Zustimmung für Groko in Selm, aber kein pauschales „Weiter so“

dzAnalyse der Kommunalwahl

Die Wählerinnen und Wähler scheinen die oft kritisierte Groko im Stadtrat mehr zu mögen als vermutet. Das lässt sich als klares „Weiter so“ interpretieren. Nicht ganz, meint unsere Autorin.

Selm

, 17.09.2020, 16:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Rechnung ist einfach: Jeweils zehn Sitze haben SPD und CDU für sich gesichert. Das macht in der Summe 20. Selbst wenn die anderen fünf, durchaus heterogenen politischen Kräfte im Stadtrat das wollten und zusammen hielten: Die sogenannte Groko könnten sie nicht überstimmen. Also ein klarer Wählerauftrag, in Selm alles so weiter zu machen wie bisher. Nicht ganz.

„Dann haben wir ja doch nicht alles falsch gemacht“, sagte ein SPD-Ratsherr am Wahlsonntag, als er lächelnd auf die nach und nach eintrudelnden Wahlergebnisse schaute. Am Ende kam die SPD auf 31,6 Prozent der Stimmen, nahezu gleichauf mit der CDU (31,5 Prozent) - fast eine Punktlandung verglichen mit den Ergebnissen der Kommunalwahl 2014, nur dass beide Parteien jeweils einen Prozentpunkt verloren.

Rückenwind für die großen Projekte in Selm

Angesichts der großen Projekte, die Selm gerade stemmt - Abschluss des Projekts Aktive Mitte mit Umbau der Dreifachhalle und Ausweisung des Wohngebietes Am Auenpark, Ansiedlung eines großen Unternehmens an der Werner Straße, Ortskernentwicklung in Bork und Cappenberg, Hallenbad-Pläne - ist dieser stabile Zuspruch wichtig. Rückenwind dafür gibt es nicht nur durch die Ratswahl. Kontinuität versprechen auch beide Bürgermeisterkandidaten, die sich am 27. September in der Stichwahl gegenüber stehen: Thomas Orlowski (SPD) und Michael Zolda (CDU).

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Auch wenn die Mehrheit der Wählerschaft Selm auf dem richtigen Weg sieht, der weiter geradeaus führt. 36,85 Prozent der Menschen möchten andere Akzente setzen: Das ist mehr als jeder dritte. Unter ihnen sind keine Radikal-Kritiker. Sowohl Wir für Selm als auch gelegentlich die UWG und die Grünen haben mit der Groko schon mal an einem Strang gezogen. Sie geben aber auch kritischen Input, mahnen an, bei allem Bauwillen mehr an die Natur zu denken, an die gewachsenen Strukturen und an den Geldbeutel der Menschen, der eine hohe Abgabenlast schultern müsse.

Familienpartei ist neue Herausforderung

An ihre Seite treten ab November zwei weitere politische Kräfte: Die FDP kehrt zurück, und erstmals betritt die Familienpartei das Ratsparkett. Mit 7,2 Prozent Zustimmung für den Rat und fast 10 Prozent für den Bürgermeisterkandidaten Ralf Piekenbrock ist sie die größte Gewinnerin der Wahl - und zugleich ein Sammelbecken für Menschen, die mit Argwohn die Stadtpolitik betrachten. Die Kommentarspalten in den sozialen Medien sind regelmäßig voll davon. Ralf Piekenbrock und Heiko Buchalik, die für die Familienpartei in den Rat ziehen, müssen zeigen, dass es ihnen nicht um Fundamentalkritik geht, sondern um konstruktive Zusammenarbeit. Und die Groko ist trotz des Erfolgs gut beraten, die kleineren Gruppen nicht nur zu überstimmen, sondern zu überzeugen und Kompromisse einzugehen. Das Tempo der Selmer Entwicklung wird sie sowieso drosseln müssen - nicht wegen des Kommunalwahlergebnisses, sondern wegen Corona und den Folgen.

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