die Arbeit an der frischen Luft und in der Höhe passt einfach.“
Marcel Forwich

Es ist diese Art der Arbeit, die Luisa für das Handwerk begeistert – dazu führte, dass sie sich für die Ausbildung als Dachdeckerin entschieden hat. „Ich war erst an der Uni und habe studiert, gleichzeitig dazu aber immer schon nebenbei im Handwerk gearbeitet. Und irgendwann habe ich dann gemerkt, das gibt mehr als ein Studium. Dass ich mich viel mehr verwirklichen und auspowern kann“, berichtet sie über ihren Werdegang.

Dass es dann das Dachdecker-Handwerk wurde, hängt mit den besonderen Umständen der täglichen Arbeit zusammen. „Das Besondere an diesem Beruf ist die Höhe und dass man dadurch immer wieder in Situationen gerät, in denen man sich neu kennenlernt und auch besser kennenlernt. Aber auch die körperliche Anstrengung und die Skills, die man dadurch lernt und die vielleicht nicht jeder kann“, sorgen diese Umstände bei Luisa immer wieder für neue Motivation.

Die Vielseitigkeit hat aber nicht nur auf die 24-Jährige eine große Anziehungskraft ausgeübt, auch für Marcel Forwich ist sie einer der entscheidenden Punkte für das Dachdecker-Handwerk. „Der Job macht einfach Spaß – und man ist durch die geleistete Arbeit auch gut angesehen. Und immer wieder ist es eine neue Situation, jede Baustelle ist anders“, berichtet der 33-Jährige. Dass es dabei auch einmal anstrengend werden kann, ist für Marcel keinesfalls ein Ausschlusskriterium – ganz im Gegenteil. „Die Arbeit an der frischen Luft und in der Höhe passt einfach.“

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Traumberufe: Dachdecker

Im Gegensatz zu Luisa ist er an diesem Morgen allerdings nicht mehrere Meter über dem Boden unterwegs, sondern nur auf die ersten paar Sprossen einer Leiter angewiesen. Grund dafür ist die Hanglage des Garagenanbaus, an dem er und sein Kollege gerade arbeiten. Das Flachdach ist längst fertig, was noch fehlt, sind die seitlichen Bleche, die dafür sorgen, dass kein Wasser unter die Dachpappe kommt und dort Schäden verursacht.

Erfolg durch Teamwork

Aufgrund der Länge geht dabei nichts ohne Teamwork: Einer schraubt, der andere hält die Verkleidung. Auch das gehört für beide Berufsneulinge zu ihrem Alltag – ohne die Zusammenarbeit mit den Kollegen wäre die Arbeit ungleich schwieriger – oder gleich unmöglich. Das zeigt sich auch bei Luisa. Fehlt ein Werkzeug, macht sich der Kollege auf den Weg, Luisa kann in der Zeit weiterarbeiten.

Die Wege auf das Gerüst hinauf und wieder herunter gehören aber natürlich zum Alltag dazu. Werkzeuge und Materialien müssen immerhin an die erhöhten Arbeitsplätze gebracht werden. „Viel hoch- und wieder runterlaufen gehört natürlich zu einem typischen Arbeitstag dazu, auch das Schleppen von Material“, berichtet Marcel. Um die Arbeit zu erleichtern, gibt es natürlich Hilfsmittel, zum Beispiel Lastenlifte, die umgangssprachlich auch als Dachdeckeraufzug bekannt sind. Mit ihnen lassen sich die Dachpfannen dann deutlich müheloser in die Höhe bringen.

Ob und wo diese Hilfsmittel zum Einsatz kommen, ist dann immer ganz von der jeweiligen Baustelle abhängig. „Es kommt immer auf die Arbeit an. Wenn es nur kleinere Arbeiten wie Abdichtungen sind, dann sind wir mit weniger Leuten vor Ort und es braucht weniger Material. Aber an Baustellen wie hier muss dann auch das Gerüst aufgebaut werden“, erläutert Luisa.

Das Handwerk in Zahlen und Fakten

  • Bundesweit gibt es zum Stichtag am 31. Dezember 2019 insgesamt 15.180 Dachdeckerbetriebe.
  • 2019 arbeiteten 100.815 Berufstätige als Dachdecker.
  • Ein Großteil der Betriebe hat maximal bis zu 20 Mitarbeiter, im Durchschnitt sind es bundesweit 5,9 Mitarbeiter*innen pro Betrieb.
  • Im Januar 2020 gab es 7228 Auszubildende in diesem Gewerbe. Damit stieg deren Zahl im Vergleich zum Vorjahr noch einmal an, damals gab es zum gleichen Stichtag 6767 Auszubildende.
  • Im Bereich der Dachdecker-Innung Unna gibt es aktuell 43 Mitgliedsbetriebe. In ihnen lernen derzeit 50 Auszubildende alles Wissenswerte rund um ihren Beruf.
  • 24 von ihnen befinden sich derzeit noch in ihrem ersten Lehrjahr.
  • Die monatliche Vergütung liegt im Bereich der Handwerker-Innung Unna zu Beginn bei maximal 760 Euro und steigt im zweiten Lehrjahr auf maximal 910 Euro. Im abschließenden dritten Jahr sind es dann maximal 1160 Euro.
  • Die Ausbildungsdauer beträgt drei Jahre. Zur Ausbildung gehört neben der Arbeit im Betrieb auch der Besuch der Berufsschule. Die Auszubildenden der Dachdecker-Innung Unna besuchen hierfür die Berufsschule in Eslohe.
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