Polizeistudenten wohnen über den Ortsteil Bork verteilt auch in privaten Wohnungen, zum Teil in Wohngemeinschaften. Könnte das das Infektionsgeschehen begünstigen? © Oskar Neubauer (Archiv)
Coronafälle beim LAFP Bork

Wohngemeinschaften von Polizeistudenten in Bork: In Coronazeiten tragbar?

Beim LAFP Bork hat es Coronainfektionen gegeben. Könnte das auch damit zu tun haben, dass Studenten aus ganz NRW nach Bork kommen und in Wohngemeinschaften leben? Ist das coronagerecht?

Das Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP) der Polizei NRW durfte Mitte Januar nach einer Schließung wieder öffnen. Ausbildung und Training von Kommissaranwärtern konnte wieder laufen. Mit Stand vom 4. Februar hat das LAFP der Redaktion mitgeteilt, dass es insgesamt zwölf Coronainfektionen gegeben hat und 22 Kontaktpersonen identifiziert wurden.

„Um auszuschließen, dass sich hier ein möglicher Infektionsherd gebildet hat, von dem weitere Infektionsgefahren im Training ausgehen könnten, haben wir infolge der sofortigen Rückverfolgung in Abstimmung mit der behördlichen Polizei- und Betriebsärztin und im Einklang mit den Empfehlungen des RKI sogenannte Corona-Schnelltests für betroffene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchgeführt“, heißt es weiter. „Die Schnelltests wurden beim Polizeiärztlichen Dienst in Selm durchgeführt. Alle 66 Schnelltests verliefen negativ.“

Besorgte Bürger haben sich bei der Redaktion gemeldet, weil sie gerade in Coronazeiten die Wohnsituation der Studenten für untragbar und auch gefährlich für das Allgemeinwesen halten. Sie wohnen unter der Woche in Bork in privat angemieteten Wohnungen, teilweise in Wohngemeinschaften. Die Kritik von Borker Bürgern: Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen seien in solchen Wohnverhältnissen nicht einzuhalten und die Studierenden halten sich ja auch in Geschäften in Bork auf, erhöhen dadurch die Ansteckungsgefahr für andere Menschen, so die Befürchtungen.

Die Redaktion hat beim Kreis Unna nachgefragt.

Könnten aktuelle Coronaausbrüche auch damit zusammenhängen, dass die Studierenden aus verschiedenen Kommunen nach Bork kommen und die Ansteckungsgefahr für den Studiengang deshalb höher ist, weil in ihren Heimatkommunen das Coronageschehen womöglich höhere Inzidenzwerte hervorbringt?

„Diese Frage kann nicht verlässlich beantwortet werden, weil sie auf Annahmen beruht“, antwortet der stellvertretende Leiter Presse und Kommunikation, Max Rolke. Sieben Infizierte in der vergangenen Woche in Selm seien zudem kein ungewöhnlich hoher Anstieg der Infektionszahlen.

Wie bewertet das Kreisgesundheitsamt die Tatsache, dass Studierende in privaten angemieteten Wohnungen in Bork in Wohngemeinschaften zusammenleben. Wie oben beschrieben handelt es sich um Studierende, die aus verschiedenen Kreisen NRWs zur Polizeiausbildung nach Bork kommen, unter der Woche in WGs wohnen und am Wochenende wieder in ihre Heimatorte zurückfahren.

Max Rolke dazu: „Es ist grundsätzlich nichts Ungewöhnliches, dass Studierende gemeinsam Wohnungen anmieten – auch in Zeiten der Corona-Pandemie dürfen die Menschen in ihren angemieteten Wohnungen wohnen.“

Besteht dadurch nicht auch eine größere Gefahr der Ansteckung der Studierenden selbst, aber auch der anderen Menschen, die in solch einem Haus wohnen, etwa die Vermieter selbst, die ja auch möglicherweise Risikogruppen zuzuordnen sind?

„Nein, nicht wenn sich alle an die geltenden und allseits bekannten Hygiene- und Schutzmaßnahmen halten“, sagt der stellvertretende Kreissprecher. „Grundsätzlich leben Menschen überall auf der Welt in angemieteten Wohnungen in Mehrfamilienhäusern – auch ganz unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft.“

Außerdem halten sich die Studierenden nicht nur im LAFP und ihrer Wohnung in Bork auf, sondern gehen ja auch einkaufen.

„Da spricht nichts gegen“, teilt Max Rolke mit. „Menschen müssen sich mit Lebensmitteln versorgen.“

Ist solch eine Wohnsituation angesichts der Coronapandemie überhaupt noch tragbar?

„Selbstverständlich“, so Rolke. „Menschen dürfen in ihren angemieteten Wohnungen wohnen.“

Hält das Kreisgesundheitsamt die oben vom LAFP skizzierten Maßnahmen für ausreichend? Oder müsste ein ganzer Studiengang in Quarantäne?

Klare Antwort des Vize-Kreissprechers: „Tests und Quarantänemaßnahmen sind ein ausreichendes Mittel, um weitere Infektionen zu verhindern.“

Aktuell – Stand 4. Februar – sind laut Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP) der Polizei NRW sieben von rund 200 Selmer Lehrenden in der Ausbildung positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Neun weitere Lehrende wurden aufgrund der dienstlichen Kontaktsituation unverzüglich vom Training freigestellt und aufgefordert, sich zur Abklärung des weiteren Vorgehens unmittelbar mit dem zuständigen Gesundheitsamt bzw. ihrem Hausarzt in Verbindung zu setzen.

Bei den Selmer Kommissaranwärtern sind laut LAFP fünf Personen positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Diese Personen wohnten zusammen mit zwei weiteren Kommissaranwärtern in einer Wohngemeinschaft in Selm. Die Betroffenen halten sich derzeit an ihren Wohnorten außerhalb der Stadt Selm auf und befinden sich aufgrund der Anordnung der örtlich zuständigen Gesundheitsämter in Quarantäne.

Weitere 13 Kommissaranwärter wurden aufgrund der dienstlichen Kontaktsituation unverzüglich vom Training freigestellt und aufgefordert, sich zur Abklärung des weiteren Vorgehens unmittelbar mit dem zuständigen Gesundheitsamt bzw. ihrem Hausarzt in Verbindung zu setzen.

Von diesen Personen hält sich derzeit ein Kommissaranwärter an seinem Wohnsitz in Selm auf. Er befindet sich dort aufgrund einer Anordnung des für ihn zuständigen Gesundheitsamtes in Quarantäne. Alle anderen Personen halten sich derzeit in Quarantäne an ihren Wohnorten außerhalb der Stadt Selm auf.

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Arndt Brede

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