„Es war die Hölle“: Zwangs-Pause für Selmer Tattoo-Laden ist zu Ende

dzCoronavirus

Als klar war, dass sie ihr Tattoo-Studio wieder öffnen darf, flossen bei Bianca Grundig Tränen. Seit Montag läuft der Betrieb wieder - und so viel hat sich durch die Auflagen gar nicht geändert.

Selm

, 30.05.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Zahl weiß Bianca Grundig ganz genau: 65. So viele Tage war das Tattoo- und Pierce-Studio „Hautnah dabei“, das sie zusammen mit Mathias Probst an der Kreisstraße in Selm betreibt, geschlossen. Es war eine Zwangspause - wegen der NRW-Regeln zur Coronapandemie. Keine einfache Zeit für die Unternehmer - im Gegenteil. „Es war die Hölle“, sagt Bianca Grundig. Ständig habe sie auf das Handy geschaut, aktualisiert, Nachrichten laufen gehabt, gegoogelt, ob es Neuigkeiten zu den Regeln gibt. „Wir haben uns alles reingezogen, was ging“, sagt auch Mathias Probst.

Sie erzählen das aus der Rückschau: Mittlerweile durften sie ihr Studio wieder öffnen. Das hatte das Land NRW am 19. Mai bekanntgegeben. Eigentlich war im Stufenplan des Landes eine deutlich spätere Öffnung für die Studios vorgesehen gewesen. Nach reichlich Kritik aus der ganzen Branche ist der Termin aber vorgezogen worden: Seit Mittwoch, 20. Mai, darf in NRW wieder gepierct und tätowiert werden.

„Willkür ausgeliefert“

Eine Nachricht, die Bianca Grundig einen Stein von Herzen fallen ließ: „Ich habe ein bisschen geweint“, sagt sie in Erinnerungen daran. Die Ungewissheit - die sei einfach schrecklich gewesen, sagt sie. Zudem hatten sie und Mathias Probst das Gefühl, einer „Willkür ausgeliefert“ zu sein. „Es kann ja nicht sein, dass die Studios in Bayern wieder öffnen dürfen, und die in NRW nicht“, erklärt Mathias Probst seinen Ärger. Sogar geklagt haben er und Bianca Grundig deshalb gegen das Land NRW. Zu ihrem Eilantrag von Anfang Mai dazu haben sie allerdings noch nicht wirklich eine Rückmeldung - oder ein Aktenzeichen, erzählen die beiden.

Seit dem 25. Mai haben sie nun ihren Alltag zurück: Das Studio an der Kreisstraße, wo neben Bianca Grundig und Mathias Probst vier Tätowierer als Solo-Selbstständige arbeiten, hat den Betrieb wieder aufgenommen. Unter Corona-Auflagen. Allerdings: „Im Grundsatz hat sich nicht viel geändert“, sagt Mathias Probst. Bei Piercen und Tätowieren sei der Hygienestandard sowieso schon sehr hoch. Handschuhe und das regelmäßige Desinfizieren sei Standard. Neu ist jetzt, dass die Mitarbeiter bei der Arbeit ein Visier aus Plexiglas und eine Maske tragen.

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Die Hefte, die sonst im Studio ausliegen, haben die Mitarbeiter außerdem weggeräumt, Kunden sollen sich außerdem etwas zu trinken mitbringen und können sich nicht wie sonst an den Getränken vor Ort bedienen.

Außerdem bracht man jetzt für alles - außer, wenn man zum Beispiel einen Gutschein kaufen möchte, - einen Termin. Bei großen Tattoos war das bei „Hautnah dabei“ vorher aber sowieso schon so.

Der Kalender, so erzählen es Bianca Grundig und Mathias Probst sei seit dem Wieder-Start schon sehr gut gefüllt - alle Kunden, deren Termine ausfallen mussten, hatten sie kontaktiert. Der Appell der beiden: „Traut euch“, sagt Mathias Probst. Er meint damit nicht nur potentielle Kunden von Tattoo-Studios, sondern auch von Restaurants und Gaststätten. „Geht jetzt hin. Sonst könnt ihr es bald nicht mehr.“

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