Fahren ohne Führerschein: Polizei stoppte Selmer mit Faustschlag

dzAmtsgericht

Die Autofahrt über die Buddenbergstraße endete mit einem Faustschlag. Ein Beamter der Polizei hat damit einen 40-jährigen Selmer an der Flucht gehindert - und Schlimmeres verhindert.

von Sylvia Mönnig

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, 20.08.2020, 18:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ehe gescheitert, keine feste Bleibe und ohne berufliche Perspektive: In dieser Lage suchte ein Selmer Trost im Drogenkonsum und verfiel in Gleichgültigkeit. Zwei Mal wurde er ohne Führerschein hinter dem Steuer erwischt. Nun zeigte er sich geläutert,

Seine erste Fahrt ohne Fahrerlaubnis leistete sich der 40-Jährige am späten Mittag des 11. November auf der Buddenbergstraße – und geriet prompt an die Polizei. Er blieb einem Beamten in Erinnerung und so erkannte der den Mann, der am Mittag des 9. Dezember mit einem Auto auf der Kreisstraße unterwegs war, auch sofort wieder. Eine Kollegin und er stoppten den Selmer und der versuchte offenbar, zu fliehen. Da das aber nur über den Gehweg möglich gewesen wäre und der Polizist um die Sicherheit der vielen Kinder, Passanten und Radfahrer fürchtete, griff er durch das geöffnete Fenster, um den Zündschlüssel abzuziehen und versetzte dem Fahrer notgedrungen einen Faustschlag. Danach sollte der 40-Jährige aussteigen – und sperrte sich dagegen.

Ehrlichkeit und Reue

Fahren ohne Fahrerlaubnis in zwei Fällen und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte wurde dem Selmer nun vor dem Amtsgericht Lünen zur Last gelegt. Er überraschte mit absoluter Ehrlichkeit und Reue. „Ich habe voll den Hänger gekriegt. Meine Frau hatte mich ohne Klamotten auf die Straße gesetzt.“ Er habe angefangen, Drogen zu konsumieren und sei „so dull im Kopp“ gewesen, dass ihn seine Mutter beinahe hätte einweisen lassen. „Ich weiß nicht, was mich da geritten hat“, beteuerte er, der sich an Details gar nicht entsinnen konnte. „Mir tut das alles unendlich leid. Nun bemühe er sich, sein Leben wieder auf die Kette zu kriegen. Derzeit lebe er bei seiner Mutter. Ab September habe er aber wieder eine eigene Wohnung. Auch habe er Aussicht auf einen Job. Und: „Das Auto rühre ich nicht mehr an.“ Auch nutzte der angeklagte Selmer die Chance, um sich bei den beiden Beamten persönlich zu entschuldigen.

Das offene Geständnis, die Abbitte bei den Polizisten und der Umstand, dass er bei der Begegnung mit den Beamten selbst verletzt wurde, sorgten schließlich dafür, dass der Vorwurf des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte mit Blick auf die ohnehin zu erwartende Strafe für die Fahrten ohne Fahrerlaubnis eingestellt wurde. Und diese positiven Aspekte, zu denen noch ein leeres Strafregister hinzukam, schlugen sich dann auch im Urteil nieder. Der Selmer wurde zu 1125 Euro Geldstrafe und einem Jahr Sperrfrist zur Erteilung einer Fahrerlaubnis verurteilt. Der 40-Jährige akzeptierte die Entscheidung umgehend und verließ den Gerichtssaal erst, nachdem er sich noch einmal aufrichtig für die Zwischenfälle entschuldigt hatte. sam

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