Zwei Selmer sind jetzt „Ruhrtalente“: Schüler profitieren von besonderem Förderprogramm

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Die beiden Selmer Lena Schneider (14) und Stivan Khalaf (15) sind dank ihres sozialen Engagements zwei von 160 Ruhrtalenten. Nun nehmen sie an einem außergewöhnlichen Förderprogramm teil.

Selm

, 20.12.2019, 11:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Selmer Schüler von der Selma-Lagerlöf-Sekundarschule haben es geschafft: Sie dürfen sich seit November als „Ruhrtalente“ bezeichnen. Damit gehören sie zu rund 160 jungen Schülerinnen und Schülern, die in diesem Jahr ausgezeichnet wurden. In den kommenden Jahren erwartet sie eine außergewöhnliche Förderung - die sie sich durch ihr besonderes Engagement verdient haben.

Die Idee kam den beiden Klassenlehrerinnen von Lena Schneider (14) und Stivan Khalaf (15). Astrid Gartmann und Annette Lunemann hatten die beiden Neuntklässler für das Schülerstipendienprogramm der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen empfohlen.

Der Iraker Stivan Khalaf übersetzt für seine Nachbarn

Mit einem Notendurchschnitt von 1,3 (Lena Schneider) und 1,4 (Stivan Khalaf) gehören die beiden zu den Besten ihres Jahrgangs. Ihre liebsten Schulfächer seien „Bio und Englisch“, sagt Lena Schneider. Aber „eigentlich mag ich alles außer Geschichte und Mathe - da strenge ich mich aber trotzdem an.“ Auch Stivan Khalaf „mag alle Fächer, am meisten aber Physik“.

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Bei dem Auswahlverfahren wird neben den schulischen Leistungen jedoch auch auf das soziale Engagement der Bewerber geachtet. „Beide zeichnen sich sowohl durch ihre guten Leistungen als auch durch ihr soziales Engagement aus“, sagt Annette Lunemann.

Stivan Khalaf, der vor fast fünf Jahren aus dem Irak nach Deutschland kam, helfe vor allem denjenigen, die mit der deutschen Sprache noch Probleme hätten. „In meiner Gegend gibt es viele ausländische Familien“, sagt er. „Für die übersetze ich viel.“ Auch in der Schule helfe er gerne ausländischen Schülern.

Workshops und Auslandsreisen für junge Schüler

Sowohl er als auch seine Mitschülerin sind als Streitschlichter an der Sekundarschule tätig und waren bereits Klassensprecher. Zudem gehören sie zur Schülervertretung. Lena Schneider ist auch in der Kirche aktiv, leitet zudem eine Kindersportgruppe. Außerdem „übernimmt sie viel Verantwortung in ihrer Familie“, sagt ihre Lehrerin Lunemann. „Ich habe zwei kleinere Brüder, auf die ich öfter aufpassen muss“, sagt Schneider. Sie helfe viel zuhause mit. „Aufräumen und Putzen - Haushalt eben“, erzählt die 14-Jährige.

Das Schülerstipendienprogramm unterteilt sich in mehrere Felder. Unter anderem wird allen Ruhrtalenten die Möglichkeit gegeben, diverse Workshops zur Berufs- und Studienorientierung zu besuchen. „Ich war schon bei einem Informatik-Workshop“, erzählt Stivan Khalaf. „Der war ganz gut.“ Ein Lehrer einer Informatik-Schule habe den etwa 20 Teilnehmern Informatik-Grundlagen nähergebracht.

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Für Lena Schneider soll es im Sommer oder Herbst 2020 mit dem Stipendium nach England gehen. Für zwei Wochen werde sie dann in Liverpool leben, vormittags dort in die Schule gehen und nachmittags an verschiedensten Aktivitäten teilnehmen.

Jeden Freitag kommt eine Mail mit allen Angeboten

Doch auch für ihre täglichen schulischen Aufgaben bietet das Programm Unterstützung an. „Wenn man keinen Laptop oder Schreibtisch hat, kriegt man einen“, sagt Lena Schneider, die jedoch genau wie Stevan Khalaf auf das Angebot verzichten konnte. Alle Stipendiaten erhalten zudem eine Bahn-Karte - um auch zu den zahlreichen Workshops gelangen zu können.

„Freitags kommt immer eine Mail mit den Angeboten, wo wir hingehen können“, erklärt Schneider. Auch viele politische oder kulturelle Angebote gebe es dann. Sogar Hilfe beim Schreiben von Bewerbungen würden sie und Stivan Khalaf bei Bedarf bekommen.

Noch müssen sie zwar keine schreiben, aber in Zukunft werden sie auf die Hilfe bestimmt zurückgreifen. Schon jetzt haben die beiden eine Vorstellung davon, was sie später machen wollen. „Vielleicht werde ich Maschinenbauingenieur“, sagt Stivan Khalaf. Lena Schneider „möchte etwas Richtung Medizin machen“.

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